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Persönlich
Jeanine Meerapfel ist neue Akademie-Chefin

Jeanine Meerapfel: Erste weibliche Chefin der Akademie der Künste
Die Filmemacherin Jeanine Meerapfel führt als erste Frau seit mehr als 300 Jahren die Berliner Akademie der Künste. FOTO: dpa, car lof
Berlin. Jeanine Meerapfel (71) hat es vollbracht: Nach 300 Jahren ist sie die erste Frau an der Spitze der Berliner Akademie der Künste. Am Wochenende wurde die aus Argentinien stammende Berliner Filmemacherin zur Präsidentin des Gremiums gewählt. Und hat gleich etwas getan, das man typisch Frau nennen könnte: Sie hat ihre neue Macht geteilt. Von Dorothee Krings

Und zwar mit ihrer Stellvertreterin, der aus Österreich stammenden Dramatikerin Kathrin Röggla (43). Beide Frauen sind politisch denkende und handelnde Künstlerinnen und sind befreundet. Als Vertreterinnen zweier Generationen treten sie an, neue Themen wie Zuwanderung und die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland aufzugreifen.

Die Berliner Akademie der Künste wurde 1696 nach französischem Vorbild gegründet, um die Sache der Kultur in Preußen voranzubringen. Frühere Präsidenten wie Günter Grass, Walter Jens und zuletzt der angriffslustige Plakatkünstler Klaus Staeck haben das redlich versucht, trotzdem wurde das hohe Gremium mit 403 Mitgliedern bisweilen als "Schnarchclub" geschmäht. Das könnte sich unter der Präsidentschaft zweier Frauen ändern, deren eigenes künstlerisches Schaffen auf Diskurse in der Öffentlichkeit zielt. Röggla schreibt Stücke, die oft mit dokumentarischem Material zu aktuellen Themen Position beziehen.

Jeanine Meerapfel, 1943 als Kind jüdischer Flüchtlinge in Buenos Aires geboren, ist eine vielfach ausgezeichnete Regisseurin und Chefin einer Produktionsfirma. 1964 kam sie für ihr Filmstudium nach Deutschland, arbeitete mit Regisseuren wie Alexander Kluge und Edgar Reitz. Fast 20 Jahre war sie Professorin an der Kunsthochschule für Medien Köln und ist seit 1998 Mitglied der Akademie. Ihr neues Amt will sie nutzen, um die soziale Relevanz künstlerischer Arbeit bewusst zu machen, sagte sie zum Antritt. Auf die Frage, ob die Akademie denn von der Politik gehört werde, sagte sie: "Wenn nicht, müssen wir lauter werden."

Quelle: RP
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