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Kreuzigungsszenen verboten: Louvre in Abu Dhabi

VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.03.2007 - 16:02

AbuDhabi/Paris (RP). Das arabische Emirat darf einen Ableger des Pariser Museums bauen. Kosten: 500 Millionen Euro. Es gibt jedoch Auflagen: Akte und Kreuzigungsszenen dürfen nicht ausgestellt werden.

Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate hinter den Modellen der geplanten Museen. Der Louvre ist der flache runde Bau im Vordergrund.  Foto: AFP, AFP
Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate hinter den Modellen der geplanten Museen. Der Louvre ist der flache runde Bau im Vordergrund. Foto: AFP, AFP

Eine gewaltige umgestülpte Schüssel über einer Vielzahl kubischer Gebäude im Stile einer arabischen Medina. Das Ganze umgeben von einem Palmenhain. Willkommen im Louvre! Nur dass sich dieser Louvre nicht in Paris befindet, sondern in Abu Dhabi. Gestern unterzeichnete der französische Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres in dem Golf-Scheichtum den lukrativsten Kunst-Deal, den die Nation je ausgefeilscht hat. Für mehr als 500 Millionen Euro darf das Wüsten-Emirat sich ab 2012 mit einem funkelnagelneuen Kunstmuseum schmücken, das den begehrten Namen „Louvre“ trägt.

Der französische Architekt Jean Nouvel soll das Museum auf einer Insel im Persischen Golf bauen. Ein riesiges Kulturzentrum mit drei weiteren Museen soll dort entstehen, darunter auch ein Guggenheim-Ableger. In unmittelbarer Nähe können sich Besucher des Kunst-Eilands von den Strapazen ihrer Kulturvisiten dann in opulenten Luxushotels und auf weitläufigen Golfplätzen erholen. Der Pariser Louvre, so steht es im Vertrag, soll sein Know-how liefern, gemeinsam mit anderen französischen Museen jedes Jahr rund 300 Werke ausleihen sowie vier große Ausstellungen organisieren.

Vor allem aber wird der Louvre dem Mega-Projekt der Scheichs seinen glanzvollen Namen und seinen guten Ruf leihen. Für Abu Dhabi sind die 500 Millionen Euro (die Baukosten des Museums sind darin noch gar nicht enthalten) eine Investition in die Zukunft. Die Emirate setzen auf Kultur und Tourismus, für die Zeit nach dem Öl. Im Herbst 2005 wandte sich deshalb ein Mitglied der königlichen Familie an die französische Regierung und begehrte einen Louvre-Ableger.

Der Wunsch stieß in Paris auf gewisse Irritation; ablehnen ließ er sich jedoch nicht. Frankreich hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten milliardenschwere Wirtschaftsinteressen. Abu Dhabi ist Stammkunde für französisches Kriegsgerät und hat obendrein 40 Exemplare des Airbus-Riesenjets A-380 bestellt. Also drückte die Regierung den Deal gegen den Widerstand der Kulturfunktionäre durch, die die Vorstellung des Louvre-Transfers grausen ließ.

Doch der Protest organisierte sich. Eine Petition gegen „dieses diplomatische Geschenk“ wurde von 4600 Gegnern des Louvre-Ablegers unterzeichnet, darunter so bekannte Köpfe des französischen Kulturbetriebs wie Françoise Cachin, ehemalige Generaldirektorin der staatlichen Museen Frankreichs, und Jean Clair, bis vor kurzem noch Chef des Pariser Picasso-Museums. „Unsere Museen sind nicht zu verkaufen“, schimpfen sie und warnen vor einer zunehmenden Kommerzialisierung der Kultur.

Schließlich schwappte die Polemik sogar bis nach Deutschland. So wetterte unlängst auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, gegen die Expansionspläne des Louvre in Abu Dhabi, bei der es allein um „Gewinnmaximierung“ gehe. Damit aber, so Lehmann, zerstöre der Louvre das Prinzip des „partnerschaftlichen Gebens und Nehmens“, auf dem bislang die Zusammenarbeit der Museen gründe. „Kunstwerke müssen in der Welt herumkommen“, hielt Francine Mariani-Ducray dagegen, die amtierende Direktorin der französischen Nationalmuseen.

Die Frage ist nur: Zu welchen Bedingungen wird der Kulturexport durchgeführt? Und da gibt es bei dem Abu-Dhabi-Projekt in der Tat ein paar dunkle Punkte. „In den Verhandlungen haben die Emirate zu keinem Zeitpunkt eine Zensur der auszustellenden Kunstwerke verlangt“, so rechtfertigte sich das Pariser Kulturministerium.

Das war wohl auch gar nicht nötig, denn die Louvre-Unterhändler erlegten sich von selbst die „nötige Zurückhaltung mit den Empfindsamkeiten des islamischen Kulturkreises“ auf. Darstellungen etwa nackter Körper oder Kreuzigungsszenen werden sich deshalb in der prüden Louvre-Filiale nicht wiederfinden.

„Kein Problem“, so reagierte ein französischer Museumskonservator mit bitterer Ironie, „es reicht ja völlig aus, ein paar Jahrhunderte des abendländischen Kunstschaffens auszuklammern.“


 
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