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Künstler stellt "Abhörprotokolle" ins Netz
Ein Wald voller Wanzen

Künstler stellt "Abhörprotokolle" ins Netz: Ein Wald voller Wanzen
Der Künstler Florian Mehnert hat die Geräusche im Wald abgehört – und will damit auf die Praktiken der NSA hinweisen. FOTO: dpa, Patrick Pleul
Düsseldorf. Der NSA-Skandal hat in den internationalen diplomatischen Beziehungen für Verstimmung gesorgt. An den Bundesbürgern selbst aber scheint der Skandal abzuperlen. Auch deshalb hat es sich der Künstler Florian Mehnert zur Aufgabe gemacht, auf die Gefahr durch die Überwachung im Netz aufmerksam zu machen – indem er Menschen im Wald abhörte. Von Dana Schülbe

"Waldprotokolle" heißt das Projekt des gebürtigen Kölners, der in Niederweiler (Baden-Württemberg) und Frankreich lebt. Auf seiner Internetseite ist ein Foto eines Waldes zu sehen – und mittendrin ein Mikrofon. "Florian Mehnert verwanzt die Natur, den Wald, die letzte Rückzugsmöglichkeit, in der man glaubt ungestört und ungehört zu sein", heißt es auf der Webseite. Und: "Es bleibt kein Ort des unbeobachteten Rückzugs mehr."

Unter dem Titel "Abhörprotokolle aus den Wäldern" hat er dann 21 kurze O-Töne ins Netz gestellt. Zu hören sind in diesen Protokollen einzelne Gespräche von Passanten, die durch die Wälder gegangen sind. Da ist etwa der Mann, der fragt: "Wollen wir hier lang gehen oder am Wasserfall vorbei?" Und eine Frauenstimme antwortet im Dialekt: "Das weiß ich nicht." Oder die aufgeregte Frauenstimme, die ruft: "Ich liebe dich nicht mehr" und "Wo bist du?"

Aktuelle Abhörtechnik benutzt

Handy-Klingeln, Vogelgeräusche, offenbar Jogger – all das haben die Mikrofone von Florian Mehnert aufgenommen, eben die kleinen Szenen des Alltags, die sich auch im Wald abspielen. Ein Mann sagt da etwa einem Kind, dass sein Schuh aufgegangen ist. Ein anderer meckert über "solche Affen". Und eine Gruppe scheint man beim Picknick im Wald zu belauschen.

Aber es gibt auch diejenigen, die das Mikrofon entdecken und sich fragen, was es damit auf sich hat. "Manchmal habe ich auch ganz sichtbar ein Mikrofon am Wegesrand installiert und mich in der Nähe versteckt", erklärt der Künstler auf sueddeutsche.de. Und das ist dann auch in einem Protokoll zu hören. Darin sagt eine Stimme, dass er Vogelgeräusche aufnehme. Die Passanten scheinen diese Erklärung zu akzeptieren und gehen weiter.

Richtmikrofone, Wanzen mit GSM-Technik, Aufnahmegeräte, die sich nur ab bestimmten Dezibelzahlen einschalteten, all das habe er für seine Abhöraktionen benutzt, erklärt Mehnert sueddeutsche.de, "die aktuelle Abhörtechnik", wie er sagt. Und er erklärt dort auch, warum er diese Aktion gestartet hat.

"Es gibt keine Sicherheit im Netz

"Ich bin bestürzt, dass sich nicht mehr Widerstand im Internet regt, dass die Menschen nicht auf der Straße demonstrieren", sagt er etwa angesichts des NSA-Skandals. Tatsächlich hatte erst jüngst eine Umfrage ergeben, dass fast die Hälfte der Deutschen den Wirbel um den NSA-Skandal für übertrieben halte.

Mehnert wolle daher aufrütteln und die Menschen durch das Abhören des letzten Rückzugsortes – der Natur – die unsichtbare Bedrohung im Netz sichtbar zu machen. Es gehe nicht um Panikmache, sondern die Absurdität der Überwachung im und durch das Netz zu demonstrieren.

Der Künstler selbst, so sagte er dem Nachrichtenportal, sei selbst nicht in sozialen Netzwerken aktiv, aber er sagt auch: "Es gibt keine Sicherheit im Netz." Und dann fügt er noch hinzu: "Je mehr persönlichen Input wir in das Internet tragen, desto besser wird jegliche Kontrolle funktionieren."

(das)
 
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