Ausstellung im Neanderthalmuseum: Den Mythen auf der Spur
VON CHRISTOPH ZACHARIAS - zuletzt aktualisiert: 16.07.2009 - 07:54Mettmann (RP). Das Neanderthal Museum zeigt die sehenswerte Ausstellung "Monster und Mythen". Konzipiert wurde sie vom Natural History Museum in London. Sie liefert wissenschaftliche Erklärungen für mysteriöse Phänomene.
Zum ersten Mal wird die Ausstellung "Monster & Mythen" des Natural History Museum London in Deutschland gezeigt. Das Kellergeschoss des Neanderthal Museums in Mettmann mutiert zum Gruselkabinett. Da steht ein fast drei Meter hoher Zyklop, der schmatzend und grunzend an einem blutigen Fleischknochen nagt. Sein Auge rollt dabei furchterregend hin und her.
Nun soll besonders den jungen Besuchern auf gar keinen Fall der Museumsbesuch verleidet und Angst eingeflößt werden. Nein, der Ansatz ist ein anderer: "Geschichten über bizarre und mysteriöse Lebewesen wie Yeti, Drache, Einhorn und Zyklop kursieren seit Tausenden von Jahren. Die Ausstellung will die Herkunft dieser Fabelwesen erklären und versucht, wissenschaftliche Antworten zu geben", sagt Bärbel Auffermann, stellvertretende Leiterin des Neanderthal Museums.
Der populäre Ansatz ist gewollt und soll Aufmerksamkeit erregen: "Auch der Neanderthaler ist jahrzehntelang als tumber, keulenschwingender Menschenfresser dargestellt worden", so Auffermann. Neue Forschungen belegen hingegen, dass die Seitenlinie des modernen Menschen soziales Verhalten kannte, sich verständigen konnte und vermutlich im Wettkampf mit dem eiszeitlichen Cro-Magnon-Menschen aufgrund seiner Friedfertigkeit unterlegen war.
Zurück zum Zyklopen: Vermutlich deuteten die Menschen Schädel prähistorischer Zwergelefanten, die auf den mediterranen Inseln lebten, als Zyklopen. Die große Nasenöffnung der Elefantenschädel wurde fälschlicherweise als große mittige Augenhöhle interpretiert.
Der Yeti, ein Lebewesen, halb Mensch, halb Affe, zieht die Menschen im Himalaya in den Bann. Wissenschaftler des Natural History kamen zu dem Schluss, dass der gigantische Fußabdruck von Langurenaffen stammt, die oft auf zwei Beinen stehen. Die Größe der Yeti-Fußspuren könnten das Ergebnis von aufgetautem und wieder gefrorenem Schnee sein. Dieser Prozess verursacht, dass sich kleine Fußabdrücke nach einer gewissen Zeit verzerren.
Doch nicht bei allen Exponaten greift der wissenschaftliche Erklärungsansatz. Da liegt ein großer Drache in der Ecke. Aus dem Schlaf geweckt, faucht er und hebt den Kopf. Als Vorbilder gelten große Reptilien wie Schlangen, Eidechsen und Krokodile. Höhlenfunde von Mammuts, Wollnashorn und Bären interpretierten die Menschen als Nachweis für die Existenz von Drachen.
Die japanische Firma Kokoro hat die Modelle mit Aluminium, Schaumstoff und Silikon hergestellt. Druckluftzylinder sorgen dafür, dass sie sich bewegen. "Die Japaner haben bereits die Monster der Godzilla-Serien konzipiert", sagt Götz Erikson, der als Mitarbeiter des Natural History Museums London mit den Monstern durch Europa zieht.
"Monster und Mythen" nimmt die Besucher mit auf eine spannende Zeitreise zwischen Mythologie und Wissenschaft. Gerade für Familien ist der Besuch interessant. Vorurteile und Fehlinterpretationen werden aufgelöst. Hinzu kommt der Schauder, der sich durch bewegende Chimären verstärkt. Eine sehenswerte Ausstellung.
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