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Im Alter von 103 Jahren
Jahrhundertmaler Karl Otto Götz gestorben

Karl Otto Götz: Jahrhundertmaler im Alter von 103 Jahren gestorben
Karl Otto Götz, kurz K.O. Götz, im Jahr 2014 vor einem seiner Bilder. FOTO: dpa, obe fdt
Wolfenacker/Düsseldorf. Zu seinem Stil sagte Karl Otto Götz einmal: "Es schwupst und bubst und gelingt." 1060 Werke schuf er zwischen 1937 und 2012. Jetzt ist er im Alter von 103 Jahren gestorben. Seine Witwe Rissa sagt: "Er ist friedlich eingeschlafen. Es war ein Tod in Würde." Von Annette Bosetti

Er prägte ein Jahrhundert deutscher Malerei und hinterlässt 1060 Werke aus der Zeit von 1937 bis 2012. Denkt man an die Bilder von Karl Otto Götz, dann hat man vor allem die großen Schwünge in abstrakten Kompositionen vor Augen, schwarz-weiß oder farbig sind sie.

Am Samstagabend ist der bedeutende informelle Künstler und prägende Lehrmeister der ersten Generation deutscher Nachkriegskünstler in seiner Heimat Wolfenacker gestorben. Er sei zu Hause in seinem Bett friedlich eingeschlafen, sagt seine Frau, die Malerin Rissa am Montagmorgen im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie sprach von einem Tod in Würde und von ihrer eigenen Erschütterung. In aller Stille soll er auf eigenen Wunsch bei einer Seebestattung seine letzte Ruhe finden.

Rissa (79) war zuletzt immer an seiner Seite, zumal er wegen seiner Erblindung auf Hilfe angewiesen war. Vor wenigen Wochen hatte sich K. O. Götz erstmals nicht mehr recht auf den Beinen halten können, sagte sie, und sich ins Bett gelegt.

Sein letzte Werk schuf er vor sechs Jahren

Gelegenheit zu einem letzten Gespräch gab er der Rheinischen Post noch im Mai dieses Jahres bei einem Besuch in Wolfenacker. Im Gespräch zeigte er sich interessiert an den Geschehnissen rund um die Düsseldorfer Akademie, fragte nach den aktuellen Rektorwahlen und nach den Entwicklungen in der Kunst im Allgemeinen kurz vor der "documenta".

Vor sechs Jahren hat der am 22. Februar 1914  in Aachen geborene Maler sein letztes großes Werk hergestellt, einige wenige kleinere farbige Gouachen folgten 2012. Gerhard Richter war einer seiner berühmten Schüler, außerdem Sigmar Polke, Gotthard Graubner, Anna und Johannes Blume und Franz Erhard Walther. In seinem Künstlerleben wie in seinem Lehrerberuf – von 1959 bis 1979 war K.O. Götz Professor an der Kunstakademie Düsseldorf – schätzte er die Freiheit nach all dem, was der Zweite Weltkrieg ihm persönlich und der Welt an Übel beschert hatte.

Von diesen Menschen nahmen wir 2017 Abschied FOTO: dpa

Als Götz als Luftnachrichtensoldat für Deutschland in den Krieg gezogen war – von 1941 bis 1945 war er in Norwegen stationiert –, hatten die Nazis bereits ein Mal- und Ausstellungsverbot über ihn verhängt. Das war 1935 ausgesprochen worden, nachdem der damals 21-Jährige mit einem Künstlerfreund eine moderne Kunstausstellung in der Auslage eines Schreibwarengeschäfts ausgerichtet hatte.

Die Reaktion erfolgte in Gestalt des örtlichen NS-Kunst-Obmannes, der Götz mehrmals im Atelier besuchte und ihn aufforderte, sich künstlerisch der "neuen Zeit" anzupassen. Das kam für ihn nicht infrage. Nur noch schöne, deutsche Landschaften zu malen – und nicht seine verrückten, mit Farbe bespritzten Bilder?

Nach dem Krieg entwickelte Götz seine künstlerische Konzeption ausgehend von dem durch den Surrealismus geprägten Frühwerk der 1930er und 1940er Jahre. Die Ausgangsperspektive seiner Malerei beschrieb er einmal rückblickend in einem Interview: "Wir wollten damals eine frische, spontane Malerei, den surrealistischen Programmpunkt vom Halbautomatismus auch in der Malerei wahr machen. Dadurch versuchte ich, die Enge der eigenen Vorstellung zu sprengen und die allzu bewusste Kontrolle auszuschalten."

Auf der Suche nach dem Poetischen ohne Gegenständlichkeit

Götz, der auch Dichter war, war in seinen Bildern stets auf der Suche nach dem Poetischen ohne Gegenständlichkeit. Seine Art zu malen brach mit allen Traditionen. Er arbeitete auf dem Boden – oft trug er eine Gasmaske – unter Einsatz des ganzen Körpers. "Kein Gegenstand, nicht denken, ganz schnell, so schnell wie möglich malen – dann kann es was werden!" So viel sagt Götz über seine Technik. Für das letzte große Bild, 2011 entstanden, hat ganze zehn Sekunden gebraucht.

1952 hatte er durch Zufall das Material der Zukunft für sich entdeckt, als er für seinen Sohn einen Topf Kleister anrührte und sah, wie gut dieser sich mit Pigmenten vermischen ließ. Mit dem Rakel, einem Hartgummischaber, setzte er zu den breiten Formen an, für die großen Schwünge montierte er zehn Pinsel zu einem weiteren Malgerät aneinander. Mit einem Messer ritzt er schließlich in die Farbschichten hinein. Er sagt: "Es schwupst und bubst und gelingt."

In vielen großen Museen und Privatsammlungen ist das singuläre Werk von K.O. Götz vertreten.

 
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