Humoristisches Werk für Papa-Söhnchen: Mit Vatis Rat in der Welt bestehen
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 21.08.2007 - 19:55Düsseldorf (RPO). Es gibt Bücher zum Lesen, es gibt Bücher zum gezielten Nachschlagen und es gibt Bücher für Zwischendurch. Fürs Klo. Für das Warten auf den Bus. Dazu zählt auch „Frag Vati“ von Bernhard Finkbeiner und Hans-Jörg Brekle. Darin finden vom Alltag überforderte Menschen freundlich-humoristische Tipps wie sie – angeblich - nur von „Vati“ stammen können.
Die Idee funktioniert. Das zeigt der Erfolg des Vorgängers „Frag Mutti“ und auch das Leben auf den dazugehörigen Internetseiten fragvati.de und fragmutti.de.
Das Konzept macht neugierig. In welchen Fachgebieten kann ausschließlich das männliche Familienoberhaupt weiterhelfen? Und wie blöd sind die Fragen der aus dem Schoß der Familie gefallenen Studenten? Denn insbesondere für diese ist das kleine Taschenbuch gedacht.
Alltagsunfähigen Jung-Erwachsenen Antworten zu geben, kann mitunter witzig sein. Zumal sich die Verfasser alles andere als ernst nehmen. Im Plauderton greifen sie Fragen auf und geben gute, manchmal sogar altväterliche Ratschläge. Anschließend lassen sie ihre Tipps durch eine mehrköpfige Jury bewerten, frei nach dem Vorbild kommentierender User auf frag-vati.de.
Korrekter Gebrauch eines Hammers
Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis. Heimwerken und Renovieren, Finanzen und Versicherungen, Job und Karriere, Hochzeit und Feiern – die Liste beschränkt sich auf die klassischen Ratgeberthemen. Fragen wie „wie bohre ich sicher in eine Fliese?“, „welche Kleidung beim Vorstellungsgespräch?“, „was gilt es bei der Hochzeit zu beachten?“ werden aufgeworfen.
Und beantwortet. Mit dabei sind dann neben ernsthaften Tipps ironische Passagen wie die „kleine Anleitung für ein versautes Vorstellungsgespräch“ oder das im Internet mittlerweile weit verbreitete Bürospiel „Traust dich eh nicht“. Besonders nachhaltig in Erinnerung bleiben auch die Ratschläge zum korrekten Gebrauch eines Hammers.
Mutti ist nicht Vati
Dennoch stellt sich die Lektüre über weite Strecken als dröge heraus. Das gilt insbesondere für Themen, zu denen schon etliche ernsthafte Ratgeberwerke auf dem Markt sind. Zum Beispiel die Hochzeitsvorbereitung oder die Spritspar-Tipps fürs Auto. Als Rundumschlag für die Lebensbewältigung greift das Büchlein da zu kurz, wo es auch mal ernsthaft weiterhelfen will. Wohl ein generelles Handicap von ironisch aufgezogenen Ratgebern, die sich nicht ernst nehmen dürfen.
Ein Trugschluss der Autoren mag die Übertragung des Erfolgskonzepts von „Frag Mutti“ auf das andere Elternteil gewesen sein. So hatte das Original bestechenden Charme. Viele simple Kniffe aus dem Alltag von Müttern und Muttis waren für Junggesellen Neuland, dessen Ahnungslosigkeit für den Leser ein Quell der Freude.
Mit Vatis Weisheiten greift die Idee nicht mehr. Zu vielen Hinweisen fehlt der Anstrich des Profanen und damit das altbacken Papahafte. Welche Versicherungen man im Leben braucht, ist halt ein anderes Thema als das Rote-Socken-Problem in weißer Wäsche. Schade drum.
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