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Bekannt aus "Die Blechtrommel"
Schauspieler Heinz Bennent ist tot

Heinz Bennent - Gefeierter Film- und Theaterschauspieler
Heinz Bennent - Gefeierter Film- und Theaterschauspieler FOTO: dpa
Berlin (RPO). Er war ein überragender Schauspieler: Heinz Bennent ist am Mittwoch im Alter von 90 Jahren an seinem Wohnsitz Lausanne (Schweiz) gestorben. Er war nach Angaben des Berliner Renaissance-Theaters Witwer.

Lausanne war die Heimatstadt seiner Frau, der Tänzerin Paulette Renou (Künstlername: Diane Mansart), mit der er seit 1963 verheiratet war. Er hinterlässt seine Kinder, die Schauspieler Anne und David Bennent.

Im Kino machte sich Heinz Bennent zunächst mit zwei Filmen von Volker Schlöndorff einen Namen: "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Die Blechtrommel".

In der Günter-Grass-Verfilmung spielte Bennents zwölfjähriger Sohn David die Hauptrolle als Oskar Matzerath. Tochter Anne wirkte als Zehnjährige zusammen mit Vater und ihrem drei Jahre jüngeren Bruder in Hans W. Geißendörfers Film "Die Eltern" mit.

Heinz Bennents letzte Kinorolle war vor zehn Jahren in der Verfilmung des Ingrid-Noll-Krimis "Kalt ist der Abendhauch". "Film kann jeder", sagte er damals in einem Interview. Denn darin gehe es nicht um Spielen, "im Film muss man sein - man selbst sein."

Auf Kinoleinwand, Bildschirm und Bühne stach Bennent mit seinen ausdrucksstarken Augen und seiner tiefgründigen Präsenz heraus wie in Ingmar Bergmans Drama "Das Schlangenei" (1977) als diabolischer Doktor. Er wirkte auch in zahlreichen französischen Film- und Fernsehproduktionen mit und war mitunter in Frankreich populärer als in Deutschland. 1980 übernahm er neben Catherine Deneuve die Hauptrolle eines von Nazis verfolgten Theaterdirektors im François-Truffaut-Film "Le dernier métro (Die letzte Metro)".

Mehr als 150 Rollen

Mehr als 150 Rollen hat Bennent, der eigentlich Heinrich August heißt, gespielt. Er wurde am 18. Juli 1921 in Stolberg bei Aachen geboren. In dem kleinen katholischen Dorf, wie er es nannte, wuchs er als jüngstes von sechs Kindern eines Buchhalters auf. Er erzählte einmal, nach einer Schulaufführung habe er im Bett gelegen und gedacht "Ich bin ein Prinz! Das war ein Moment so reinen und grenzenlosen Glücks, wie ich ihn vielleicht nie mehr erlebt habe."

Aus der Hitler-Jugend wurde er wegen "mangelnden Gehorsams" ausgeschlossen. Er sei "äußerst allergisch gegen Autorität", erklärte er. Aus einer von den Eltern erzwungenen Schlosserlehre rettete er sich 1940 mit einem freiwilligen Einsatz beim Bodenpersonal der Luftwaffe. Dort spielte er in der Freizeit mit Kameraden Theater.

Nach dem Krieg nahm er Schauspielunterricht und begann seine Bühnenlaufbahn am Badischen Staatstheater in Karlsruhe. Hier debütierte er als Don Carlos. Es folgten mehr als 20 Bühnenstationen, darunter die großen Theater von Stuttgart, Berlin, Hamburg und München.

Er feierte Erfolge in Inszenierungen von Hans Lietzau, Ingmar Bergman, Klaus Michael Grüber und Dieter Dorn, spielte auch auf Bühnen in Frankreich und bei den Salzburger Festspielen. Besonders gefeiert wurde er in "Don Carlos", "Die Nacht des Leguan", "Hedda Gabler" und "Betrogen". Überschwänglich gelobt wurde er auch in "Besucher" und in "Lear".

Zusammen mit seinem Sohn ging er mit Becketts "Endspiel" auf Tournee. Am Renaissance-Theater Berlin traten sie in "Hyperion / Bildbeschreibung" zu sehen. Vater und Sohn brillierten auch als Vortragende. Heinz Bennent liest seinen Friedrich Hölderlin und David Bennent Heiner Müller.

Im "Spiegel"-Interview sagte er, er habe kein "Talent zur Selbstzufriedenheit": "Ich gehöre auch zu der Sorte von Schauspielern, denen es unbehaglich ist, sich selbst auf der Leinwand zuzuschauen. Ich finde mich nie gut."

(apd/afp/das)
 
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