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Die Muse der Existenzialisten: Juliette Gréco wird 80

zuletzt aktualisiert: 07.02.2007 - 11:47

Paris (RPO). Sie ist eine der faszinierendsten Gestalten des Chansons. Sie feierte mit Jean-Paul Sartre und Marlene Dietrich. Sie arbeitete mit Albert Camus. Ihre Anhäger nannten sie die "Muse von Saint-Germain-des-Prés". Heute wird Juliette Gréco, Sängerin und Schauspielerin, 80 Jahre alt.

Juliette Gréco im Jahr 1962.  Foto: AP, AP
Juliette Gréco im Jahr 1962. Foto: AP, AP

1946 im Pariser Künstlerviertel Saint-Germain des Prés: Eine junge Frau eröffnet mit ihrer Freundin die Kellerdiskothek "Tabou", die zu einem der legendären Treffpunkte der Existenzialisten wird. Boris Vian spielt hier Trompete, zu den Stammgästen zählen Jean-Paul Sartre, Orson Welles und Marlene Dietrich. Die "Tabou"-Pächterin unterhält ihre Gäste mit schwermütigen Chansons. Ihr Name: Juliette Gréco.

Der Aufstieg Grécos begann, als die Zeit des "Tabou" zu Ende ging. Ihre Chansons wie "Si tu t'imagines" oder "L'Eternel feminin" wurden Ende der 40er Jahre zu Hits. Gleichzeitig wurde die Gréco als Schauspielerin bekannt. Stets in Schwarz gekleidet, in engen Hosen und Pulli oder - später - im schwarzen Etuikleid, das Gesicht weiß, die Augen schwarz geschminkt, trat sie auf. Ihre Anhänger feierten sie als "Königin der Existenzialisten", als "Muse von Saint-Germain-des-Prés"; Schriftsteller wie Sartre und Albert Camus schrieben für sie Texte.

Juliette Greco im Jahr 2005. Foto: AP, AP

Die Gréco, wie sie von nun an überall hieß, kam im südfranzösischen Montpellier als Tochter eines aus Korsika stammenden Polizisten zur Welt. Ihre Kindheit beschrieb sie als nicht sehr glücklich: Der Vater verließ die Familie früh, sie und ihre Schwester Charlotte wuchsen bei den Großeltern in Bordeaux auf. 1933 zogen sie mit ihrer Mutter nach Paris. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ sich die Familie in der Dordogne im Südwesten Frankreichs nieder. Als Mitglied der Résistance, der Widerstandsbewegung gegen die Deutschen, wurden Grécos Mutter und Schwester 1943 von der Gestapo verhaftet und im KZ Ravensbrück interniert.

Die gerade 16-jährige Juliette wurde nach drei Wochen im Gefängnis Frèsnes entlassen. Eine Pariser Schauspiellehrerin nahm sich des verstörten Mädchens an. Mutter und Schwester überlebten den Krieg, doch Juliette Grécos Verhältnis zu Deutschland blieb lange distanziert: Erst 1959 konnte sie sich durchringen, in der Bundesrepublik aufzutreten.

Nach dem Krieg blieb sie in Paris, hielt sich mit kleineren Arbeiten über Wasser und wurde Teil der Bohème. Schon vor Gründung des "Tabou" trat sie in kleinen Clubs und Kabaretts auf und versuchte sich als Schauspielerin im Theater. Später wandte sie sich auch dem Film zu, zu ihren berühmtesten Werken zählen "Orphee" (1950) und "Bonjour Tristesse" (1958).

Ehen mit Lemaire und Piccoli

Trotz ihres Erfolgs genoss die Gréco zu keiner Zeit die Popularität wie beispielsweise Edith Piaf. Zu poetisch und zu intellektuell waren ihre Lieder. So verlief ihre Karriere in einem stetigen Auf und Ab, wobei ihr mehrere Comebacks gelangen. In der Bundesrepublik trat sie zuletzt 2005 in der Berliner Philharmonie auf.

Auch privat verlief das Leben der zu Schwermut neigenden Künstlerin nicht immer in ruhigen Bahnen. Eine erste Ehe mit dem Schauspieler Philippe Lemaire, von dem sie ihre Tochter Laurence-Marie hat, scheiterte nach kurzer Zeit. Von 1966 bis 1977 war sie mit Michel Piccoli verheiratet, 1988 trat sie mit dem Pianisten Gérard Jouannest vor den Traualtar. Der Sängerin wurden außerdem zahlreichen Affären nachgesagt, unter anderem mit dem Jazztrompeter Miles Davis.

Mit Jouannest lebt die Gréco heute auf einem Bauernhof in der Nähe von Paris. In einer Bürgerinitiative engagiert sie sich gegen die Kommerzialisierung des Viertels Saint-Germain-des Prés. Ihr neues Album "Le Temps d'une chanson" kam im Dezember 2006 auf den Markt. Von der Arbeit hielt sie auch ein leichter Herzanfall im Mai 2001 nicht ab. "Ich werde so lange singen, wie das Publikum mich noch hören will und ich selbst noch Spaß daran habe", hat sie erklärt.

Quelle: ap

 
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