Große Hoffnungen für 2010: Kulturhauptstadt: Jubel in Essen und Görlitz
zuletzt aktualisiert: 11.03.2005 - 15:34Berlin (rpo). Die Hoffnungen in Essen und Görlitz sind groß nachdem die beiden Städte zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 nominiert worden sind. Die Stadt im Ruhrgebiet will sich verstärkt als Einwanderungsregion darstellen, Görlitz spekuliert vor allem auf Zuwächse im Tourismus. In den unterlegenen Städten hat sich Enttäuschung breit gemacht.
Die Jury hatte am Donnerstagabend Essen/Ruhrgebiet und Görlitz für den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2010" empfohlen. Leer gingen Bremen, Braunschweig, Halle/Saale, Karlsruhe, Kassel, Lübeck, Potsdam und Regensburg aus. Über das Votum der Jury entscheidet als nächstes der Bundesrat. Es wird erwartet, dass dieser der Empfehlung folgen und seine Auswahl bis Ende September an die EU weiterleitet. Bis Ende 2006 steht fest, wer den Titel bekommt.
Der Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, Holm Große, mahnte angesichts des Votums eine deutlich größere Unterstützung auf Landesebene für Görlitz an. Das Potenzial der Stadt und ihres architektonischen Reichtums müsse stärker für das Kulturland Sachsen genutzt werden. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sagte, Görlitz habe den "Aufmerksamkeitsschub" verdient. Die Nominierung sei ein Impuls für die strukturschwache Region.
Der Essener Kulturdezernent und Bewerbungsbeauftragte, Oliver Scheytt, sagte, Essen werde den europäischen Gedanken ins Zentrum der weiteren Bewerbung stellen. So solle gezeigt werden, dass das Ruhrgebiet "Gastgeber für Europa" sein könne. Geplant sei, auf Basis der vielen Städtepartnerschaften Künstler, Kirchen oder Jugendliche für eine Teilnahme am Kulturhauptstadt-Programm zu gewinnen. Um sich von Görlitz zu unterscheiden, werde das Ruhrgebiet noch stärker deutlich machen, dass dort Menschen aus rund 140 Ländern leben.
Die brandenburgische Kulturministerin und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Johanna Wanka (CDU), äußerte sich enttäuscht über die Entscheidung gegen Potsdam. Allein die Bewerbung der Stadt habe jedoch positive Wirkungen auf Potsdam gehabt.
Bremens Bürgermeister Henning Scherf (SPD) sagte, es sei "schade", dass die Bewerbung der Hansestadt die Jury nicht überzeugt habe. Er sei dennoch überzeugt, dass die Stadt von Geist und Aufbruchstimmung der Bewerbung weiter profitieren werde.
Niedersachsens Kulturminister Lutz Stratmann (CDU) betonte, trotz der Niederlage Braunschweigs würden die bereits angetriebenen Projekte und die Zusammenarbeit zwischen Land und Region weiter verfolgt. Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) verwies darauf, die Stadt sei durch die Bewerbung bundesweit bekannter geworden.
Unterdessen forderte der Deutsche Kulturrat von den Favoriten Essen und Görlitz ein erweitertes Bewerbungskonzept. Beide Städte sollten nun sagen, wie sie die Einbindung der im Bewerbungsverfahren unterlegenen Städte in ihre Kulturhauptstadtprogramme planten, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann.
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