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Nachruf: Idee als Kunst: Sol LeWitt starb

VON ADRIENNE BRAUN - zuletzt aktualisiert: 10.04.2007 - 11:50

New York (RP).  Kunst findet im Kopf statt. Deshalb genügte es Sol LeWitt, eine Idee abzuliefern - die Ausführung überließ er seinen Assistenten. Kunst hatte für den Amerikaner weniger mit Können als mit Denken zu tun. Nun ist Sol LeWitt, einer der bedeutendsten Künstler der Minimal Art, mit 78 Jahren in Chester (US-Staat Connecticut) gestorben.

Minimalismus: Sol LeWitts Werk "Waving Brushtrokes".  Foto: AP
Minimalismus: Sol LeWitts Werk "Waving Brushtrokes". Foto: AP

Dieses Nachdenken bewegt sich bei seinen Arbeiten allerdings in einem begrenzten Bereich: Sie verhandeln keine gesellschaftlichen oder existenziellen Fragen, sondern beziehen sich einzig und allein auf sich selbst.

Auch in seinem künstlerischen Werk hat Sol LeWitt jegliche Bezüge zum Künstlerindividuum vermieden, schließlich ging es ihm um scheinbar objektive Inhalte, sodass er bei seinen Skulpturen auch auf anonym gefertigte, industrielle Werkstücke zurückgriff.

Mitte der sechziger Jahre begann LeWitt - von Konstruktivismus, Bauhaus und der holländischen Bewegung „De Stijl“ beeinflusst -, sich mit mathematischen Formen zu befassen. Es entstanden käfigartige, transparente Objekte mit geometrischen Formen, offene und geschlossene Kuben, die immer neu variiert wurden.

1968 entwickelte er ein Konzept, das zeitlebens das Fundament seiner Arbeit bildete: Er beschränkte sich auf Horizontale, Vertikale und die beiden Diagonalen, die er mit den Farben Rot, Gelb, Blau und Schwarz kombinierte. Mit dem geometrischen Grundvokabular - Linie, Quadrat und Kubus - entwickelte LeWitt zahllose Kombinationsreihen, die aber keineswegs schematisch wirken, sondern immer neue, raffinierte Lösungen vorstellen.

Denn das ist das Ziel der Minimal Art: Mit einfachsten formalen Elementen ein Höchstmaß an Wirkung zu erreichen - und diese Rückführung der Form auf Primärstrukturen ist zugleich eine klare Antwort auf das bunte, extrovertierte Formenvokabular der Pop-art.

"Die wiederholte Verwendung einer einfachen Form verdichtet die Intensität zur Anordnung der Form", schrieb LeWitt 1967 in seiner theoretischen Abhandlung "Paragraphen über konzeptuelle Kunst". Er wollte in seinen Objekten und Wandzeichnungen vorführen, wie geometrische Strukturen kausal zusammenhängen.

Da es ihm nicht allein um rein formale Probleme ging, sondern auch um theoretische Fragen, wandte sich LeWitt Ende der sechziger Jahre der Konzeptkunst zu, bei der die Idee ins Zentrum rückte - während die Ausführung eines Werkes nicht mehr ausschlaggebend war. "Ideen allein können Kunstwerke sein", sagte er.

Und diese Idee erschließt sich erst im Denken - wie bei den vier weißen Wandstücken, die LeWitt 1991 in Ostfildern im Rahmen des Skulpturenprojekts "Platzverführung" entwickelte. Die Arbeit realisierte sich im Kopf des Betrachters - er musste die an vier Stellen verteilten Elemente in Zusammenhang bringen.

Begonnen hatte LeWitt, Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, zunächst als Grafiker. 1960 bis 1965 war er im Museum of Modern Art in New York beschäftigt. Hier lernte er auch einen Mitstreiter der Minimal Art kennen, Dan Flavin, der als Museumswärter arbeitete.

Heute findet man seine Objekte aus Holz, Stahl und Plexiglas, seine Grafiken und Bilder in den wichtigsten Museen der Welt, zudem bekam LeWitt viele Aufträge für Wandarbeiten und Wandzeichnungen. So gestaltete er 1992 die Wände des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts, 1995 die Wirtschaftsräume des Ludwigsburger Schlosses.


 
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