Nach entsetzter Kritik: Künstler verteidigt Aktion mit Sterbendem
zuletzt aktualisiert: 22.04.2008 - 10:29Köln (RPO). Der Mönchengladbacher Künstler Gregor Schneider hat seine umstrittene Sterbekunst-Aktion verteidigt. Der wahre Skandal sei die Realität in deutschen Kliniken, Intensivstationen und Operationssälen. Die Auseinandersetzung mit dem Sterben könne dem Tod seinen Schrecken nehmen. Schneider hatte mit seinem Plan Entsetzen ausgelöst, bei einer Kunstaktion einen Sterbenden auszustellen.
Künstler könnten durchaus "geschützte und humane Räume für den Tod bauen", sagte Schneider dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Es hätten sich schon "Leute gemeldet", die Interesse an einer Teilnahme hätten. Deren Einverständnis für alle Schritte einer solchen Aktion sei selbstverständlich. Wenn sich letztlich doch niemand für das Projekt finde, könne er es "spätestens mit mir selbst realisieren", so Schneider. Die Idee eines Raums für den Tod habe er schon 1996 geäußert. Das setze aber eine "andere Vorstellung des Museums" voraus. Ihm sei klar, dass eine Ausstellung mit Leichnam nicht genehmigt werde.
Der Kölner Jesuitenpater Friedrich Mennekes sagte unterdessen, die "würdevolle Präsentation" eines Leichnams in einer Ausstellung könne konstruktiver Impuls für die Auseinandersetzung mit dem Tod sein. Sogar über das Sterben eines Menschen dort könne er "nachdenken, auch das halte ich nicht in jedem Fall für tabu", sagte der Leiter der Kunst-Stadtion Sankt Peter der Zeitung. Im Museum bestehe die Möglichkeit, den Tod direkt und plastisch vorzustellen.
Politiker und Kirchenvertreter hatten die Pläne am Montag scharf kritisiert. Es handele sich um eine Provokation, die mit würdevollem Sterben nicht vereinbar sei, sagte ein Vertreter des Bistums Aachen.
NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff und Landtagsabgeordnete verschiedener Fraktionen erklärten, man solle einen realen Sterbeakt nicht öffentlich ausstellen, auch wenn der Tod sonst verdrängt werde.
Die Stadt Krefeld hatte die Pläne am Wochenende vehement abgelehnt. Das Museum Haus Lange, das sich der Künstler als Schauplatz wünsche, stehe für eine "solche pietätlose Aktion" nicht zur Verfügung.
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