Akademie der Künste: Ausstellung ehrt 102-jährigen Johannes Heesters
zuletzt aktualisiert: 23.08.2006 - 15:22
Ein roter Theatervorhang aus Pappmaché, gehalten von aufgemalten goldenen Kordeln und Quasten, gibt den Blick frei auf eine ungewöhnliche Schau, die einen Rückblick auf eine lange Karriere bietet. "Was hinter mir liegt, interessiert mich nicht. Wichtig ist, was noch vor mir liegt", sagt Heesters heute.
Die Ausstellung der Akademie folgt der Chronologie von Heesters bewegtem Leben: Seine Anfangsjahre am Theater in den Niederlanden, sein Wechsel ins Operettenfach sowie der rasche Aufstieg zum gefeierten Star werden anhand von Bühnenfotos, Kostümen und Familiendokumenten nachgezeichnet. Nach 1933 begann seine Karriere in Deutschland und in Österreich. Rollenporträts, Werk- und Szenenfotos, Kritiken und Werbematerial zu seinen Film- und Fernsehproduktionen sowie zu Theater- und Operettenrollen sind zu sehen. Berühmt wurde Heesters unter anderem mit Filmen wie "Der Bettelstudent" (1936), "Karneval der Liebe" (1942), "Gigi" und als Graf Danilo in Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe".
Frack und Seidenschal als Markenzeichen
1937 trat er im Film erstmals im Frack auf, der fortan zu seinem Markenzeichen werden sollte. Musikfilme und Gesellschaftskomödien, Kostüm- und Operettenfilme zeigten nun Heesters als stets perfekten Mann von Welt - der Song "Heut' gehn wir ins Maxim" wurde zu seiner Erkennungsmelodie.
Der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Schauspieler und Operettentenor spiegelt beispielhaft die europäische Unterhaltungsgeschichte des 20. Jahrhunderts wider. "Es ist erstaunlich, dass dies die erste Ausstellung überhaupt zu Johannes Heesters ist", sagt der Direktor des Akademie-Archivs, Wolfgang Trautwein. Erst vor zwei Jahren hatte Heesters der Akademie der Künste sein privates Archiv überlassen. "Die Idee einer Ausstellung war ihm aber zunächst fremd, als ich sie ihm vortrug", sagt Trautwein. "Er blickt nicht gern zurück, schaut lieber auf heute und morgen."
Einen ganz besonderen Blick in die deutsche Vergangenheit bietet die Ausstellung zudem: die Unterhaltungskultur während des Nationalsozialismus und die Rolle Heesters' während dieser Zeit. "Der nationalsozialistischen Propaganda ist es gelungen, den Bonvivant und Frauenhelden in ihrem Sinn zu funktionalisieren", sagt Trautwein.
Keine Propaganda
Allerdings habe Heesters nie ein ideologisches Ideal verkörpert, habe nie in Propagandafilmen mitgewirkt und auch nie nationalsozialistisches Gedankengut geäußert, erläutert der Archivdirektor. Fotos in der Ausstellung dokumentieren Heesters' Besuch im Konzentrationslager Dachau 1941 ebenso wie einen Brief an Propagandaminister Joseph Goebbels oder einen Besuch in einem jüdischen Theater in Amsterdam 1938.
Ab den 60er Jahren gelang dem Grandseigneur der Unterhaltung der nahtlose Übergang vom Leinwandstar zum Fernsehliebling. Erst am 11. August begeisterte er sein Publikum mit einem mitternächtlichen Showauftritt - natürlich im schwarzen Frack, mit Zylinder und weißem Seidenschal - im wiedereröffneten Berliner Admiralspalast.
Die Ausstellung, die von dem 102-Jährigen mit einem Auftritt zusammen mit dem Salon Orchester am Donnerstagabend eröffnet wird, ist bis 22. Oktober zu sehen. Gestaltet wurde die Ausstellung von Heesters' Enkel Johannes Fischer, einem Sohn von Nicole Heesters.
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