Broadway-Musical versinkt im Chaos: Jede Menge Stolpersteine für Spider-Man
VON MIRIAM SCHUMACHER - zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 19:26New York (RPO). Comic-Freunden dürfte diese Idee ein Dorn im Auge sein: Ihr Superheld Spider-Man soll sich als Musicalstar am Broadway durch das Foxwoods Theater schwingen. Doch das Projekt droht im Chaos zu versinken. Erst starb der Produzent, dann häuften sich die Knochenbrüche bei den Darstellern.
Da hat sich Regisseurin Julie Taymor, Erfolgsautorin des Musicals "Der König der Löwen", etwas ganz Besonderes ausgedacht. Zusammen mit den U2-Mitgliedern Bono und The Edge will sie mit der Geschichte der kleinen Spinne alle Kassenschlager-Rekorde am New Yorker Broadway brechen. Findet der Mythos von Spider-Man mit Bono und Co. sein Ende? In seiner Heldenrolle muss Spider-Man dem Publikum allerdings Lieder von U2 vorsingen. Deren Frontman Bono will ja auch so etwas wie ein moderner Superheld sein, der jeden Tag die Welt ein bisschen besser machen möchte.
Jede Menge Stolpersteine
Das Projekt "Spiderman - Turn Off The Dark", das schon seit 2007 im Gespräch ist, steht jedenfalls unter keinem guten Stern. Angefangen hat es mit dem plötzlichen Tod des Produzenten Tony Adams, der just in dem Moment, als er seine Unterschrift unter den endgültigen Vertrag setzen wollte, an einem Schlaganfall starb. Sein Anwalt David Garfinkle übernahm das Ruder, doch im Herbst 2009 ging ihm das Geld aus, und das Projekt "Spider-Man" stand vor dem Aus.
Sänger Bono überredete für die weitere Finanzierung damals den Kanadier Michael Cohl, den Chef seines Konzertveranstalters Live Nation. Für den war die Theaterbühne jedoch ebenfalls Neuland, da er bisher nur Erfahrung mit großen Arena-Shows gemacht hatte.
Inzwischen waren die Schauspieler Evan Rachel Woods, die Spider-Mans süße Nachbarin Mary Jane spielen sollte, sowie Alan Cumming, der für den grünen Kobold vorgesehen war, abgesprungen. Der Premierentermin wurde verschoben, und das Theater musste für die Bedürfnisse der teuren Show umgebaut werden.
Verschiedene Investoren sprangen auf den Musical-Zug auf und genauso schnell auch wieder ab. Das einzige, was kontinuierlich bestand, waren die Kosten für die Produktion. Diese belaufen sich inzwischen auf mindestens 65 Millionen Dollar. Damit dürfte Spider-Man als teuerste Broadway-Show aller Zeiten in die Geschichte eingehen.
Doch damit nicht genug: Als die Produktion im September 2010 in das Foxwoods Theater einzog, stellte Taymor erneut fest, dass der Zeitplan auf keinen Fall eingehalten werden kann. Außerdem wollte sie im neuen Theater atemberaubende Stunts in die Show einbauen, in denen die Schauspieler dann mit einem System aus Seilen und Motoren durch den Saal fliegen. In der Luft sollten dann direkt über den Zuschauern die Kämpfe zwischen Spider-Man und seinen Feinden ausgetragen werden.
Knochenbrüche statt Kassenschlager
Die Premiere wurde wieder verschoben. Während der Proben für die spektakulären Szenen brach sich Kevin Aubin als Spider-Man-Double beide Handgelenke, als er von einer Bühne auf die andere katapuliert wurde. Die Szene scheint es in sich zu haben: Nur kurze Zeit später brach sich ein zweiter Darsteller bei Proben einen Zeh.
Der Darstellerin der Helden-Gegnerin "Arachne", Natalie Mendoza, schlug ein Stahlseil mit Bühnenequipment vor den Kopf - genau an dem Tag, als das Musical zum ersten Mal vor zahlendem Publikum aufgeführt wurde. Mendoza fiel mit einer Gehirnerschütterung für zwei Wochen aus. Bei einer weiteren Vorpremiere löste sich ein Sicherheitsseil des Stunt-Doubles Christopher Tierney. Er stürzte fast zehn Meter in die Tiefe und brach sich ein Schulterblatt, einen Armknochen nahe des Ellenbogens und vier Rippen. Neben einer Lungenquetschung zog er sich außerdem eine Schädel-Haarrissfraktur und drei angebrochene Rückenwirbel zu.
Die offizielle Premiere wurde erneut verschoben, weil sich "Arachne"-Darstellerin Natalie Mendoza nach dem letzten Statisten-Unfall überlegt hatte, lieber nicht mehr an diesem Musical mitzuwirken. In der ersten "Preview"-Aufführung im November war es zu fünf Unterbrechungen gekommen, weil sich Netze verhedderten oder einige Stunts nicht richtig funktionierten.
Erfolg dank schlechter Publicity?
Bisher sind die Vorveranstaltungen des Musicals restlos ausverkauft - und das trotz schlechter Medienberichte. Die Presse hat die Musical-Produktion bereits zerrrissen, und sich feixend auf jede weitere Panne gestürzt.
Produzent Cohl rechtfertigte die hohen Eintrittspreise trotz der vielen Pannen gegenüber dem "Kultur Spiegel" mit den Worten: "Die Zuschauer können auf diese Weise Theater in seiner Entstehung erleben."
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