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Statement gegen Fremdenfeindlichkeit
Dresden kämpft mit Wölfen um seinen Ruf

Fremdenfeindlichkeit: Dresden kämpft mit Wölfen um seinen Ruf
Der goldene Wolf zeigt den Hitler-Gruß. FOTO: dpa, abu vfd
Dresden. Das Ansehen der Stadt Dresden leidet unter den fremdenfeindlichen Montagsdemonstrationen. Doch die Kultur setzt sich zur Wehr. Mit Leuchttafeln und Kunstaktionen versucht Dresden seine Weltoffenheit zu verteidigen. Von Bertram Müller

Wer als Tourist nach Dresden kommt und sich mit mulmigem Gefühl auf Pegida gefasst macht, erlebt eine Überraschung: Pegida, die Abkürzung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes", hat im Stadtbild jenseits der Montagsdemonstrationen keinen Platz. Stattdessen plakatiert Dresden selbstbewusst seine Weltoffenheit.

Eine Straßenbahn trägt die Botschaft "Die Welt bereichert Dresden. Jeden Tag", an der Semperoper verkündet eine Leuchttafel: "Jeder hat ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit". Und auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche tummelten sich kürzlich bei einer Kunstaktion "Hass-Wölfe" als Zeichen von Bedrohung und gleichzeitig als Aufruf zum Widerstand.

Der Leitwolf zeigt den Hitler-Gruß

Die Gegner des Fremdenhasses lassen sich diesen Widerstand etwas kosten. So hat der Brandenburger Künstler Rainer Opolka (60) für sein Rudel aus Bronze und Gusseisen eigenen Angaben zufolge rund 300.000 Euro aus eigener Tasche aufgewandt: 62 Wolfsmenschen folgen einem goldenen Leitwolf, der die Pfote zum Hitlergruß erhoben hat. Das mag keine große Kunst sein, war aber doch für viele Passanten Anlass, innezuhalten und mit den Ehrenamtlern zu sprechen, die sich zwischen den Wölfen für ein internationales Dresden starkmachten.

Rainer Opolka und sein Zwillingsbruder Harald, die es mit ihrem LED-Taschenlampen-Unternehmen "Zweibrüder Optoelectronics" in Solingen zu Weltruhm brachten und nun nebenher ein Luxushotel am Scharmützelsee in Brandenburg betreiben, wissen auch aus ihrer Erfahrung als Unternehmer, welche Bedeutung Weltoffenheit für eine Region hat. Schon jetzt macht den ostdeutschen Ländern Fremdenfeindlichkeit zu schaffen. Wöchentliche Aufmärsche, brennende Flüchtlingsunterkünfte - eine solche Atmosphäre vertreibt auf Dauer international ausgerichtete Firmen, Wissenschaftler, Studenten und Kulturschaffende. Die Zahl der Übernachtungen inländischer Touristen verringerte sich im vorigen Jahr um 5,1 Prozent.

Dresden will sich nicht mit Rufschädigung abfinden

Doch das offizielle Dresden ist nicht bereit, sich mit der Rufschädigung durch Pegida abzufinden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert betonte kürzlich, Dresden solle bei der Integration von Flüchtlingen zum Vorbild werden und Pegida damit den Wind aus den Segeln nehmen. Schon jetzt seien zwei Drittel der Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht, nicht wie in anderen Bundesländern in großen Aufnahmezentren.

Der Rektor der Technischen Universität Dresden veröffentlichte bei Facebook ein Foto, auf dem er ein Schild trägt: "Ich bin Rektor der TU Dresden und einer der mehr als 500.000 Dresdner, die nicht zu Pegida gehen."

Hartwig Fischer, Leiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und davor Chef des Museums Folkwang in Essen, versucht mit Kolloquien und anderen Veranstaltungen gegenzusteuern, und die Semperoper wehrt sich mit Fahnen und wechselnden Anzeigen auf ihrer Fassaden-Leuchttafel dagegen, jeden Montag als Kulisse der Pegida-Aufmärsche auf dem Theaterplatz herhalten zu müssen.

Die Touristen, so scheint es zumindest, lassen sich davon ihre Laune nicht verderben. In der Gemäldegalerie Alte Meister, vor der sich schon Goethe verneigte, bewundern sie ausländische Glanzstücke, die oft schon seit August dem Starken Dresden als Metropole der Kunst ausweisen. Raffaels Sixtinische Madonna, Giorgiones Schlummernde Venus, Vermeers Briefleserin und Bellottos ruhmvolle Dresdner Stadtansichten - was wäre Elbflorenz ohne sie?

Quelle: RP
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