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Mönchengladbach: Sammler beschenkt Museum Abteiberg

VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 - 07:56

(RP). Unter dem Titel "Das Gespinst" hat der Aachener Kunstsammler Wilhelm Schürmann in Mönchengladbach zeitgenössische Schätze ausgebreitet. Und zugleich verkündet, dass er Museumsdirektorin Susanne Titz und das Hollein-Haus reich beschenken werde.

Info
Eröffnung im Abteibergmuseum, Mönchengladbach, Abteistraße, ist am Sonntag, 13. September, um 12 Uhr (bis 15. November)

Mönchengladbach. Wilhelm Schürmann ist als Sammler eine Ausnahmeerscheinung. Seit fast 30 Jahren zieht er mit seiner Frau Gaby übers internationale Kunstpflaster, ist in Galerien, auf Messen und in Ateliers unterwegs, um einzukaufen. Alle Werke hat das Paar gemeinsam erstanden. Schürmanns Lebenslauf ist so farbig wie die Bilder seiner Ausstellung. Er ist querdenkend, schräg, kritisch, polternd, theoretisch, aufmüpfig. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Gestern stellte der 63-Jährige im Abteibergmuseum seine Schau "Das Gespinst" vor, die er genial in den Bestand und in den lichten Bau von Hans Hollein komponiert hat.

Am Rande erzählt er fast beiläufig, dass er das von ihm hochgeschätzte "Antimuseum" reich beschenken werde. Er sprach von mehreren Werken, die aus seiner großen Sammlung nach Mönchengladbach gehen werden. Und zwar sofort. Wer die Güte seiner Sammlung kennt, weiß, dass mit wenigen Werken preislich gleich sehr viele Nullen verbunden sind. Das könnte schnell ein Millionengeschenk werden. Der kinderlose Schürmann versteht die Geste als eine Verbeugung vor der Direktorin und vor der Architektur. "Wenn jemand wie Susanne Titz Direktorin ist", sagte Schürmann, der lange mit Titz in Aachen zusammengearbeitet hat, "ist meine Kunst gut aufgehoben. Sie hat ihren Ort gefunden." Er denke nicht nur an Werke dieser Ausstellung, aus denen sich Titz einige auswählen dürfe. Seit der Eröffnung, so lobte Schürmann, habe er fast keine Ausstellung verpasst in Mönchengladbach, mit dem Architekten und mit der Direktorin befinde er sich in einem wohltuenden kunsthistorischen Konsens.

Mönchengladbach darf sich nicht nur über das Geschenk freuen, sondern auch über die vielen Komplimente für das architektonische Juwel unter den rheinischen Museen. In die offenen Räume, auf drei Ebenen, in das den Tag durchwandernde Licht hinein hat der Sammler die Kunst gesetzt – einen Parcours, der funkeln und schillern soll, auch Schmunzeln ist erlaubt.

Die Konfrontation der Sammlung Schürmann mit vorhandenen Werken ist erbaulich und beziehungsreich. Im Obergeschoss hängen beispielsweise acht graue Bilder von Gerhard Richter, die von Martin Kippenbergers Objekt "Modell Interconti" zitiert werden. Das Kuriose: Die Tischplatte des Kunstwerks ist ein graues Originalbild von Gerhard Richter, das 1987 nur ein paar tausend Mark kostete, damals von Martin Kippenberger erworben und in den Tisch hinein montiert wurde.

Mit 61 Puppen hat Zoe Leonhard aus den USA einen spektakulären Raum bespielt, sie hat die Figuren alle im Internet ersteigert, dann leicht verändert, auch beschädigt – vielleicht entstehen schlüpfrige Assoziationen beim gelupften Kleidchen oder auch sehnsüchtige bei den vielen großen Puppenaugen.

Eine "gespinstartige Inszenierung" quer durch alle Räume wollte Schürmann herstellen, das Wort gefällt ihm besser als Vernetzung. 80 Prozent der Werke stammen von Künstlerinnen, das sei ihm jetzt erst aufgefallen, und zwar positiv. Das wundervolle poetische Ölgemälde im Parterre ist von Margherita Manzelli, einer Performancekünstlerin, die nur wenig malt und um deren Bilder man betteln muss.

Die 82 Arbeiten lassen vielfältige Querverbindungen in der Aufstellung zu. Man muss sie im Raum aufsuchen und findet dann auch die "Leiter zum Paradies". Oder stößt an den gigantischen Ball aus Fallschirmseide von Meg Cranston, über dem hoch oben Sigmar-Polke-Figuren wie zu Gericht sitzen. Viereinhalb Meter Durchmesser misst der Ball, in dessen Bauch der Atem sein soll, den man für die Lektüre aller Werke von Jane Austen benötige.

Erzählerische Qualitäten haben alle Exponate, daher sollte man besser eine Führung buchen, um diese Sammlung würdigen zu können. Und ihr Profil zu erkennen: immer zu Überraschungen bereit, mit einem Blick zur Wirklichkeit, mit Kunst, die – nach dem Wunsch des Sammlers – nie aufgehen soll.

Quelle: RP

 
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