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Gerhard Schröder und die Affen: Immendorffs goldener Kanzler

VON BERTRAM MÜLLER UND LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 19.01.2007 - 12:12

Düsseldorf (RP). Der Düsseldorfer Künstler hat einen Auftrag ausgeführt: Das Porträt, um das ihn der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder gebeten hatte, ist fertig - ein goldener Kopf, von Affen umgeben.

Der Maler und sein Werk: Jörg Immendorff im Atelier vor dem Porträt von Altbundeskanzler Gerhard Schröder.  Foto: RP/Andreas Bretz
Der Maler und sein Werk: Jörg Immendorff im Atelier vor dem Porträt von Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Foto: RP/Andreas Bretz

Noch steht das Bild auf einer Staffelei im Düsseldorfer Atelier. Geschaffen ist es für das Bundeskanzleramt in Berlin. Ob es irgendwann in einer Ausstellung auch für jedermann zugänglich sein wird? Bei dieser Frage erklärt Jörg Immendorff sich für nicht zuständig. Schließlich wird er das Porträt dem Porträtierten schenken; „und der verfährt damit nach Gutdünken“.

Schröder wird das Geschenk zunächst weitergeben: an einen Ort der Macht, nicht der Kunst. Es wird die Galerie deutscher Altkanzler im Bundeskanzleramt auf den neuesten Stand bringen. So „staatstragend“ vertreten war Immendorff noch nie. Viel lieber aber sieht er seine Arbeit als Teil einer eindrucksvollen Tradition: „Große Phasen der Malerei sind oft im Auftrag der Könige entstanden.“

So wenig wie für die Vorstellung des Werks in einem öffentlichen Museum fühlt sich Immendorff für die Deutung des 1 x 1,30 Meter messenden Werks zuständig. Warum auch? Seine Sache ist das Malen, nicht das Erklären. „Ein Bild“, so gibt er zu bedenken, „ist so gut oder schlecht, wie es in der Lage ist, dem Gegenüber etwas mitzugeben, ohne unverbindlich zu sein.“

Immendorff macht dem Betrachter das Verständnis leicht. Denn rings um den goldenen Kopf des Kanzlers - dieser ist nach einer fotografischen Vorlage entstanden - geben sich gute alte Bekannte aus dem Werk des Düsseldorfers zu erkennen; Schimpansen als so genannte Maleraffen zum Beispiel; daneben Paviane, mit denen Immendorff, wie man hört, ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert zitiert: Paviane als Kritikeraffen.

Rechts unten zerbricht ein Schimpanse in zwei Teile: Selbstporträt des unheilbar kranken Malers? Am linken Rand erhebt sich der Bundesadler - wiederum eine Anspielung, diesmal auf des Künstlers Zyklus „Deutschland - Adlerhälfte“.

Tritt man ganz nah an das Porträt heran, so erkennt man, dass Rillen den goldenen Kopf des Kanzlers durchziehen; so wie auf einem Kupferstich oder einer Münze. Um den Kopf wölbt sich wie ein - allerdings düsterer - Heiligenschein nicht nur eine Ansammlung von Affen, sondern auch Krakelüre; jenes maschenartige Netz von Rissen und Sprüngen, wie man es von alter Malerei kennt: der Kanzler, in historische Distanz entrückt.

Blau, Rot, Gold sind die beherrschenden Farben der Komposition. Das wirkt staatstragend, doch stellt sich angesichts des Kontrasts von goldenem Kopf und dem Gewusel ringsum die Frage, ob nicht auch Ironie im Spiel ist. Wiederum bleibt Immendorff die Antwort schuldig, zu Recht. Allzu hoch jedenfalls sollte man den Anteil an Distanzierung nicht veranschlagen. Denn Immendorff hält große Stücke auf den vorigen Bundeskanzler: Gerhard Schröder sei der erste Kanzler gewesen, der sich den Künstlern genähert habe.

Immer wieder schiebt Immendorff Pausen ein, für den Zug an einer Zigarette, einen Schluck Wasser aus einem Glas - beides in regelmäßigen Abständen von einer Mitarbeiterin gereicht. Unaufgefordert. Handreichungen eines eingespielten Teams.

Das Reden strengt Immendorff an, weil auch das Atmen mühsam ist. Nach einer Pause: „Ich konnte das Bild nur malen, weil der Altbundeskanzler sich so sehr für die Künstler und die Kunst eingesetzt hat.“ Das ist der Grundstein einer Beziehung, die auf drei gemeinsamen Kanzler-Reisen nach Tiflis, China und St. Petersburg wuchs und schließlich zur Freundschaft reifte.

Angeregt von diesen Erlebnissen, habe er, Immendorff, den Kanzler „zur Ikone verdichtet“; so viel jedenfalls lässt er sich entlocken. Und da Ikonen stets eindeutig sind, sich vollständig in den Dienst der Verehrung stellen, wird man den Anteil an Ironie erst recht als gering einschätzen müssen.

Jörg Immendorff konnte das Porträt aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst malen, sondern war auf Computer angewiesen und auf Helfer. Ein Hindernis? Immendorff erkennt in dieser Methode Vorteile: „Das ermöglicht einen gewissen Abstand.“ Und er setzt noch eins drauf: „Ich bin in der jetzigen Situation viel fruchtbarer und produktiver.“


 
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