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Fernand Léger im Kölner Museum Ludwig
Die rhythmische Fabrik

Köln. Riesige Wandgemälde von Fernand Léger stehen im Mittelpunkt einer sehenswerten Ausstellung im Kölner Museum Ludwig. Von Bertram Müller

Im Museum Ludwig kann sich Katia Baudin noch einmal nach Belieben ausbreiten. Über so viel Platz, wie ihr für die kuratorische Gestaltung der Schau "Fernand Léger -Malerei im Raum" zur Verfügung stand, wird sie vom 1. September an für Themen- oder Einzelausstellungenn nicht mehr gebieten. Denn wenn sie als neue Direktorin des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums und der Häuser Esters und Lange eine große Wechselausstellung arrangieren will, muss sie einen Teil der Schausammlung ins Depot des Museums auslagern. Doch gemach: Als Erstes wird sie im gesamten Kaiser-Wilhelm-Museum Teil II der eigenen Schätze zeigen, nachdem ihr Vorgänger Martin Hentschel das sanierte Haus mit Teil I eröffnet haben wird.

Überwältigende Inszenierungen 

In Köln kann man sich nun eine Vorstellung davon machen, wie Katia Baudin zu Werke geht. Sie setzt auf überwältigende Inszenierungen in großen Sälen und zugleich auf Kabinette, in denen sie Hintergründe erläutert. Im Falle von Léger (1881-1955) bedeutet das: Wandmalereien, die teilweise mehr als zehn Meter breit sind, und nebenan Skizzen, Skizzen, Skizzen. Wer genau hinschaut, dem geht ein Licht auf: Katia Baudin spiegelt in Légers Leben und Werk heimlich das eigene. Denn nicht nur für Léger waren Paris und New York bestimmende Stationen. In Frankreich wurde sie 1967 als Tochter einer Deutschen und eines Franzosen geboren, in New York wuchs sie auf, an der Sorbonne machte sie ihren Master in Kunstgeschichte. Und 2008 holte Kasper König sie als stellvertretende Leiterin ans Museum Ludwig.

Ihre länderübergreifenden Beziehungen sind ihr offenkundig auch bei der Léger-Ausstellung zugute gekommen. Denn eine Selbstverständlichkeit ist es nicht, dass sie ihre Schau mit dem fünf mal zehn Meter messenden Gemälde "Le Transport des Forces" (Kraftübertragung) von 1937 beginnen lässt. Das dynamisch wirkende Großformat, das der Künstler für das Palais de la Découverte zur Pariser Weltausstellung 1937 schuf, hat den Ursprungsort bislang kaum verlassen.

Dem starken Auftakt folgen weitere Eindrücke, die sich so bald nicht verflüchtigen werden: Filme von Légers Bühnenprojekten, von seinem Ballett "Schlittschuhbahn" und dem "Ballet mécanique" von 1922, das er mit Dudley Murphy und Man Ray choreografierte. Diese Arbeit zählt mit ihren sich drehenden Detailaufnahmen von Fahrradspeichen, Karussells und anderen technischen Gegenständen zu den bedeutendsten Experimentalfilmen der Geschichte.

Ein gutes Vorzeichen für Krefeld 

Auch in den Kompositionen seiner Wandgemälde aus den 30er Jahren findet sich viel Industriell-Gegenständliches, etwa in der ausgestellten "Studie für ein kinematisches Wandbild II" von 1938/39.

In mancherlei Hinsicht haben Freundschaft und Zusammenarbeit des Malers Léger und des Architekten Le Corbusier Spuren hinterlassen, etwa auf einer schwarz-weißen Fotografie, die Gemälde von Léger in Le Corbusiers Arbeitszimmer zeigt. Die Originale hängen in Köln unmittelbar daneben. Diese erzählerische, zuweilen verblüffende Herangehensweise der Kuratorin erinnert an die anekdotenreichen Ausstellungen des Wuppertaler Von-der-Heydt-Museums - womöglich ein gutes Vorzeichen für Krefeld.

Nach den 30er Jahren tauschte Léger die Welt der Dinge gegen die Natur. Farbkompositionen aus biomorphen Formen lösten den Tanz der Mechanik ab. Ein herausragendes Beispiel befindet sich im Besitz des Museums Ludwig: Légers elf mal vier Meter messendes, schwarz-weißes Gemälde "Die Taucher" von 1942. Geplant war es für das Wohnzimmer des Architekten Wallace K. Harrison, der unter anderem das UN-Hauptquartier in New York entwarf. Peter und Irene Ludwig erwarben es vor 30 Jahren speziell für den 1986 eröffneten Museumsneubau am Rhein.

Gegenüber diesem Gemälde hängt im einstigen Immendorff-Saal eine riesige Farbkomposition, die Léger als französischen Beitrag zur IX. Mailänder Triennale von 1950/51 erschuf: Schlussakkord einer Ausstellung, die ihr Publikum durch Monumentalität beeindruckt und - einziger Nachteil - es mit der Zugabe von dokumentarischem Material ein wenig zu gut meint.

Quelle: RP
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