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Der übermalte Jesus liebermann-villa ddp
  Foto: ddp, ddp
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Ausstellung dokumentiert Kunst-Skandal: Der übermalte Jesus

zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 14:58

Berlin (RPO). Eine Ausstellung in Berlin zeigt ein seinerzeit heftig umstrittenes Bild des Impressionisten Max Liebermann. Es zeigt den zwölfjährigen Jesus im Tempel. Weil Liebermann den Jesusknaben als verdreckten Jungen mit nackten Beinen darstellte, kam es zu derart wütender Kritik, dass der Künstler das Gemälde übermalte.

Info
Max Liebermann (1847-1935) gilt durch sein Werk und seine kunstpolitische Tätigkeit als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Malerei. von den Nationalsozialisten verfemt, starb er im Februar 1935 einsam und verbittert.

Zu sehen ist das Bild ab Sonntag (22. November) in der Berliner Liebermann-Villa. Erstmals präsentierte der Impressionist es im Jahr 1879 auf der Internationalen Kunstausstellung in München. "Die Exposition zeigt das Skandalgemälde erstmals zusammen mit allen erhaltenen 18 Vorarbeiten wie Ölstudien, Skizzen und Zeichnungen", sagt Museumsleiter und Kurator Martin Faass im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Die daneben hängende Reproduktion einer Fotografie des ursprünglichen Originals veranschauliche, welche Veränderungen Liebermann nach der Kritik an dem Jesusknaben vorgenommen habe.

Zudem gebe die Ausstellung Aufschluss über die Entstehung des Gemäldes und schließe Werke von Albrecht Dürer, Adolf Menzel und Rembrandt ein, die ebenfalls das Jesus-Motiv aufnahmen und Liebermann als Vorbild dienten, fügt Faass hinzu. Die hochkarätigen Leihgaben kommen unter anderem aus dem Berliner Kupferstichkabinett, dem Kunstpalast Düsseldorf, dem Saarland-Museum und der Schweiz. Eine umfangreiche Dokumentation mit faksimilierten Ausschnitten aus den zeitgenössischen Presseartikeln und historischen Dokumenten soll die teilweise antisemitisch geprägte Kontroverse über das Liebermann-Bild veranschaulichen.

Grund für die harsche Kritik war Faass zufolge die damals ungewohnt naturalistische Darstellung des Jesusknaben - insbesondere, weil Liebermann das "im Verständnis der Zeit Alltäglich-Hässliche mit einem christlichen Bildsujet" verband. Zudem war man darüber entrüstet, dass sich Liebermann als Jude an das christliche Motiv wagte. Sein Jesus sei als "nacktbeiniger, schmutziger Junge" und "Gotteslästerung" beschimpft worden, berichtet Faass. Die Diskussion lasse sich "als Symptom einer ersten Welle des Antisemitismus verstehen, der sich infolge der Gründerkrise zwischen 1874 und 1884 ausbreitete".

Nach der kritischen Debatte, die Liebermann so heftig nicht erwartet hatte, veränderte der Künstler 1884 den ursprünglich dunkelhaarigen, barfüßigen Jesusknaben mit Schläfenlocken und Hakennase in ein niedliches, stupsnasiges Kind mit goldenem Haar, wie der Kurator erzählt. Die nackten Füße überzog er mit Sandalen, und den kurzen Kittel verwandelte er in ein fließendes, wadenlanges Gewand. Zum Übermalen des Jesusknaben hatte sich Liebermann entschlossen, weil er keine religiösen Gefühle verletzten wollte. Zudem sei der Künstler doch stets sehr auf Anerkennung aus gewesen, sagt der Kurator.

Eigentlich stehe das 1,50 Meter hohe Ölgemälde, das sonst in der Hamburger Kunsthalle zu bewundern ist, auf der Liste jener Bilder, die wegen ihres Wertes und der Empfindlichkeit des Materials nicht mehr auf Reisen gehen dürfen, sagt Faass. "Doch wo könnte das Gemälde besser dem Publikum präsentiert werden als im Haus Liebermanns selbst", ist sich der Berliner Museumsleiter sicher und überzeugte damit auch seinen Hamburger Kollegen.

Die Rettung und Wiederherstellung der Liebermann-Villa ist dem bürgerschaftlichen Engagement der 1995 gegründeten Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin zu verdanken. Diese war erst im vergangenen Jahr für die Restaurierung der Villa und deren Eröffnung als Museum im April 2006 nach Jahren der Zweckentfremdung mit dem Europäischen Denkmalschutzpreis 2008/Europa Nostra Awards geehrt worden. Neben einer Dauerausstellung mit Gemälden des Künstlers und einer Dokumentation seines Lebensweges bietet das Haus Sonderschauen. Im vergangenen Jahr kamen rund 76 000 Besucher in die Liebermann-Villa an den Wannsee.

Quelle: DDP/pst

 
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