Ausstellung zeigt Werke von Mel Ramos: Pop-Art-Ikone liebt Frauen als Motiv
zuletzt aktualisiert: 25.02.2011 - 18:40Düsseldorf/Wien (RPO). Mel Ramos stand immer ein wenig im Schatten von Andy Warhol und Roy Liechtenstein. Dabei gehört der Kalifornier zu den bedeutendsten Pop-Art-Künstlern überhaupt. Im Gegensatz zu seinen Kollegen von der US-amerikanischen Ostküste konzentrierte sich Ramos auf ein Motiv: Frauen. Eine Auswahl seiner Werke ist nun in Wien zu sehen.
"Mein gesamtes Werk ist Ausdruck der Tatsache, dass ich Frauen wirklich liebe", sagte Ramos einmal in einem Interview. Wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein übernimmt er Motive aus den Massenmedien Comic und Werbung für seine Werke. Er bringt die unterschiedlichsten Konsumgüter zusammen mit makellosen, selbstbewussten nackten Frauen auf die Leinwand.
Diese weiblichen Akte, deren Vorbilder er den Pin-up-Magazinen der 1950er und 1960er Jahre entnimmt, sind in ironisch lasziver Haltung eng verschlungen mit den abgebildeten Produkten – lebensgroßen Cola- oder Ketchupflaschen, Suppendosen oder Käsewürfeln – dargestellt. In diesen Persiflagen verbindet der Künstler die Pin-up-Ästhetik des "Playboy" mit der damals noch sehr prüden Bildsprache der amerikanischen Werbung und zeigt so die verdeckte Sexualisierung von Warenwelt und Gesellschaft generell auf.
Noch heute sorgen diese Motive, die bereits in den 1960er Jahren zu Ramos unverkennbarem Markenzeichen wurden, in der Öffentlichkeit für Irritation. Allerdings ist das Werk des 1935 in Sacramento, Kalifornien, geborenen Künstlers weit vielfältiger als diese sogenannten Commercial Pin-ups, durch die er sich einen Namen gemacht hat.
Künstlerisch vielfältig
Seine künstlerischen Interessen und Betätigungsfelder gelten beinahe der
gesamten Kunstgeschichte. Erste Bilder entstehen in den 1950er Jahren, als an den amerikanischen Kunsthochschulen Abstrakter Expressionismus unterrichtet wird. Mel Ramos versucht seinen eigenen kreativen Weg zu finden und malt nicht im abstrakten Stil wie viele seiner Zeitgenossen, sondern figurativ. Einsame, etwas unscharf angerissene Menschen stehen vor neutralem Hintergrund. Sein breiter Pinselstrich weist schon die Pastosität auf, die charakteristisch für die Malerei der Westküste in den 1960er Jahren wird.
Anschließend greift Ramos Comicmotive auf. Gemalte oder gezeichnete Comichelden wie Batman und Flash Gordon besiedeln in den nächsten Jahren seine Bilder. Von diesen Sujets aus ist es kein weiter Weg zu den Wonder Women, Comicheldinnen, die Vorgängerinnen seiner Pin-up-Girls werden sollen.
Später reflektiert er malerisch bedeutende Gemälde der Kunstgeschichte wie u. a. Goyas Maja Desnuda, Modiglianis Akte oder Mondrians Farbkompositionen in verschiedenen Serien: A Salute to Art History, Unfinished Paintings, Drawing Lessons oder The Artist’s Studio. Dem Zentralmotiv seiner Werke bleibt er treu: dem weiblichen Akt.
Lieblingsthema Frauen
Kein anderes Sujet könne ihn jemals so sehr faszinieren wie Frauen, betont Ramos wiederholt. Die Konzentration auf ein einziges Thema – das des weiblichen Aktes – unterscheidet Ramos deutlich von Warhol und Lichtenstein. Er zelebriert die Schönheit seiner Modelle und verzichtet auf dezidiert kritische Elemente, was Ramos schon früh den feministischen Vorwurf der Affirmation männlicher Phantasien und Projektionen einbrachte.
Tatsächlich legt er in seinen Werken lediglich das damals wie heute gültige Verkaufsgesetz "Sex sells" offen. Seine Kunst bewegt sich im Spannungsfeld zwischen kunsthistorischem Kanon, den er zitiert, Kanonverstoß und Re-Etablierung eines neuen Kanons.
Die Ausstellung "Mel Ramos. Girls, Candies & Comics" zeigt Arbeiten aus den
unterschiedlichen Schaffensphasen des Künstlers mit einem Schwerpunkt auf Zeichnungen der 50er und 60er Jahre. Zu sehen sind rund 100 Werke, von seinen ersten menschlichen Darstellungen über Comichelden und -heldinnen, seine prominenten Pin-up-Girls bis hin zu Bildern der kalifornischen Landschaft aus den 80er Jahren, die niemand Ramos zuordnen würde.
Albertina Wien: "Mel Ramos. Girls, Candies & Comics"; bis zum 29. Mai 2011
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