Trotz Plagiatsvorwürfen: Helene Hegemann für Preis nominiert
zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 17:11Leipzig (RPO). Die Nachwuchsautorin Helene Hegemann ist trotz der Plagiatsvorwürfe für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Die Jury teilte am Donnerstag mit, dass sich Hegemann zusammen mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Kategorie "Belletristik" um die Auszeichnung bewirbt. Mehrere Schriftsteller kritisierten die Entscheidung scharf.
Die 17-jährige Hegemann hatte zugegeben, für ihren Roman "Axolotl Roadkill" Passagen aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen zu haben. Den Plagiats-Vorwurf wies sie allerdings zurück, es gehe um Intertextualität, argumentierte sie.
Der Ullstein Verlag, bei dem die Geschichte erschien, holte unterdessen nachträglich die Abdruckgenehmigungen für bislang nicht genannte Quellen des Romans ein. Ein entsprechendes Quellenverzeichnis werde der nächsten Auflage beigefügt, erklärte die Geschäftsführerin Siv Bublitz. Sie entschuldigte sich dafür, dass dies zunächst versäumt worden sei. "Deshalb den gesamten Roman unter den Generalverdacht des Plagiats zu stellen und seinen literarischen Wert zu bestreiten, halte ich jedoch für völlig inakzeptabel", erklärte Bublitz.
Im "Kölner Stadt-Anzeiger" kritisierten bekannte Schriftsteller die Jungautorin scharf. "Diebstahl ist Diebstahl, da bin ich sehr konservativ", sagte Helmut Krausser. Auch er habe schon etliche seiner Sätze in fremden Büchern gefunden. Getröstet habe ihn: "Aus diesen Abschreibern ist nie etwas geworden. Starke Autoren sind sich selbst genug."
Die Autorin Ulla Hahn sagte. "Der eigentliche Skandal liegt in der Verkommenheit von Teilen des Literaturbetriebs, dem ein Sensatiönchen mehr bedeutet als ein sorgfältig gearbeitetes Buch." Dieter Wellershoff betont, dass "die Ausnutzung der kreativen Kraft eines anderen Autors für eigene Zwecke" fragwürdig sei; anders verhalte es sich nur, wenn die Montage zum künstlerischen Strukturprinzip erhoben werde.
Der Bestseller-Autor Kai Meyer erklärte: "Weiblich, jung, blond, aus dem hehren Umfeld des Berliner Kulturbetriebs - das hat ausgereicht, sie zum kleinen Genie zu stilisieren."
Verleihung am 18. März
Um den Buchmessepreis in der Kategorie "Belletristik" bewerben sich neben Hegemann Jan Faktor ("Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag"), Georg Klein ("Roman unserer Kindheit"), Lutz Seiler ("Die Zeitwaage") und Anne Weber ("Luft und Liebe"). Die siebenköpfige Kritikerjury nominierte außerdem jeweils fünf Autoren beziehungsweise Übersetzer in den Kategorien "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung". Der Preis ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet am 18. März auf der Leipziger Buchmesse statt.
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