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Ausstellung in Leverkusen: Junge Kunst aus dem Rheinland

VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 27.11.2010 - 20:37

(RP). Das Museum Morsbroich in Leverkusen stellt ab Sonntag in einer turbulenten Ausstellung die "postironische Generation" vor: Künstlerinnen und Künstler, die überwiegend in den 1970er Jahren geboren wurden und sich von der ironischen Kunst der 1980er Jahre absetzen wollen.

Im Obergeschoss des Museums Morsbroich hat der Düsseldorfer Künstler Felix Schramm seinen Durchbruch geschafft: Eine Wand ist aufgerissen, durch sie ragt in den Ausstellungsraum brachial und quer eine andere Wand herein. Was wie die Folge einer Urgewalt wirkt, ist in Wirklichkeit ausgeklügeltes Konstrukt. Kein Erdbeben also und auch kein Terroranschlag, sondern Gedankenarbeit und ein gutes Stück Handwerk.

Die Ausstellung "Neues Rheinland – Die postironische Generation" will nachweisen, dass eine jüngere, in den siebziger Jahren geborene Künstlerschaft die Helden der 1980er Jahre ablösen will, jene Maler, Bildhauer und Objektemacher, die in ihren Werken nichts ernst meinten und sich durch den inzwischen längst verbrauchten Kunstgriff der Ironie von allem und jedem zu distanzieren suchten, sich auch vor Verantwortung drückten.

Die Künstler von heute dagegen – das behauptet die Leverkusener Schau – vertreten Standpunkte und lassen, wo ihre Vorgänger ironisch waren, allenfalls Humor aufblitzen: Versöhnung statt routinierten Abstands. So ist auch Felix Schramms Durchbruch als wirklicher Durchbruch zu verstehen und nicht als dessen sarkastische Leugnung.

Schon im Treppenhaus des barocken Museums macht sich diese postironische Generation bemerkbar. Das rheinische "Konsortium", bestehend aus Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch, hat die Wände des in den 1980er Jahren von Oswald Mathias Ungers umgebauten Treppenhauses mit einem Farbsystem versehen, auf dem die Wörter Style, Elite und Level prangen. Die schwarze Fläche zum Beispiel rückt von Stockwerk zu Stockwerk jeweils um ein Rechteck nach rechts, so dass man den Eindruck gewinnt, diese Fläche steige die Treppe empor. Ironie? Fehlanzeige. Die Künstler wollten jedem Stockwerk zu einem Charakter verhelfen. Humor? Ja, ein wenig.

Die Düsseldorferin Luka Fineisen formuliert ihre Absage an die Ironie als Installateurin im lebensnahen Sinne des Wortes: Zwei Schläuche hängen von der Decke; Pumpe, Edelstahlbehälter und eine zähe weiße Flüssigkeit vervollständigen die Installation.

Die in Köln lebende Spanierin Eli Cortinas hat das Neue Rheinland um eine Videoskulptur bereichert. Der obere Monitor zeigt das Gesicht, der untere die Beine und Füße von Judy Garland alias Dorothy, der Hauptfigur des Filmklassikers "Der Zauberer von Oz"(1939). Wie der Ausstellungskatalog verrät, geht es der Künstlerin um einen Blick hinter die kulturellen Fassaden von Liebe, Sexualität, Ehe und Familie.

Die Postironiker sind keine Konzeptkünstler, sie bauen fest auf ihre Materialien. Das können herkömmliche Stoffe sein wie Keramik – aber auch Beton und Plastik, woraus die Kölnerin Gesine Grundmann einen "Gemüsehaufen" geformt hat.

Wer die Künstlerinnen und Künstler darauf anspricht, was es mit dem jeweiligen Objekt auf sich habe, der wird oft feststellen, dass ihre Kunst aus persönlichen Erfahrungen und Empfindungen hervorgeht; so sehr, dass sie sich dem Betrachter ohne Kenntnis dieser Umstände verschließt.

Die Ausstellung führt 30 Beispiele an, um ihre These vom postironischen Zeitalter zu untermauern. Vielen der ausgestellten Werke merkt man die "neue Ernsthaftigkeit" an, bei anderen fragt man sich, ob sie nicht doch noch ein Quentchen Ironie enthalten.

Wenn die These der Ausstellungsmacher auch gewagt erscheint, so freut man sich doch, dass hier überhaupt etwas gewagt wird. "Neues Rheinland" hätte als Leitausstellung die Quadriennale in Düsseldorf erhellen können: Kunst der Gegenwart, auf die Probe gestellt durch eine These. Jetzt hat Leverkusen gezeigt, wie man's macht.

Quelle: RP

 
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