"Wir sind nicht der verschnarchte Verein": Akademie der Künste legt mit Schlingensief-Projekt neu los
zuletzt aktualisiert: 12.01.2007 - 16:19Berlin (RPO). Selbstironie beweist jetzt die Berliner Akademie der Künste. Sie will sich ein neues Image geben und hat aus diesem Zweck ein neues Projekt mit dem Regie-"Enfant terrible" Christoph Schlingensief aus der Taufe gehoben. Er sei nicht "der verschnarchte Verein" für den er gehalten werde, heißt es aus Berlin.
Präsident Klaus Staeck verwies auf die Aufführung des Stücks "Die Piloten. 10 Jahre Talk 2000" will zeigen, dass jeder Fernsehen machen kann. Die sechsteilige so genannte Sendereihe startet am 15. Januar. Weitere Termine sind der 19. und 26. Januar, jeweils um 18 und 20.30 Uhr.
Kampf gegen Rechts
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Akademie sei der Kampf gegen Rechtsextremismus. "In Berlin gibt es jeden Abend drei bis vier Veranstaltungen dagegen, nur 50 Kilometer weiter ist kulturelle Wüste", sagte Staeck. "Wir müssen weiter ins Land gehen, wo es wirklich notwendig ist." Das sehe auch der Auftrag der vom Bund finanzierten Akademie vor. So sei unter anderem im September und Oktober ein Projekt in den Städten Bitterfeld und Wolfen geplant.
In diesem stellen Akademie-Mitglieder acht bis 18-jährigen Schülern ihre Werke vor, diskutieren mit ihnen und arbeiten gemeinsam. Die Jugendlichen sollen selbst schreiben, fotografieren, zeichnen, filmen, komponieren oder Hörspiele produzieren. Die Ergebnisse werden auf einem Fest in Bitterfeld präsentiert.
Staeck sagte, darüber hinaus wolle man auch künftig aktuelle Debatten anzetteln, die dann aber auch zu einem Ergebnis führen sollten. Geplant sind für 2007 zehn Gespräche. Unter anderem geht es um Ausländer- und Flüchtlingspolitik sowie die Digitalisierung des Radios.
Archiv meldet erfolgreichstes Jahr der Geschichte
Weitere Höhepunkte im Programm sind drei Künstler-Nächte. Am 29. Januar steht der vor einem Jahr gestorbene Vater der Videokunst, Nam June Paik, im Mittelpunkt. Weitere Nächste sind konzipiert zu Alfred Döblin (13. Mai) und Ruth Berghaus (30. Juni).
Für das Archiv der Akademie war 2006 das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte. Insgesamt seien 45 neue Einzelarchive und 76 umfangreiche Erweiterungen von Archiven zu verzeichnen gewesen, sagte Archivdirektor Wolfgang Trautwein.
Die Akademie wird eigenen Angaben zufolge 2007 mit über 17,7 Millionen Euro vom Bund gefördert. Die Ausgaben belaufen sich auf über 18,4 Millionen Euro. Lediglich zehn Prozent davon werden für Veranstaltungen, Stipendien und Preise verwendet. Mit dem Großteil (80 Prozent) werden Personal- und Liegenschaftskosten bestritten.
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