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Banksys "Dismaland"
Hier liegt Cinderella tot im Freizeitpark

Das ist "Dismaland"
Das ist "Dismaland" FOTO: dpa, bsc
Weston-super-Mare . Ein Touristenmagnet ist die englische Stadt Weston-super-Mare nun wirklich nicht. Trotzdem strömen zurzeit täglich tausende Menschen genau dorthin. Ihr Ziel: "Dismaland", der alptraumhafte Anti-Freizeitpark des Künstlers Banksy.

In diesem Park liegt Cinderella tot in ihrer Kutsche, ihr blondes Haar fällt kraftlos auf den Boden. Die Pferde liegen vor dem umgekippten Wagen, kaputte Räder ragen in die Luft. Vor der Unglücksstelle steht eine Gruppe Paparazzi, die offenbar das bestmögliche Foto der Tragödie schießen wollen. Hinter den Paparazzi wird ebenfalls geknipst, was das Zeug hält. Jedoch von echten Menschen – Touristen, die diese verstörende Szene mit Smartphones und Kameras festhalten. 

Diese Szene spielt sich in "Dismaland" ab, einer neuen Installation des britischen Künstlers Banksy. Wer hierher kommt, muss mit Düsterem und Absurdem rechnen. Beispielsweise mit dem quietschenden Riesenrad, das dauernd stehen bleibt. Auch das Kinderkarussell ist nicht gerade einladend. Eines der Pferde auf dem Karussell ist an den Beinen aufgehängt und darunter sitzt ein schauriger Metzger mit einem Messer, bereit zum Einsatz. Die Kisten tragen die Aufschrift "Lasagne". 

Und es gibt noch mehr düstere Installationen zu sehen: Schwarze Ballons mit der Aufschrift "Ich bin ein Idiot" oder ein Poster, das den Besuchern bewusst machen soll, wie viele Menschen in Polizeigewahrsam sterben. Beim weiteren Umschauen fällt ein Becken auf, in dem ein Flüchtlingsboot schwimmt. Ganz nebenbei wird die Stimmung noch mehr durch Lautsprecher gedrückt, die ununterbrochen, neben verzerrter Dudelmusik im Dreiertakt, auch Ansagen abspielen, die den Besucher vor Grausamkeit, Gewalt und dem Leben allgemein warnen.

Graffiti-Künstler Banksy zeigt Street-Art in New York FOTO: dpa, Andrew Gombert

Der Schöpfer dieses Gruselparks sieht sein neustes Werk als "Ein Festival für Kunst, Unterhaltung und Anarchismus für Einsteiger", wie er im "Guardian" verrät. Zudem sehe Banksy diesen Ort als Chance zur Begegnung mit einer Gegenkultur. Der für seine Street Art mit politischem Hintergrund weltbekannte Künstler präsentiert im "Dismaland" eigene Skulpturen, aber auch Werke von knapp 60 Kollegen. Auch Größen wie der britische Konzeptkünstler Damien Hirst wirkten bei dem Projekt mit. 

Die Location für "Dismaland" wurde perfekt ausgewählt. Das halb verfallene, ehemalige Freibad aus grauem Beton in Weston-super-Mare, einem trostlosen Städtchen an der Küste bei Bristol, bietet sich perfekt an. In der Stadt war wohl schon lange nicht mehr so viel los wie heute. Schon ab dem frühen Vormittag stehen hunderte Interessenten Schlange.

Die meisten Besucher von "Dismaland" sind relativ jung und werden vor allem vom Namen des Künstlers Banksy angezogen. Der Park hat noch bis zum 27. September geöffnet, doch die Tickets sind online schon für viele Tage ausverkauft. Kurz vor Schließung des Gruselkabinetts sind noch Auftritte von bekannten Bands wie Pussy Riot und Massive Attack geplant. Trotz eines Hinweises, dass der Park für Kinder ungeeignet sei, stehen auch viele Familien in den langen Schlangen an.

Die Bezüge zu Disneys Vergnügungsparks sind neben dem Namen auch überall im Park zu finden. "Dismal" heißt auf Deutsch trostlos. Die schäbige, graue Schlossfassade, hinter der Cinderella verunglückt ist, soll die Besucher direkt an Disneyworld erinnern. Auch Meerjungfrau Arielle ist vertreten. Die Figur ist stark verzerrt, sie sitzt in einem trüben Tümpel. Die Angestellten im Park laufen in pinken Warnwesten herum und tragen Micky-Maus-Ohren, schauen gelangweilt und weisen die Gäste am Eingang darauf hin, nicht zu lächeln.

Die trübselige Stimmung des Personals und seiner "Attraktionen" zeigt Wirkung: Die meisten Gesichter der Besucher sind tatsächlich sehr ernst, während sie mit Tischtennisbällen auf Ambosse werfen, auf Dosen schießen mit Gewehren, deren Reichweite viel zu kurz ist, oder chancenlos nach Quietscheentchen angeln, die um einen ölverschmierten Pelikan herumdümpeln. 

Ein Ticket  für den Park kostet drei Pfund, das sind etwa 4,20 Euro. Damit ist er im Vergleich zu Disneyland ziemlich günstig - aber auch ungleich gruseliger.

(dpa)
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