Porträt von Gerhard Schröder: Jörg Immendorff malt elektronisch
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 24.11.2006 - 08:51Düsseldorf (RP). Der Düsseldorfer Künstler ist damit beauftragt, ein Porträt von Gerhard Schröder für die Kanzlergalerie zu malen. Weil Jörg Immendorff an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet, wird er nicht selbst den Pinsel führen können, sondern das Bild am Computer entwerfen. Malen werden es Helfer.
Es begab sich vor Jahren auf einer Reise von Gerhard Schröder nach Tiflis. Der Bundeskanzler zählte damals unter vielen anderen den Düsseldorfer Maler Jörg Immendorff zu seiner Begleitung, lernte ihn dabei nicht nur kennen, sondern auch schätzen und fragte nach, ob er ihn dereinst für die Kanzlergalerie porträtieren könne.
Immendorff mochte damals nicht sofort zusagen, sondern wollte erst die zweite Amtszeit abwarten. In der Verlängerungsphase sah Immendorff dann seinen guten Eindruck vom Kanzler dermaßen bestätigt, dass er zusagte. Vor wenigen Tagen erst ist der Auftrag besiegelt worden.
Immendorff war, wie er unserer Zeitung jetzt erläuterte, vor allem von des Kanzlers ablehnender Haltung zum Irak-Krieg beeindruckt. Dadurch habe Schröder Statur gewonnen; ebenso dadurch, dass er sich als einer der ersten Spitzenpolitiker um die Künstler bemüht habe. Das spiegele sich nicht nur in persönlichen Kontakten wider, sondern auch im Bild von Baselitz, das in seinem Büro hing.
Jetzt also wird ein Kunstwerk entstehen, dessen Thema einzig und allein der einstige Kanzler selbst ist. Und der Urheber des Werkes wird ein Maler sein, der aufgrund seiner lähmenden Nervenkrankheit nicht mehr selbst zum Pinsel greifen kann. Wie soll das gehen?
„Ich male nicht selbst, aber ich male“
Immendorff antwortet geheimnisvoll: „Ich male nicht selbst, aber ich male.“ Seit zwei Jahren schon entwirft er seine Bilder am Computer - „wie ein Dirigent Partituren erarbeitet“. Er inszeniert seine Kunst zunächst auf dem Bildschirm, bis hin zur Wahl der Farben und ihrem Zusammenspiel. So wird er auch bei der Komposition des Porträts von Gerhard Schröder vorgehen. Die Ausführung auf Leinwand lässt sich dann delegieren.
„Es wird keine leichte Aufgabe“, darüber ist Immendorff sich im Klaren. Denn selbstverständlich kennt er auch die Auseinandersetzungen um die Porträts früherer Bundeskanzler für die Ahnengalerie im Kanzleramt. Helmut Schmidt ließ sich vom einstigen DDR-Staatskünstler Bernhard Heisig porträtieren - eine schlechte Entscheidung, wie Immendorff findet: „A.R. Penck wäre besser gewesen“, weil dessen Leben und Kunst das ehedem zweigeteilte Deutschland verkörpere.
Im Falle von Willy Brandt weitete sich die Porträtfrage gar zu einer kulturpolitischen Auseinandersetzung. Brandt hatte zunächst den Kölner Maler Georg Meistermann beauftragt. Der stellte den Regierungs-Chef nicht in erster Linie als Staatsmann, sondern als subjektiv betrachtetes Individuum dar. Helmut Kohl ließ das feuerrote Bild, auf dem Brandt nach Ansicht von Kritikern einem „apokalyptischen Reiter“ gleicht, durch eine realistischere Darstellung des Düsseldorfer Malers Oswald Petersen ersetzen.
Kohl selbst hat sich vom Ostberliner Künstler Albrecht Gehse porträtieren lassen und sich dafür den Vorwurf eingehandelt, er habe einem Langweiler Modell gesessen.
Und Immendorff? Wie wird er die anspruchsvolle Aufgabe bewältigen? Und wann wird er fertig sein? Gemach, gemach! Vorerst steht er noch ganz unter dem Eindruck des eben erst erteilten Auftrags. Und dann will er mal sehen, was er draus macht.
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