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Aachen
Hans von Aachen wieder daheim

(RP). Er war einer der Großen seiner Zeit: Hans von Aachen malte um 1600 für die bedeutendsten Adelshöfe Europas. Seine in alle Welt verstreuten Werke sammeln sich jetzt erstmalig in der Stadt, die er im Namen trägt: in Aachen. Da kratzt sich mancher Bürger verlegen am Kopf: "Hans von Aachen? Nie gehört!" Von Iris Zilkens

Das wird sich ab sofort ändern, denn das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum verhilft mit der großen Einzelausstellung "Hans von Aachen – Hofkünstler in Europa" dem ehemals berühmten, doch im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geratenen Spätrenaissance-Künstler wieder zu verdienter Bekanntheit zurück.

Dass Hans von Aachen (1552-1615) gebürtiger Kölner war, nimmt man in Aachen mit rheinischer Lockerheit, trägt er doch immerhin "Aachen" im Namen, den Ort, wo seine familiären Wurzeln lagen. Wer war also dieser Hans von Aachen? Ausgebildet von einem flämischen Maler in Köln, machte er sich 22-jährig auf nach Italien, um eine steile Künstlerkarriere anzutreten: Schnell feierte er Erfolge in Venedig, Rom und Florenz, malte für die Höfe der Medicis, ging später an den Hof des bayerischen Herzogs. Mit 44 Jahren erreichte er in Prag seinen künstlerischen Zenit als Hofmaler Kaiser Rudolfs II., der ihn in den Adelsstand erhob. Nicht nur geografisch überschritt von Aachen Grenzen, sondern auch in seiner Malerei. Sein Talent, flämischen Realismus mit italienischer Eleganz und Farbpracht zu verbinden, traf den Geschmack seiner Zeit. Als "homo universalis" beschreibt ihn Museumsleiter Peter van den Brink. "Hans von Aachen ist ein spannender Künstler, ein früher Europäer, der seinen Stil ständig änderte und in keine künstlerische Schublade passt." Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges geriet der Maler in Deutschland fast in Vergessenheit, seine Werke zerstreuten sich. In der Aachener Ausstellung lässt sich erstmalig wieder an mehr als 100 Werken, darunter 46 Gemälden, studieren, wie wichtig dem Maler die Körperlichkeit der Figuren und die Betonung des Lichts waren – zwei Jahrzehnte vor Caravaggio und Rubens.

Durch eine effektvolle Hängung in abgedunkelten Räumen beginnen die angestrahlten Gemälde zu leben. Besonders bestechen die Selbstporträts des Hans von Aachen, in denen er meist bis über beide Ohren lacht – bei all seiner Internationalität ein eindeutiges Zeichen für rheinische Wurzeln.

Quelle: RP
 
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