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Ausstellung
Drei mal null gleich Zero

Mack und Uecker bei Zero-Ausstellung in New York
Mack und Uecker bei Zero-Ausstellung in New York FOTO: RP/Bosetti
Berlin. Bundestagspräsident Lammert eröffnete in Berlin die Zero-Ausstellung. Im Mittelpunkt stehen Piene, Mack und Uecker. Von Annette Bosetti

Schon wieder Zero? Die waren doch gerade erst in New York. Aber jetzt tritt die Künstlergruppe in der Hauptstadt auf. Das entfaltet eine neue historische Dimension. Die Wunde Deutschlands lässt sich in Berlin besichtigen, an der Schnittstelle von Vergangenheit und Gegenwart, da, wo die Mauerreste noch wie Narben mahnen: Zero ist Nachbar der Topographie des Terrors. Auf die an den Martin-Gropius-Bau zulaufenden Mauerreste wurde "Save our Planet" gesprüht, das hatte auch Zero im Sinn, als man 1958 als Künstlergruppe im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie die Kunst als unmessbare Zone des Schweigens ausrief.

Das Trauma

Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker schöpften ihre Ideen aus den Bildern und Lehren des Krieges. Sie waren traumatisiert. Sie wollten mit der alten Zeit nichts mehr zu tun haben, schon gar nichts mit den antikünstlerischen Umtrieben der Nazis. Die drei waren entschlossen, in neue Räume vorzustoßen, mit Material und Techniken zu experimentieren. So wie in den Sechzigern die Menschen zum Mond aufbrachen, so rief die Zero-Gruppe ihren Countdown aus, ein Menschheitstraum im Namen und Rahmen der Kunst. Kunst sollte Lebensmittel sein. "Zero ist gut für dich" brachte man unters Volk, die Düsseldorfer zogen mit, die Frauen malten auf ihre Kleider eine weiße Null, Joseph Beuys schaute zu, als Günther Uecker in den 60er Jahren das Pflaster vor der Galerie Schmela weiß anmalte. Plötzlich hatte Kunst mit Aktion und Performance zu tun, mit Selbstbehauptung und Rebellion. Die Kunst war in den öffentlichen Raum getreten, hatte den Hort des Museums verlassen. Statt gerahmter Bilder schuf man rotierende, mehrdimensionale, strukturierte und vibrierende "Arbeiten".

FOTO: dpa, soe htf

Die Nazifratze

Piene, Mack und Uecker arbeiteten nicht für sich alleine. In den Zeiten des Kalten Krieges waren sie früh international unterwegs. In New York, Frankreich, Holland und Belgien gaben sie Zeugnis von einem Deutschenbild, das mit der Nazifratze nichts mehr zu tun hatte. Zero war ein internationaler Impuls mit Stars wie Yves Klein oder Piero Manzoni. Und politischer Vorreiter, was man sich heute auch wieder von der Kunst wünschen möchte.

Der Kult

Rote schöne Münder von Zero-Manifesten werden auf Facebook tausendfach geklickt. Zero ist Marke geworden, Kult, Zauberwort. Der Blick wird vom kriminellen Marktgeschehen endlich wieder auf das Essentielle der Kunst gelenkt. Kurator Daniel Birnbaum stellt fest: "Manchmal bleiben die wirklichen Revolutionen in der Kunst unsichtbar, bis sie längst vergangen sind, doch die unterirdischen Schallwellen können sich über Generationen fortsetzen."

Berlin

Heinz Mack sorgt in Berlin für eine große Überraschung: Seine neu gefertigte Mondscheibe von zwölf Meter Durchmesser pendelt geheimnisvoll im Gropius-Saal. Piene, Mack und Uecker stehen im Mittelpunkt, daneben hat die Zero-Foundation die acht Zero-Jahre mit hunderten Texten und Fotos dokumentiert.

Viele Frühwerke der Zero-Künstler ähneln sich. Das einte sie zur Gruppe, und andererseits entzweite sie das auch. Man ging nach acht Jahren auseinander und startete in unglaubliche individuelle Karrieren, die derzeit bei Mack und Uecker ihren Höhepunkt erleben. Otto Piene ist 2014 gestorben.

Info

Die Ausstellung "Zero – Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre" läuft ab morgen in Berlin im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7 (bis 8. Juni). Mittwochs bis montags, 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen.

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