Subventionen für NRW-Bühnen: 135 Euro Zuschuss pro Theaterkarte
VON MATTHIAS BEERMANN UND THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 20.11.2009 - 10:05Düsseldorf (RP). Ein Papier der Landesregierung zeigt: Allein die 17 wichtigsten NRW-Bühnen verschlingen 390 Millionen Euro an Subventionen. Trotzdem rangiert das Land bei der Kulturförderung weit hinter den anderen Bundesländern.
Jeder Besuch einer Theater-Vorstellung in Nordrhein-Westfalen wird im Durchschnitt mit 135 Euro subventioniert. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine große Anfrage der SPD-Fraktion hervor, die unserer Zeitung vorliegt, sowie aus eigenen Recherchen.
Die in dieser Form erstmals zusammengetragenen statistischen Daten werfen ein interessantes Schlaglicht auf den Stand der Kulturfinanzierung in Nordrhein-Westfalen. So lässt sich dem Papier der Landesregierung entnehmen, dass allein die 17 wichtigsten Bühnen Nordrhein-Westfalens in der Spielzeit 2006/2007 mit insgesamt gut 390 Millionen Euro bezuschusst wurden. Das entspricht rund 96 Prozent der Gesamtkosten des Spielbetriebs.
Trotz dieser hohen Aufwendungen liegt NRW bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur unter den deutschen Flächenländern mit weitem Abstand auf dem letzten Platz. So hat 2007 etwa der Freistaat Sachsen für Kulturförderung stolze 91,62 Euro pro Einwohner aufgewendet, Bayern 40,87 Euro und Rheinland-Pfalz immerhin noch 24,29 Euro. Dagegen flossen in NRW nur 16,35 Euro pro Kopf in die Förderung von kulturellen Projekten, Veranstaltungen und Einrichtungen (siehe Infokasten). An diesem letzten Platz dürfte sich auch in den Jahren 2008 und 2009 "nichts geändert haben", gesteht die Landesregierung in ihrer Stellungnahme ein.
Auch die von der regierenden schwarz-gelben Koalition seit 2005 schrittweise umgesetzten Erhöhungen des Kulturetats, der bis 2010 verdoppelt sein soll, haben das bevölkerungsstärkste Bundesland NRW im Bundesvergleich offenbar nicht nach vorn gebracht. Inzwischen machen die Kulturausgaben des Landes allerdings bereits 0,94 Prozent des Gesamthaushalts aus (2005: 0,64 Prozent).
Das Papier der Landesregierung listet neben den Zuweisungen aus dem Landesetat aber auch die teils erheblichen Kulturausgaben der Kommunen auf, die die Ausgaben des Landes bei Weitem übersteigen. So haben die kreisfreien Städte in NRW im Jahr 2007 insgesamt rund 777,4 Millionen Euro für Kulturelles ausgegeben, das entspricht im Durchschnitt 2,9 Prozent ihrer Gesamtausgaben.
Spitzenreiter ist dabei Münster, das auf 5,3 Prozent Kulturausgaben kommt, gefolgt von Bonn mit 4,3 Prozent. Immer noch über dem Durchschnitt liegen die Ruhrgebietsstädte Bochum (3,6), Essen (3,6) und Dortmund (3,5). Die Landeshauptstadt Düsseldorf kommt im Vergleich dazu mit 3,1 Prozent aus, dann folgen mit deutlichem Abstand Städte wie Krefeld (2,6), Duisburg (2,5) und Mönchengladbach (2,0). Schlusslichter in der NRW-Kulturförderung sind finanziell besonders klamme Kommunen wie Bottrop und Solingen, die jeweils nur 1,1 Prozent ihrer ausgezehrten Etats in die Kultur investieren.
Unterdessen haben die Kulturdezernenten des Kultur-Sekretariats NRW einen "Bestandspakt" zwischen den Theater-Städten und dem Land gefordert. Die 20 theatertragenden Kommunen im Land seien aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage, den Erhalt ihrer Bühnen zu gewährleisten. Deshalb sollten sie mit dem Land einen Notpakt auf fünf Jahre schließen, um die zu erwartende Krisenzeit zu überbrücken und einschneidende Verluste im Kulturbereich zu vermeiden, hieß es.
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