documenta 12 öffnet offiziell die Tore: Das ist die Kunst des 21. Jahrhunderts
zuletzt aktualisiert: 17.06.2007 - 17:03Kassel (RPO). Die documenta 12 ist eröffnet. Die hunderttägige Weltkunstschau zeigt moderne zeitgenössische Kunst aus aller Welt. Sie will provozieren, reflektieren und zum Nachdenken anregen. Bundespräsident Horst Köhler würdigte die Ausstellung bei der Eröfffnung als guten Ort, "um die Probleme der Welt sichtbar zu machen".
In unserer Fotostrecke haben wir für Sie eine Auswahl der Ausstellungsstücke von Kassel getroffen. Sie zeigt Performance, großflächige Installationen, Möbelstücke, Gemälde und andere Ausprägungen der Moderne. Eines haben die Kunstwerke gemeinsam: Sie zeigen, was zeitgenössische Künstler unter Kunst verstehen. Konvention ist etwas anderes.
Köhler eröffnete die documenta 12 am Samstag offiziell. Nach einem Rundgang durch das Museum Fridericianum und den eigens für die hunderttägige Weltkunstschau errichteten Auepavillon sagte Köhler, das Wichtigste an der Ausstellung sei, "dass man angeregt wird zum Nachdenken, zum selber Denken". An dem Rundgang unter Führung der Kuratoren Roger M. Buergel und Ruth Noack nahmen auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und weitere geladene Gäste teil.
Unter anderem besichtigten sie die Arbeit von Romuald Hazoumé: Der Künstler aus Benin erinnert mit einem Boot aus Benzinkanistern an das Schicksal der vielen Afrikaner, die nur illegal nach Europa einwandern können und häufig bei der Überfahrt im Meer ertrinken.
Der Start der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst war bereits am Freitagabend mit einem Bürgerfest im Bergpark von Schloss Wilhelmshöhe in Kassel gefeiert worden, zu dem trotz strömendem Regen tausende von Menschen gekommen waren. Auch am Samstag war der Andrang groß: Als die documenta nach dem Rundgang des Bundespräsidenten endlich ihre Tore für das Publikum öffnete, hatten sich bereits lange Schlangen vor den Eingängen gebildet.
Die documenta 12 läuft bis 23. September. Zu sehen sind rund 530 Arbeiten von 113 Künstlern und Künstlergruppen aus aller Welt. Mindestens 650 000 Besucher - so viele waren es bei der Vorgängerschau 2002 - werden erwartet.
Die Kunstschau zeigt fast ausschließlich Werke von Künstlern, die hierzulande noch unbekannt sind. Mehr als die Hälfte der documenta-Teilnehmer stammt aus Regionen, die bei den bisherigen elf Kasseler Weltkunstausstellungen unterrepräsentiert waren: Osteuropa, Asien, Afrika und Südamerika. Allein China ist mit sieben Künstlern vertreten.
Zu den spektakulärsten Arbeiten gehört das Projekt "Fairytale" von Ai Weiwei, der 1001 Chinesen zur documenta reisen lässt und ihre Erfahrungen sammeln will. Vor Schloss Wilhelmshöhe legt Sakarin Krue-On aus Thailand Reisfelder an. Der Österreicher Peter Friedl zeigt eine ausgestopfte Giraffe, die in einem Zoo in Palästina lebte und zum Opfer des Nahostkonflikts wurde. In einer Straßenbahn der Linie 4 ist eine Soundinstallation des russischen Künstlers Kirill Preobrazhenskiy zu hören.
Die Ausstellung verteilt sich auf fünf Hauptstandorte in Kassel. Außerdem ist das Restaurant "elBulli" des spanischen Starkochs Ferran Adrià in Roses bei Barcelona zur Außenstelle der documenta ernannt worden. Jeden Tag will documenta-Leiter Buergel zwei willkürlich ausgewählte Ausstellungsbesucher nach Spanien schicken, damit sie die Erfahrung der "Molekularküche" des Avantgarde-Kochs machen können.
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