Deutscher Künstler: Polkes Kirchenfenster in Zürich
VON PHILIPP MEIER - zuletzt aktualisiert: 05.01.2010 - 07:42(RP). Vor drei Jahren erhielt der deutsche Künstler Sigmar Polke einen Auftrag zur Neugestaltung von Kirchenfenstern im Züricher Großmünster. Inzwischen ist sein Werk vollendet. Und man sieht: Polke hat einiges gewagt.
Tatsächlich war er der einzige der Teilnehmer an dem 2005 ausgeschriebenen Wettbewerb zur Neugestaltung von zwölf Fenstern im Großmünster, der mit figurativen Vorschlägen aufwartete.
Der berühmte Gegenwartskünstler, der für seine deutsche Spielart der Pop-Art bekannt ist, hat mit seinen zwölf Kirchenfenstern gleichsam eine Zeitachse in den sakralen Raum des Gotteshauses gelegt. Sie führt vom Westen zum Osten hin, wo sich die Chorfenster Augusto Giacomettis mit Darstellungen zur Geburt des Christuskindes befinden.
Die sieben neuen Polke-Fenster im Westflügel sind einem Mosaik gleich aus Achatschnitten gefertigt, die mit Bleiruten verbunden sind. Da die Halbedelsteine in einem erdgeschichtlichen Zeitalter entstanden sind, stehen sie in biblischer Lesart für die ersten Tage der Schöpfung.
Die fünf figurativen Bilder weiter im Osten des Kirchenschiffs – "Der Sündenbock", "Isaaks Opferung", "Der Menschensohn", "Elijas Himmelfahrt", "König David" – greifen alttestamentliche Themen auf und können als Präfigurationen Christi gelesen werden. Während die Achatfenster sich an mittelalterliche Beispiele anlehnen, dienten für die figürlichen Bilder Buchmalereien aus dem Mittelalter als Vorbilder.
So poppig bunt, wie die Achatfenster wirken, so zeitgemäß kommen auch die biblischen Themen daher. Polke hat die Vorlagen am Computer bearbeitet und teilweise verfremdet – und so in die Gegenwart transferiert.
Kein Aufwand wurde in den drei Jahren der Projektrealisierung gescheut, was die Herstellung der kostbaren Fenster angeht. Was auf den Grundlagen der Entwürfe Polkes und in engster Zusammenarbeit mit dem Künstler bei der Glasfirma Mäder & Co. in Zürich entstanden ist, erstaunt und begeistert in vielerlei Hinsicht. Eine opulente Vielfalt von abstrakten und figurativen Bildern, in buntem Glas und Edelstein gefertigt, taucht nun den Innenraum des Großmünsters in neues Licht.
Der Bilderkosmos überrascht in seiner Stilvielfalt und verrät den bescheiden zurückstehenden Autor nur teilweise. Und nicht zuletzt steckt hinter diesem ikonografischen Universum farbig schillernder und geheimnisvoll glimmender Transparenz ein beeindruckendes technisches Können.
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