"Eleganz und Harmonie" als Motto: J.R. Ewing macht den Opernball unsicher
VON GERHARD KNEIER, AP - zuletzt aktualisiert: 28.02.2010 - 13:24Frankfurt/Main (RPO). Larry Hagman im weißen Leinenanzug mit Cowboyhut und Turnschuhen - Alain Delon im dezenten Schwarz: Zwei ganz Große des Filmgeschäfts gaben dem Deutschen Opernball am Samstagabend in Frankfurt am Main doch wieder internationalen Glamour. Zwei Hollywood-Größen hatten dagegen kurzfristig abgesagt: Andie MacDowell und Al Pacino ließen sich kurz vor der traditionellen Veranstaltung in der Alten Oper kurzfristig von der Gästeliste streichen.
Und auch die als Moderatorin vorgesehene Münchner Schauspielerin Christine Kaufmann war wegen einer Nebenhöhlenentzündung an der Reise nach Frankfurt gehindert. So wurde es nichts mit dem von ihrer Tochter Allegra erhofften Wiedersehen der Eltern nach vielen Jahren. Denn auch der 84 Jahre alte, gesundheitlich angeschlagene Vater Tony Curtis war nicht zum Flug aus den USA zu bewegen. Nur die 43-jährige Allegra Curtis kam trotzdem, machte aus der Not eine Tugend und übernahm von der Frau Mama die Rolle der Ballmoderatorin.
Nach vielen Jahren in den USA - dorthin wurde sie als Kind zusammen mit Schwester Alexandra von Tony Curtis gegen den Willen der Mutter gebracht - brauchte sie allerdings Zettel zum Ablesen. "Deutsch ist nicht meine Heimatsprache", radebrechte die jetzt auf Mallorca lebende Schmuckdesignerin ein wenig. Doch auch ohne die bei Moderatoren gewohnte Routine entledigte sie sich ihrer Aufgabe mit sympathischer Natürlichkeit und dankte dem Publikum am Ende auch brav "für Ihre Geduld".
Bonnie Tyler heizt
Der Stimmung der gut 2.000 Ballgäste - etwas weniger als in den vergangenen Jahren - tat all das keinen Abbruch. Vor allem Rocklady Bonnie Tyler heizte ihnen ein. Alle bekannten eigenen Hits von "Lost in France" über "It's A Heartache" bis zu "Total Eclipse of The Heart" brachten den Saal zum Brodeln und die Träger eleganter Abendkleider und feiner Smokings ebenso zum Mitrocken wie Anleihen der 58-Jährigen Waliserin bei Bryan Adams, Janis Joplin oder den Bee Gees.
Deren im Original eher samtener Song "To Love Somebody" verwandelte sie in eine geradezu sensationelle Rockballade. Und als der auch mit 74 hochattraktive Schirmherr Alain Delon dem musikalischen Gaststar einen großen Strauß roter Rosen überreichte, war für Tyler noch lange nicht Schluss. Insgesamt eine gute Stunde sang sie zur Freude der Ballgäste aus voller Kehle.
Der als Ekel J.R. Ewing in der TV-Serie "Dallas" bekannte Larry Hagman war ebenfalls angetan von der Show und nannte sie "großartig". Der 78-Jährige war sichtlich gut gelaunt und wirkte gut fünf Jahre nach seiner schweren Lebererkrankung vor allem wieder topfit. Er bleibt rund um seinen zweiten Besuch des Opernballs acht Tage lang in Deutschland - vor allem in Stuttgart und Frankfurt, wo er nach eigenen Angaben von Zeit zu Zeit einmal vorbeischaut. Kein Wunder, denn sein Sohn hat beruflich häufig in Frankfurt zu tun. Der für eine französische Firma tätige, hochgewachsene und stämmige Preston Hagman hat seinen Vater am Samstag zum Ball begleitet und dazu auch Lebensgefährtin Audrey mitgenommen.
Wedel vermisst die Demonstranten
Aber auch deutsche Prominenz war auf dem Ball unter dem Motto "Eleganz und Harmonie" wieder gut vertreten, wenngleich auch dabei die älteren Semester überwogen: von Erfolgsregisseur Dieter Wedel über den Schauspieler Mario Adorf, Starkoch Johann Lafer, Ex-Eiskunstläuferin Marika Kilius bis zu Politikern wie dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, dem ehemaligen FDP-Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth als Oberhaupt der Gastgeberstadt.
Natürlich durfte auch Stammgast Dieter Thomas Heck nicht fehlen, der seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Opernball kommt. Wedel war dagegen erst das zweite Mal da und kam diesmal in Begleitung von Schauspielerin Anouschka Renzi, die in seinem letzten TV-Zweiteiler "Gier" mitwirkte. "Wir kennen uns schon seit 18 Jahren", erzählt sie neugierigen Journalisten.
Und Tyler hat immerhin schon den Titelsong von Wedels Fernsehmehrteiler "Der König von St. Pauli" gesungen. Der Regisseur, der von Ballveranstalter Manfred Pasenau an einem anderen Tisch platziert wurde als sein Intimfeind Adorf, erinnert sich noch, dass bei seinem ersten Opernballbesuch in Frankfurt vor zwei Jahren noch eine heftige Demonstration gegen das Gesellschaftsereignis in der Stadt tobte. Doch an diesem Samstag blieb alles friedlich, und die eingesetzten Polizisten konnten einen vergleichsweise ruhigen Abend verbringen.
20.000 rote Rosen
In der Alten Oper ließen sich die Ballbesucher, die zwischen 240 und 750 Euro für die Eintrittskarten berappten, von Altmeister Gerd Käfers kulinarisch verwöhnen. Bei sage und schreibe 20.000 roten Rosen als Blumenschmuck kamen auch die zwischen den Höhepunkten auf der Bühne und im ganzen Haus auftretenden Musikgruppen von "Magic Motown" bis "The Platters" durchweg gut an. Mit der Leipziger Gruppe "KlezzKavice" war erstmals auch eine vielbeachtete Klezmergruppe dabei.
Ansonsten sorgten ein Frisiersalon, eine Wahrsagerin, eine Schnellzeichnerin, Roulettetische und eine Disco für gute Laune. Auch für einen guten Zweck wurde gespendet: Der Erlös ging diesmal an Karlheinz Böhms Stiftung "Menschen für Menschen", dessen äthiopische Frau Almaz auf dem Ball dafür die Werbetrommel rührte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





