Heinz Erhardt bis Hape Kerkeling: Die Großen der Komik
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 31.10.2007 - 12:45Düsseldorf (RPO). Humor ist auch nicht mehr das, was er mal war - sagen viele. Komiker vom Format eines Heinz Erhardt oder eines Loriot sucht man heute vergebens - heißt es. Dabei haben sich die Comedians von heute bloß dem Zeitgeist angepasst. Und das ist im Grunde nicht verwerflich. Denn sie haben es schwer.
Ein guter Komiker hat Timing, einen Sinn für Situationskomik - und ein Gespür dafür, was die Menschen beschäftigt. Es fällt auf: Die wirklich Erfolgreichen unter den Komikern widmen sich fast durchgehend vor allem Gesellschafts-, Familien- und Beziehungsthemen.
Das gilt für den Loriot-Klassiker "Jodeldiplom" mit Evelyn Hamann, weil hier eine Frau ihre Stellung in der Gesellschaft sucht. Das gilt für Emil Steinberger als antiautoritären Vater, dem sein Sohn "Haaardy!!!!" auf der Nase herumtanzt. Für Jürgen von Manger, der vor Gericht erklären muss, warum er seine Schwiegermutter zersägt und im Rhein-Herne-Kanal versenkt hat (auch wenn die Wenigsten im wahren Leben in diesem Zusammenhang Bekanntschaft mit einer Säge gemacht haben dürften). Und das gilt für Mario Barth, den derzeit wohl erfolgreichsten Comedian, der ganze Abende mit seinen Beobachtungen über das Verhältnis von Mann und Frau bestreitet.
Trotzdem hat sich Komik im Laufe der Jahrzehnte verändert. Was früher auf der Höhe der Zeit war, wirkt heute behäbig. Was früher provozierte, schockt heute niemanden mehr. Als Otto Waalkes in den 70er Jahren bekannt wurde, fürchteten viele angesichts seiner Blödel-Komik den Untergang des Abendlandes - oder zumindest das Ende jeden Niveaus. Heute schimpfen viele Otto-Fans der 70er auf Oli Pocher, Helge Schneider und andere Blödel-Barden der Gegenwart.
Auch wenn die großen Themen die selben bleiben: Komik ist absolut dem Zeitgeist unterworfen, weil sich die Sehgewohnheiten der Zuschauer verändern. Die 20-Jährigen von heute sind schmerzfrei, weil sie viel gehört und gesehen haben. Tabubruch war nie so schwierig wie heute, einfach, weil die Tabus immer weniger werden. Ingo Appelt blieben noch der Papst und dessen Intimsphäre. Selbst dieses Thema ist jetzt verbraucht.
Das Tempo im deutschen Fernsehen erhöht sich ständig. Das lässt sich auch an Komikern wie Michael Mittermaier ablesen, die genauso sind wie ihre Zeit. Bei Mittermaier stimmen Inhalt und Form überein. Das Thema, das ihm seinen Erfolg beschert hat, ist das Fernsehen. Und seine Show ist genauso wie das TV heute eben ist: Hektisch, sprunghaft, schrill.
Trotzdem gibt es Dauerbrenner, die heute zwar seltsam behäbig wirken, aber immer noch komisch sind - objektiv gesehen, wenn es so etwas wie objektive Komik überhaupt gibt. Loriot gehört dazu. Weil Komik, wenn sie gut ist, Entscheidendes über eine Gesellschaft aussagen kann. Unaufdringlich und mit dem Florett. Und was ein Dauerbrenner ist, wird erst in der Rückschau zu erkennen sein.
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