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Nach spektakulärem Kunstraub in Paris
Gericht verurteilt Meisterdieb Tomic zu acht Jahren Haft

Kunstraub in Paris: Gericht verurteilt Dieb Vjéran Tomic zu 8 Jahren Haft
Der Hauptangeklagte und Meisterdieb Vjéran Tomic vor der Urteilsverkündung. FOTO: ap, TC
Paris. Nach einem Aufsehen erregenden Kunstraub in Paris ist der Dieb zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Das Strafgericht der französischen Hauptstadt verurteilte am Montag zudem zwei Hehler zu sechs und sieben Jahren Gefängnis.

Der Dieb hatte gestanden, 2010 im Pariser Museum für Moderne Kunst fünf Meisterwerke von Picasso, Matisse, Modigliani, Braque und Léger entwendet zu haben. Die drei Männer sollen gemeinsam zudem eine Art Entschädigung in Höhe von 104 Millionen Euro an die Stadt Paris zahlen, der die Sammlung gehört. Das entspricht nahezu dem Wert der bis heute verschollenen Werke, der auf 109 Millionen Euro geschätzt wird. Einer der Hehler gab im Prozess an, er habe die Gemälde zerstört. Das glauben ihm die Ermittler allerdings nicht.

Der Kunstdieb Vjéran Tomic ist der Justiz hinlänglich bekannt. Wegen seiner 14 Vorstrafen wurde er nicht nur zu acht Jahren Haft verurteilt, sondern muss auch eine Strafe von 200.000 Euro zahlen.

"Vjéran Tomics Professionalität grenzt an Exzellenz"

In der Verhandlung erklärte die Staatsanwaltschaft, Tomics "Professionalität grenze an Exzellenz". Er habe allerdings "nichts von einem Gentleman", sondern sei ein Krimineller ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Tomic selbst verglich sich gegenüber Journalisten mit dem Meisterdieb Arsène Lupin, dem Helden eines in Frankreich berühmten Romans des Autors Maurice Leblanc.

Der Einbruch im Mai 2010 hatte für Schlagzeilen gesorgt. Tomic, der wegen seiner Kletterfähigkeiten auch "Spiderman" genannt wird, brach nachts durch ein Fenster in das Pariser Museum für Moderne Kunst ein. Nach eigenen Angaben wollte er nur ein kubistisches Stillleben von Fernand Léger stehlen. Weil aber die Alarmanlage nicht funktionierte, nahm er gleich vier weitere Meisterwerke mit.

Die Tat offenbarte eklatante Sicherheitsmängel in dem Museum im wohlhabenden 16. Arrondissement im Pariser Westen. Wie sich herausstellte, bekamen auch drei Wärter von dem Einbruch nichts mit. Die Bewegungsmelder waren bereits seit Monaten außer Betrieb.

Insider-Tipp hilft den Ermittlern

Die Polizei kam Tomic durch einen Insider-Tipp auf die Spur. Nach seiner Festnahme 2011 gestand er die Tat, weigerte sich aber, die Auftraggeber preiszugeben. Im Prozess sagte er nun aus, offenbar habe ein reicher Saudi-Araber den Diebstahl in Auftrag gegeben.

Der Kunstdieb und die beiden Hehler leugneten in dem Prozess jede direkte Zusammenarbeit, was ihnen die Ermittler allerdings nicht glaubten. Bei den beiden Hehlern handelt es sich um einen 61 Jahre alten Antiquitätenhändler, für den der Kunstdieb bereits mehrfach tätig gewesen sein soll. Er wurde zu sieben Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt. Vor Gericht stand zudem ein 40-jähriger Uhrmacher, der die Werke versteckte. Er erhielt sechs Jahre Haft und eine Geldstrafe von 150.000 Euro.

Die fünf Gemälde gelten wegen ihrer Bekanntheit als unverkäuflich. Verschollen sind von Pablo Picasso "Le pigeon aux petits pois" (Taube mit grünen Erbsen von 1911), von Henri Matisse "La Pastorale" (Pastoral, 1905), von Amedeo Modigliani "La femme à l'éventail" (Frau mit Fächer, 1919), von Georges Braque "L'olivier près de l'Estaque" (Der Olivenbaum bei L'Estaque, 1907) sowie von Fernand Léger "Nature morte aux chandeliers" (Stillleben mit Kerzen, 1922).

(felt/AFP)
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