Im Alter von 78 Jahren: Peter Rühmkorf ist tot
zuletzt aktualisiert: 09.06.2008 - 18:07Hamburg (RPO). Der Schriftsteller und Büchner-Preisträger Peter Rühmkorf ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Er erlag am Sonntag in seinem Haus in Schleswig-Holstein einer Krebserkrankung, wie die Pressesprecherin des Rowohlt-Verlags Hamburg, Ursula Steffens, am Montag bestätigte. Rühmkorf wird zu den bedeutendsten Lyrikern der zeitgenössischen Literatur gezählt. Vor kurzem hat er sein letztes Gedichtbuch herausgebracht.
Wenige Stunden vor der Nachricht vom Tode des Dichters war bekanntgeworden, dass er den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor 2009 erhält. Die Auszeichnung wird laut einem Sprecher der Stiftung Brückner-Kühner im Februar nächsten Jahres posthum verliehen.
Rühmkorfs rund 50-jährige Schaffenszeit war bereits zuvor mit zahlreichen Preisen geehrt worden. Unter anderem erhielt er den Georg-Büchner-Preis, Bremer Literaturpreis, Alexander-Zinn-Preis, Droste-Hülshoff-Preis, Arno-Schmidt-Preis und die Heine-Ehrengabe der Stadt Düsseldorf. Über ein Dutzend seiner Gedichte fand Eingang in den Kanon der deutschen Literatur des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki.
Rühmkorfs Leben und Wirken
Rühmkorf wurde am 25. Oktober 1929 in Dortmund geboren und wuchs bei Stade in Niedersachsen auf. Von 1951 bis 1957 studierte er zunächst Pädagogik, bis er sich in Hamburg der Germanistik und Kunstgeschichte zuwandte.
Seit 1955 arbeitete der Dichter nach Rowohlt-Angaben als Mitgründer der Zeitschrift "Studentenkurier", die später in "Konkret" umbenannt wurde. Von 1958 bis 1964 war Rühmkorf als Lektor im Rowohlt Verlag tätig. Seitdem lebte und arbeitete er als freier Autor in Hamburg.
Zu seinen wichtigsten Werken gehören "Die Jahre die Ihr kennt" (1972), "Bleib erschütterbar und widersteh" (1984), "Haltbar bis Ende 1999" (1979) sowie die Tagebücher "TABU I" (1995) und "TABU II" (2004). Nach einer mehrbändigen Werksausgabe erschien zuletzt im April dieses Jahres der Gedichtband "Paradiesvogelschiß".
In der Preisankündigung der Stadtverwaltung Kassel wurde am Montag das unübertroffen vielstimmige Werk" des Dichters gewürdigt. Rühmkorfs Werk sei Anleitung zum politischen Widerspruch, irdischen Vergnügen und ästhetischen Genuss, hieß es in der Begründung der Jury.
Der mit 10 000 Euro dotierte Kasseler Literaturpreis wird seit 1985 jährlich von der Stadt Kassel und der Stiftung Brückner-Kühner verliehen. Zu den bisherigen Trägern zählen unter anderen Loriot, Robert Gernhardt und Gerhard Polt. Im vergangenen Jahr ging der Preis an F.W. Bernstein.
Bundespräsident Köhler würdigte den Verstorbenen
Bundespräsident Horst Köhler hat die Einzigartigkeit des verstorbenen Lyrikers Peter Rühmkorf herausgestellt. Köhler erklärte in einem am Montag in Berlin veröffentlichten Kondolenzschreiben an die Witwe des Schriftstellers: "Mit Peter Rühmkorf verliert die deutsche Literatur der Gegenwart einen ganz Großen. Seine Lyrik ist unverwechselbar."
Rühmkorfs einzigartige Verbindung von Intelligenz und Humor, von Melancholie und Spielfreude, von privatesten Empfindungen und öffentlichen Anliegen habe die Leser immer wieder erstaunt und begeistert. "Seine hohe Kunst, sich buchstäblich auf alles einen Reim zu machen, bringt auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Widersprüche des Lebens vielleicht doch versöhnbar sind", schrieb Köhler.
Die Leser und Freunde großer Dichtkunst hätten Rühmkorf nicht nur verehrt, sondern geliebt. "Sie werden ihn nicht vergessen", versicherte der Bundespräsident.
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