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Der große Kinderbuch-Autor im Interview
Janosch kann die Tigerente nicht ausstehen

Janosch und seine Figuren
Janosch und seine Figuren FOTO: Beltz & Gelberg, 2005
Aachen (RP). Die weltgrößte Ausstellung mit rund 1000 Bildern von Janosch ist jetzt in Aachen zu sehen. Der 78-Jährige reiste eigens zur Eröffnung aus Teneriffa an und plauderte über seine Figuren, seine Jugend in Krefeld und seine Frau, die "alles macht". Seine kommerziell erfolgreichste Figur, die Tigerente, kann er übrigens nicht leiden.

Janosch (78), Erfinder der Tigerente und Autor von Bestsellern wie "Oh, wie schön ist Panama", gilt als einer der beliebtesten Kinderbuchautoren. Jetzt zeigt die weltgrößte Janosch-Ausstellung in Aachen einen Überblick über sein Werk. Seit über 20 Jahren wohnt Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert, zurückgezogen auf Teneriffa. Zur Ausstellungseröffnung ist er nach Aachen gereist und gab uns eines seiner seltenen Interviews.

Was stört Sie denn an Deutschland, dass Sie es vorziehen, auf Teneriffa zu leben?

Janosch Das Wetter. Sonst habe ich gegen Deutschland nichts. Ich würde es aber auch nicht als meine Heimat bezeichnen. Die ist unter meiner Weste oder im Kopf.

Im vergangenen Jahr feierte die Tigerente 30. Geburtstag. Ist es Ihre Lieblingsfigur?

Janosch Ich kann die Tigerente nicht ausstehen. Ich habe sie als eine Nebenfigur geschaffen und gar nicht ernst gemeint. Wenn ich heute ein Bild ohne gelb-schwarze Streifen male, kauft es keiner. Es ist sehr ärgerlich, dass mein künstlerisches Werk auf diese Figur reduziert wird.

Das heißt, bei Ihnen zuhause gibt es keine Gegenstände mit Tigermuster.

Janosch Nein.

Wie ist die Tigerente denn entstanden?

Janosch Ich habe einmal erzählt, dass ich die Figur dem Zeichner F.K. Waechter gestohlen habe – und habe das anschließend widerufen. Doch es ist wahr: Die Tigerente ist nicht meine Erfindung. Ich wurde erpresst, die Aussage zurückzunehmen.

Sie haben auch viele andere Figuren erschaffen wie den Tiger und den Bären, die nach Panama ausreisen wollen, um nach einer Irrfahrt wieder zu Hause zu landen. Haben Sie Ihr persönliches Panama gefunden?

Janosch Mein Panama ist immer dort, wo ich mich gerade befinde.

Haben Sie denn das reale existierende Panama einmal besucht?

Janosch Ich habe einen Orden erhalten, weil ich Panama mit meiner Geschichte bekannt gemacht habe. Ich vermute aber, dass der gar nicht echt ist. Jedenfalls liegt er zusammen mit mehreren Karnevalsorden in einer Kiste bei mir zu Hause.

Ihre Kindergeschichten spielen in einer heilen Welt, in der Freundschaft, Treue und Überzeugungen gibt. Werte, die Sie vermissen?

Janosch Ja, wir werden überall unterdrückt. Darum wende ich mich gegen jede Form von Macht und Gewalt.

Edmund Stoiber hat einmal gefordert, Ihnen den Zugang zu deutschen Kinderzimmern zu verbieten.

Janosch (lacht) Dafür bin ich ihm noch immer dankbar. Denn er hat mich erst richtig bekannt gemacht. Es ist doch schön: als Ketzer berühmt zu sein. Ich bin aber ein frommer Ketzer.

Sie bezeichnen Freiheit als hohes Gut. Welche Werte sollten Kindern heute vermittelt werden?

Janosch Mit dem Begriff Freiheit können Kinder nicht umgehen. Sie verstehen darunter, so lange wie sie wollen Computer zu spielen. Wichtiger sind Werte wie der Respekt vor dem anderen. Keiner sollte einem anderen einen Schaden anrichten.

In den Filmstudios Babelsberg ist das Fantasieland "Oh, so schön ist Panama" als großer Park nachgebaut. Eine detailgetreue Umsetzung Ihrer Idee?

Janosch Das Fantasieland ist völlig misslungen. Der Erbauer war ein junger Mann, dem ich helfen wollte, darum habe ich das Projekt genehmigt. Doch es ist gestalterisch misslungen.

Sie haben als Jugendlicher in Krefeld gelebt. Wie erinnern Sie sich an Ihre Zeit im Rheinland?

Janosch Es war eine schöne Zeit. Ich habe eine Textilfachschule besucht und in einem kleinen Zimmer ohne Ofen gewohnt. Aber meine Mädels haben mich damals ernährt. Ich erinnere mich noch gut, wie sie mir morgens Brote geschmiert haben. Eine Krefelder Familie hat mir damals ebenfalls sehr geholfen. Zu ihr habe ich heute noch Kontakt.

Sie sagten einmal, Ihre Frau macht den Haushalt, während Sie in der Hängematte liegen. Ist das noch so?

Janosch Meine Frau macht alles.

Haben Sie einen Überblick über Ihren aktuellen Kontostand?

Janosch Nein, ich habe keine Ahnung. Um das Geld kümmert sich auch meine Frau.

Aber ein eigenes Telefon haben Sie.

Janosch Seit kurzem sogar ein Handy! Davor hatte ich zuvor 20 Jahre gar kein Telefon. Jetzt brauche ich eines, sonst hätte ich mich nicht mit Ihnen verabreden können.

Das leuchtet ein. Gibt es denn irgendetwas, das Sie unbedingt noch im Leben erreichen möchten?

Janosch Ich habe in meinem Leben alles erreicht, was ich mir wünschen könnte.

Sven Durgunlar führte das Gespräch.

Quelle: RP
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