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Museum im ehemaligen Regierungsbunker
In diesem Bett hätte Kohl bei einem Atomkrieg geschlafen

Der Regierungsbunker als Museum
Der Regierungsbunker als Museum FOTO: AP
Ahrweiler (RPO). Luxuriös ist anders. Solch ein Bett würde heutzutage nicht einmal mehr in einer Jugendherberge stehen. Doch während eines Atomkriegs hätte man nicht wählerisch sein dürfen - nicht einmal als Bundeskanzler. Er und eine Elite aus 3000 Deutschen wäre im Falle eines Falles in den streng geheimen Regierungsbunker gezogen. Ein gigantisches Bauwerk, die Einrichtung eher spärlich. Jetzt ist in einem Teil der ehemals 19 Kilometer langen Betonröhre ein Museum eröffnet worden.

Der ehemals geheimste Ort der Bundesrepublik kann jetzt ganz offen besichtigt werden: Im unterirdischen Regierungsbunker im Ahrtal ist am Donnerstag ein Museum eröffnet worden. Die "Dokumentationsstätte Regierungsbunker" sei ein anschauliches und bedrückendes Zeugnis der Teilung Deutschlands und Europas, sagte der Präsident des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Florian Mausbach.

"Dieser Bunker war Teil des Systems gegenseitiger atomarer Abschreckung", erklärte Mausbach. Heute könne man der Öffentlichkeit damit eine Festung des Atomzeitalters vor Augen führen - "zur Erinnerung, zur Mahnung und in der Hoffnung auf dauerhaften Frieden". Eine Gedenktafel soll zudem an die dunkle Vorgeschichte des Stollens während des NS-Regimes erinnern. Der Bau diente damals als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

In dem vom Heimatverein Alt-Ahrweiler betriebenen Museum können Besucher Teile der originalen Ausstattung anschauen. Von der ursprünglich 19 Kilometer langen "Festung des Atomzeitalters" habe man 200 Meter und einen Seitenstollen erhalten, sagte Mausbach. Zu besichtigen sind unter anderem das Eingangsbauwerk mit Sicherheitsschleusen, Schlafräume, Dekontaminationskammern, Sanitätsbereiche sowie Teile des Kontrollzentrums und des Besprechungsraums für den Bundespräsidenten.

Für 3000 Menschen ausgelegt

Der einst streng geheime Regierungsbunker - Tarnbezeichnung "Dienststelle Marienthal" - wurde zwischen 1960 und 1972 in das Schiefergebirge des Ahrtals gegraben und gesprengt. Nach dem NATO-Beitritt 1955 suchte die Bundesregierung für den Ernstfall eine vor Atombomben, biologischen und chemischen Kampfstoffen sichere Zuflucht in der Nähe der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Der Bunker sollte Regierung, Bundespräsident und ein Notparlament aufnehmen. Außerdem sollten der Gemeinsame Ausschuss von Bundestag und Bundesrat, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts und weiteres ziviles und militärisches Personal darin Platz finden.

Insgesamt war der Ausweichsitz für die Verfassungsorgane des Bundes für 3.000 Menschen ausgelegt. Sie sollten dort 30 Tage lang überleben können - auch wenn draußen die Welt untergegangen wäre. Bis zu 110 Meter unter den Bergen wurden 936 Schlafräume mit je vier engen Betten, 897 Büros, Sanitätsräume, ein Friseursalon und ein Versammlungssaal gebaut. Nur für den Bundeskanzler und den Bundespräsidenten waren komfortablere Zimmer vorgesehen.

Ungenutzte Eisenbahntunnel

Ausgangspunkt für den Bau waren ungenutzte Eisenbahntunnel, die schon seit 1903 unter das Schiefergebirge gegraben worden waren. Das Kaiserreich wollte dort nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 eine Nachschublinie zur französischen Grenze einrichten. Von 1966 an fanden in den fertigen Teilen des Bunkers regelmäßig Stabsübungen statt. Dabei spielten Staatssekretäre und weitere Ministerialbeamte durch, wie sich die Bundesrepublik im Krieg regieren ließe. Die Übungslage ging üblicherweise von einem in Jugoslawien beginnenden Konflikt aus, der im atomaren Inferno zu enden drohte.

Mit Ende des Warschauer Pakts und spätestens mit dem Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin wurde der Bunker überflüssig, der in Friedenszeiten von fast 200 Beschäftigten im Schichtbetrieb einsatzbereit gehalten wurde. Erst 1997 beschloss die Bundesregierung, die gigantische Anlage aufzugeben. Schließlich begann 2001 der Rückbau, bei dem Teile für das nun eröffnete Museum erhalten blieben.

(ap)
 
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