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Wallraf-Richartz-Museum: Köln feiert seine "Mona Lisa"

VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011 - 07:44

(RP). Das Wallraf-Richartz-Museum, älteste öffentliche Kunstsammlung der Stadt Köln, wird 150 Jahre alt. Schon seit seiner Gründung besitzt es Stefan Lochners "Muttergottes in der Rosenlaube" – die "kölsche Mona Lisa". Die Sammlung mittelalterlicher Tafelbilder gilt als die umfangreichste der Welt.

Köln Anders als im Falle des untergegangenen Stadtarchivs, dessen Schätze nun nach und nach ans Tageslicht zurückgelangen, hat Köln mit seinem Wallraf-Richartz-Museum von jeher Glück. Da es in der Kunstmetropole am Rhein weder Stadtbrände noch Bilderstürme gab, hat sich Kölns Schatz mittelalterlicher Tafelbilder bis in die Gegenwart erhalten. Er befindet sich in der Obhut des Wallraf-Richartz-Museums und gilt als umfangreichste Sammlung auf diesem Fachgebiet weltweit. Am 1. Juli wird das Schatzhaus 150 Jahre alt, und schon im Januar lässt es sich feiern.

Das Jubiläum passt insofern gut in unsere Zeit, als es einer Bürgerstiftung gilt, also einer jener Institutionen, auf die das Kulturleben angesichts knapperer staatlicher Finanzierung immer mehr angewiesen ist. Der Kölner Priester und Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824) vermachte der Stadt Köln seinen umfangreichen Nachlass schon zu Lebzeiten gegen Gewährung einer Rente.

Dieser Nachlass setzte sich aus Kirchengut zusammen, das die Franzosen nach ihrer Besetzung Kölns verstaatlicht und versteigert hatten. So bekam die Stadt eine Kunstsammlung – allerdings ohne Gehäuse. Für ein Dach sorgte der gleichfalls ortsansässige Kaufmann Johann Heinrich Richartz (1795–1861). Er stiftete 100 000 Taler für die Errichtung eines Museumsgebäudes.

Zu den Werken, die von vornherein zum Bestand des Hauses gehörten, zählt dasjenige Tafelbild, das nach wie vor als Prunkstück der Kollektion gilt: Stefan Lochners farbenprächtige "Muttergottes in der Rosenlaube", entstanden um 1448, eine Art "Mona Lisa" der Stadt Köln. Während die Sammlung wuchs und weitere hochrangige Schwerpunkte ausbildete, vor allem in der Rembrandt-Zeit sowie im 19. und im frühen 20. Jahrhundert, wechselte das Museum mehrfach seinen Standort, ohne aber die Kölner Innenstadt zu verlassen.

Nachdem der ursprüngliche, von Josef Feltens und Julius Carl Raschdorff entworfene Bau 1943 einem Luftangriff zum Opfer gefallen war, entstand in den 1950er Jahren "An der Rechtschule" nach den Plänen von Rudolf Schwarz und Josef Bernhard ein Nachfolgebau, der in den sechziger Jahren auch die Gegenwartskunst-Sammlung des Aacheners Peter Ludwig aufnahm.

Da das Museum gemessen an seinen immensen Schätzen auf Dauer zu klein war, beauftragte die Stadt die Architekten Peter Busmann und Godfrid Haberer, unmittelbar neben dem Dom einen Neubau zu platzieren. Man sprach vom "Museum Ludwig", meinte aber dabei stets auch das Wallraf-Richartz-Museum, das allerdings zunehmend in den Schatten des Pop-Art-Hauses geriet und am Ende hinausgedrängt wurde.

Ursache dieser erneuten Verlagerung war eine Stiftung an die Stadt Köln: Peter Ludwig hatte die Schenkung seiner Picasso-Sammlung an die Bedingung geknüpft, dass der gesamte Bau neben dem Dom dem Museum Ludwig zur Verfügung stehen soll. So ließ die Stadt abermals ein neues Domizil für das Wallraf-Richartz-Museum errichten. In der Nähe des Rathauses entstand ein Bau, den der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers entworfen hatte. Dort befindet sich das Museum noch heute. Nicht nur die Ausstellungsfläche wuchs mit jedem Umzug, auch die Sammlung erweiterte sich. Zuletzt wurde sie durch Dauerleihgaben der Fondation Corboud ergänzt. Spricht man heute vom Wallraf-Richartz-Museum, denkt man nicht nur ans Mittelalter, sondern – auch dank zahlreicher vielbeachteter Wechselausstellungen – gleichermaßen an das rätselhafte Selbstbildnis Rembrandts, in dem der Maler sich lachend verewigt hat, an Rubens, an van Goghs "Brücke von Arles", an Manets Spargelstillleben, an Courbet, Leibl und Liebermann.

Als sich das Wallraf-Richartz-Museum vom Museum Ludwig getrennt hatte, fand der Neubau zunächst viel Zulauf. Doch dann entpuppte sich das Museum Ludwig als der wahre Magnet, während das Wallraf-Richartz-Museum gegen Besucherschwund kämpfte. Erst als ein neuer Direktor, Andreas Blühm, die Ausstellungspolitik des Hauses erneuerte, höchst geschickt Ästhetik mit Kulturgeschichte verband und Grenzen überschritt, ging es mit dem Haus wieder bergauf. Ein Beispiel: Für das Jubiläumsjahr hat der Modeschöpfer Christian Lacroix eine Ausstellungsarchitektur entworfen, in der sich das Werk des französischen Salonmalers Alexandre Cabanel aus dem 19. Jahrhundert stilvoll entfalten soll. So spricht man Liebhaber zweier unterschiedlicher Genres gleichzeitig an.

Quelle: RP

 
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