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"Menschentracks" von Florian Mehnert
Videoprojekt zeigt Szenen gehackter Smartphones

Düsseldorf. Mit seinen "Waldprotokollen" hat der Künstler Florian Mehnert schon im vergangenen Jahr auf das Thema Überwachung aufmerksam machen wollen. Nun legt er mit seiner neuen Installation "Menschentracks" nach. Darin zeigt er kurze Videosequenzen gehackter Smartphones, die mitten aus dem Alltag der überwachten Personen entspringen. Von Dana Schülbe

Seit der NSA-Skandal aufgekommen ist, scheinen keine Daten mehr vor dem Zugriff von Geheimdiensten sicher zu sein. Während die einen sich um ihre Persönlichkeitsrechte sorgen, zucken andere mit den Schultern und sagen sich: Ich habe ja eh nichts zu verbergen. Florian Mehnert gehört definitiv zur ersten Kategorie. Der gebürtige Kölner, der in Baden-Württemberg und Frankreich lebt, sagt, dass bei ihm schon seit einigen Jahren die Besorgnis darüber wachse, wie man durch das Speichern von Userdaten individuelle Profile anhäufe.

"Seit den Veröffentlichungen von Snowden wissen wir, dass die Massenüberwachung keine Grenzen kennt. Dass schlicht sämtliche Kommunikation jedes Einzelnen gespeichert wird", sagt er unserer Redaktion. "Ich bin schockiert. Ich stehe vor einer unlösbaren Problemstellung, über die ich eine künstlerische Annäherung suchen muss." Denn schließlich gehe es hier "um unsere Freiheit".

Smartphone als Überwachungswerkzeug

Also hat sich Mehnert auch künstlerisch mit dem Thema Überwachung beschäftigt. Im vergangenen November veröffentlichte er im Netz Tonsequenzen von im Wald abgehörten Gesprächen. Seine neueste Installation aber sollte noch einen Schritt weiter gehen. "Das Smartphone als ständiger Begleiter wird zum Überwachungswerkzeug", beschreibt er das Projekt "Menschentracks auf seiner Webseite. Zu sehen sind 42 Videosequenzen gehackter Smartphones. Wacklige Bilder aus Supermärkten, in der Warteschlange oder bei der Autofahrt – alle Stimmen und Gesichter verfremdet.

Geholfen bei der technischen Umsetzung haben dem Künstler zwei Hacker, die sich auf das Aufdecken von Sicherheitslücken spezialisiert haben. Diese täuschten etwa in einem Café ein offenes W-Lan-Netz vor und konnten bei den Smartphones, die sich in das Netz einloggten, eine Malware installieren. Später schalteten sie durch das Programm die Mikrofone und Kameras der Smartphones an, ohne dass die Menschen davon etwas wussten. "Das Ganze lief ohne Identitätsfeststellung, ich weiß nicht, von wem, von wo oder von welchen Smartphones die Filmsequenzen kommen", sagt Mehnert.

Vor allem Alltagsszenen verwendet

Er selbst aber stellte das Material für die genutzten Videosequenzen zusammen. Ausgewählt hat er sie nach "Kriterien der Trivialität", wie er sagt, also vor allem Alltagsszenen genutzt. Mit dem neuen Projekt habe er noch tiefer in das Thema Überwachungsproblematik eindringen wollen und noch mehr in die alltägliche Realität der Menschen. "'Menschentracks' veranschaulicht das, was uns die Veröffentlichungen über die Machenschaften der Geheimdienste längst aufgezeigt haben", so Mehnert.

So erzählt er auch, dass sich über sein Projekt "Waldprotokolle" viele mehr aufgeregt haben als über die "allgegenwärtige Massenüberwachung". Seine neueste Installation dürfte ähnliche Reaktionen hervorrufen. Und vielleicht überrascht Mehnert bald mit einem weiteren Projekt zu dem Thema. "Wir werden sehen, wie ich weiter an der Thematik der Massenüberwachung arbeiten werde...", sagt Mehnert dazu nur.

 
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