Christoph Schlingensief: Der Krebs ist zurück: "Es sieht nicht gut aus"
zuletzt aktualisiert: 14.12.2008 - 20:05Berlin (RPO). Christoph Schlingensief glaubte, seine schlimme Krankheit besiegt zu haben. Jetzt ist der Krebs zurück. Circa zehn neue Metastasen wurden in seinem verbleibenden Lungenflügel entdeckt. Für den Kult-Regisseur sieht es nicht gut aus.
Der Berliner Regisseur Christoph Schlingensief hat in einem Interview ausführlich über seine Krebserkrankung und seine Auseinandersetzung damit gesprochen. "Der Stand ist, dass ich circa zehn neue erbsengroße Metastasen habe in dem einen Lungenflügel, der mir nach meiner Operation geblieben ist. Das sieht nicht gut aus", sagte er dem "Spiegel". Die Metastasen seien sehr schnell gekommen, damit habe keiner gerechnet, fügte der 48-Jährige im Gespräch mit dem Magazin hinzu. Das sei auch für die Ärzte unbegreiflich.
Schlingensief war Anfang des Jahres an Lungenkrebs erkrankt. In seinem Oratorium "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", das bei der Ruhr-Triennale in Duisburg Premiere feierte, hatte er auch die Erkrankung thematisiert. Er sei jetzt gerade dabei gewesen, "wieder ins Leben zurückzukommen", sagte der Künstler weiter.
Er habe gemeinsam mit seiner Freundin gedacht: "Zwei, drei Jahre können wir das Leben wieder genießen. Wenn nicht sogar mehr. Und jetzt?". Seine Freundin und er weigerten sich aber "jeden Tag so zu genießen, als wäre es der letzte, nach diesem blöden Satz, den einem manche Ärzte sagen".
Freude empfinde er, so sagte der Regisseur weiter, über die Wärme, die er von "so vielen Freunden, aber auch von Künstlern zu spüren bekomme". Und er freue sich darüber, "mit meiner Freundin einfach dazuliegen und meinetwegen auf eine graue Hochhauswand zu blicken, ohne dunkle Wolke, ohne die Frage: Wie lange liegen wir überhaupt noch hier?".
Auch in Schlingensiefs neuem Theaterprojekt, das am 20. März Premiere am Burgtheater Wien feiere, gehe es "natürlich um Krankheit, um das kreisende Universum, in dem man doch drinbleibt, auch wenn man weg ist. Den Text dazu habe ihm Elfriede Jelinek geschenkt, ein Komponist mache gerade die Partitur für die Sänger.
In der letzten Zeit habe er gelernt, dass er sich auf andere Leute verlassen muss, sagte Schlingensief und fügte hinzu: "Diese Fernregie, das ist ein alter Wunsch von mir: Du baust einen Zug, auf dem Du eines Tages nicht mehr mitfahren kannst, dann fahren andere den Zug weiter und erkunden unbekannte Länder".
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