Berliner Baupläne: Das neue Stadtschloss
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 29.11.2008 - 15:00Berlin (RP). Der Architektenwettbewerb ist entschieden: Dem Italiener Francesco Stella wurde der erste Preis zuerkannt. Sein Entwurf sieht einen stark historisierenden Wiederaufbau des Stadtschlosses vor.
Bis zuletzt ging es im mehr als 15 Jahre währenden Streit um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses nicht nur darum, welche Gestalt das Gebäude annehmen soll, sondern auch um die Frage, ob eine Rekonstruktion überhaupt wünschenswert sei. Jetzt hat die Jury ihre Entscheidung getroffen. Sie hatte allerdings nicht über Sinn oder Unsinn des Projekts zu befinden, sondern lediglich eine Auswahl zu treffen in einem Wettbewerb, der den Teilnehmern ohnehin kaum Freiheiten ließ. Denn es war vorgegeben, dass das Gebäude mit barocken Fassaden an drei Seiten wiedererstehen soll.
Zufriedene Traditionalisten
So wird also dort, wo einst die Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg residierten, später die Könige in oder von Preußen und der Kaiser des Deutschen Reiches, keine Architektur des 21. Jahrhunderts entstehen, sondern ein Nachbau des Italieners Francesco Stella: mit Kuppel, einer Rekonstruktion des Schlüterhofs, mit Durchgang von der Breiten Straße zum Lustgarten immerhin – aber ohne dass der Saal der DDR-Volkskammer aus dem Palast der Republik eingebaut würde, wie es zeitweilig zur Diskussion stand.
Die Traditionalisten um den Vorsitzenden des Schloss-Fördervereins, Wilhelm von Boddien, können also zufrieden sein. Berlin bekommt sein Schloss, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1950 auf Befehl von Walter Ulbricht gesprengt wurde, zumindest äußerlich zurück. Im Inneren ist eine Rekonstruktion schon deshalb nicht möglich, weil sich der Herrschaftssitz in ein Wissenszentrum verwandeln soll. Als „Humboldtforum“ soll es die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen aufnehmen sowie Teile der Berliner Landesbibliothek und die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt-Universität. Das Gebäude soll 552 Millionen Euro kosten, aufzubringen von Bund, Land Berlin und privaten Investoren; der Grundstein soll 2010 gelegt werden
Der wissenschaftliche Zweck allein hätte den Wiederaufbau des Schlosses nicht gerechtfertigt. Eher sah es so aus, als suchten die Befürworter händeringend nach einer gesellschaftlich überzeugenden Nutzungsmöglichkeit, um endlich ans Ziel zu gelangen. Außereuropäische Sammlungen – wer wollte da im Zeitalter der Globalisierung ernsthaft Widerspruch einlegen?
Berlins historische Mitte
Plausibler erschien da schon der Umgang mit städtebaulichen Argumenten. Berlin müsse seine historische Mitte wiederbekommen; gegenüber dem Berliner Dom, der Museumsinsel und dem barocken Zeughaus wäre ein moderner Bau aus Glas und Stahl fehl am Platze. Der wahre Grund für die Rekonstruktion aber liegt im Emotionalen. Viele Berliner sehnten einfach wieder ein Schloss als Zentrum herbei, so wie seinerzeit auch die Bürger in Polens Hauptstadt Warschau. Und in einer Zeit, da selbst Braunschweig sich den Wunsch nach Wiedererstehung seines Schlosses mit Ach und Krach erfüllte, sogar um den Preis, dass darin ein Einkaufszentrum entstand, wollte Berlin nicht zurückstehen.
Das Stadtschloss – Notwendigkeit oder Luxus? Vermutlich weder das eine noch das andere. Ein Schloss gibt Berlin eine heimelige Mitte – denen, die so etwas nötig haben.
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