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Neubau-Eröffnung: Folkwang – das ideale Museum

VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 20:17

Essen (RP). Der von David Chipperfield entworfene Neubau des Essener Museums Folkwang wird ab Samstag für jedermann geöffnet sein. Seine Vorzüge: Übersichtlichkeit, Einfall von Tageslicht und die Erreichbarkeit aller Kunstwerke auf einer einzigen Ebene, dazu ein beeindruckendes Service-Angebot.

Das neue Museum Folkwang spannt seine Besucher auf die Folter. Es öffnet sich in Etappen. Schon seit Monaten konnte man David Chipperfields Architektur von außen und dank der zahlreichen Fenster auschnittweise im Inneren bewundern. Am nächsten Wochenende gewährt das Haus zwar erstmals auch Zutritt, doch noch enthält es den kostbarsten Teil seiner Schätze der Öffentlichkeit vor.

Denn die Sanierung des angrenzenden Altbaus, der unter anderem Bilder von Cézanne, van Gogh, Gauguin, Manet und Monet aufnehmen wird, ist noch nicht abgeschlossen. Erst vom 20. März an wird der Gesamtbestand vertreten sein, und die erste Wechselausstellung im Neubau wird beginnen. Schon jetzt aber lohnt sich ein Besuch nicht nur wegen der Architektur, sondern auch dank der Abteilung "Kunst seit 1945".

Man merkt sofort: Da erwächst der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, deren Erweiterungsbau im Juli eröffnet wird, eine starke Konkurrenz. Denn zahlreiche Künstler sind mit ihrem Werk hier wie dort zu Hause: Andy Warhol und Morris Louis zum Beispiel, Gerhard Richter und Frank Stella.

In Essen wandelt man von Andreas Gurskys Fotografie "Prada II" zu Yves Kleins Blattgold-Werk "MG 28", von einem großformatigen Wolkenbild Gerhard Richters zu Barnett Newmans "Gefesseltem Prometheus", von Frank Stellas "Basra-Tor" zu Simon Starlings Installation "Drei Vögel Sieben Geschichten". Der Turner-Preisträger des Jahres 2005 hat eine Turiner Galerie ausschnittweise nachgebildet und zeigt darin unter anderem eine Fotografie, die eben diese Installation von außen wiedergibt – einer von vielen irritierenden Momenten auf dem Rundgang durch das Haus. Weitere Räume gelten der Fotografie, der Grafik und den Schätzen des Deutschen Plakat-Museums, das auch bisher schon unter dem Dach des Museums Folkwang residierte.

Die durchweg großzügig gehängten Ausstellungsstücke beglückwünschen den Architekten. Jedes Bild, jedes Objekt hat genug Platz, um seine Wirkung zu entfalten, und der Betrachter sieht sich ermuntert, Beziehungen zwischen einzelnen Werken herzustellen.

David Chipperfield hat ein ideales Museum entworfen. Er lässt Tageslicht auf Ölgemälde und Skulpturen fallen, schottet dagegen die lichtempfindlichen Zeichnungen von der Außenwelt ab, zwingt den Besucher nicht auf einen vorgeschriebenen Rundgang, ermöglicht dennoch einen solchen durch den Neu- und den bald sanierten Altbau. Helle Wände, etliche Fenster, die den Blick zwischendurch zum Schweifen einladen, und ein fast vollständiger Verzicht auf Türen – dies sind weitere Kennzeichen, welche die sympathische Offenheit des Baus in dessen Innerem unterstreichen.

Dabei ist das Museum konservativ, fast altmodisch. Die Wände lassen sich nicht verrücken, sie sind nicht schräg wie im neuen, von Zaha Hadid in Rom erbauten Kunstmuseum, und auch sonst lässt die Architektur keinen Zweifel daran, dass nicht sie, sondern die Kunst den Mittelpunkt bildet.

Chipperfields Bau ersetzt ein Gebäude, das erst 1983 entstanden war, sich aber sowohl von seiner Substanz her als auch im Entwurf als derart mangelhaft erwies, dass viele es am liebsten abgerissen hätten. Erst der heute 96-jährige Berthold Beitz ließ diesen Wunsch in Erfüllung gehen. Als Kuratoriumsvorsitzender der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung stellte er 55 Millionen Euro für einen Neubau zur Verfügung, dazu 500 000 Euro als Beitrag zur elf Millionen Euro teuren Sanierung des angrenzenden Altbaus.

Für diese Summen ist auch in städtebaulicher Hinsicht etwas erreicht worden. Das außen grünlich schimmernde Museum Folkwang schottet sich jetzt nicht mehr wie zuvor von der Innenstadt ab, sondern wendet sich ihr zu und zeigt damit, dass es um Besucher wirbt.

Bislang erschloss sich das Haus von der Rückseite, von einer Nebenstraße aus, und wer das Foyer betrat, erblickte weit und breit keine Kunst. Auch das hat sich geändert. Das Museum zeigt jetzt in Auswahl schon demjenigen, der sich der Kasse nähert, was er für sein Eintrittsgeld erwarten darf: einen Blick auf die moderne Kunst und bald auch auf deren Vorläufer im 19. Jahrhundert an Beispielen von Weltrang.

Quelle: RP

 
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