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Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte: Schlager Reloaded

zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 15:59

Bonn (RPO). Florian Silbereisens Unterhose und eine weiße Heino-Büste sind nicht die einzigen Attraktionen der neuen Sonderausstellung "Melodien für Millionen - Das Jahrhundert des Schlagers" im Bonner Haus der Geschichte. Sie dokumentiert die Entwicklung des deutschen Schlagers - von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart. 

Aus der einen Ecke klingt Michael Holms Hit "Tränen lügen nicht" herüber, in der anderen läuft Marianne Rosenbergs "Er gehört zu mir". Ein blaues Jackett des Schmusesängers Roy Black ziert eine Vitrine, der goldene Pailletten-Anzug des Retro-Stars Dieter Thomas Kuhn eine andere. Dazwischen glänzt in einer nachgebauten Zuschauertribüne Udo Jürgens gläserner Flügel.

Mit vielen seltenen Stücken dokumentiert die Ausstellung "Melodien für Millionen. Das Jahrhundert des Schlagers" seit Freitag in Bonn die Geschichte des Schlagers. Erfolgreiche Schlager hätten stets den Wandel der Gesellschaft und den Zeitgeist widergespiegelt, erklärten die Organisatoren am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellung im Haus der Geschichte. "Der Schlager hat für Millionen Menschen Bedeutung", sagte Projektleiter Hanno Sowade. "Jede Generation hat damit ihre eigenen Erfahrungen gemacht." Viele Menschen hätten den Schlager geliebt, stets sei er mit großen Emotionen verbunden gewesen.

Zu sehen sind insgesamt rund 1.500 Exponate - darunter die Bühnenkleidung von Stars wie Zarah Leander oder Manuela, der Motorroller der Sängerin Conny Froboess und Nicoles Gitarre vom Sieg beim Grand Prix d'Eurovision im Jahr 1982. Auch viele Trophäen und Auszeichnungen sind zu sehen: Goldene Schallplatten, die Goldene Stimmgabel, der bis 1995 von Radio Luxemburg verliehene Goldene Löwe und der von den Lesern der Jugendzeitschrift "Bravo" vergebene Otto.

Klarer Mittelpunkt der Ausstellung ist aber die Musik: Insgesamt erklingen rund 1.000 verschiedene deutsche Lieder. Die meisten von ihnen können die Besucher an speziellen Terminals mit einer Berührung der virtuellen Cover auf dem Bildschirms aufrufen. Gleichzeitig bestimmen sie so eine interne Hitparade: "Jeder angespielte Titel wird gezählt und ausgewertet", sagt Projektmitarbeiter Ingo Grabowsky. Am Ausgang werden auf Bildschirmen die aktuellen Ausstellungs-Charts angezeigt.

Die Musik-Terminals sind jeweils im Zentrum der sieben Bühnen aufgestellt, die für verschiedene Zeitabschnitte stehen und vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart führen. Dabei zeigt jeweils der innere Bühnenraum die musikalische und emotionale Seite des Schlagers und seine Themen wie Liebe, Heimat, Frieden, aber auch Sozialkritik. An den Außenseiten seien politische und gesellschaftliche Aspekte zu sehen, ebenso die technische Entwicklung von der Schallplatte bis zum digitalen Datenträger.

Eine Bühne behandelt die Weimarer Republik: Schallplatte und Radio trugen damals zur Verbreitung des Schlagers bei, Stars wie Lilian Harvey wurden populär. Zu sehen ist in Bonn aber auch die Bedeutung des Schlagers während der NS-Zeit: Die Nationalsozialisten hätten versucht, eigene Konzeptionen durchzusetzen, erklärten die Ausstellungsmacher. Für die Propaganda sei der Schlager systemverherrlichend eingesetzt worden. Eine weitere Bühne befasst sich mit dem Schlager in der DDR, wo das SED-Regime den Einfluss der westlichen Musik habe zurückdrängen wollen.

Zuschauertribüne der ZDF-Hitparade nachgebaut

Auf fünf weiteren Bühnen ist die Geschichte des Schlagers vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart zu sehen - die Blütezeit des Schlagers in den 70er Jahren ebenso wie die Phase der Blödelsongs und der Neuen Deutschen Welle im folgenden Jahrzehnt. Auch Revival-Stars wie Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn werden in Bonn gewürdigt.

Ein Highlight ist ein kleines Kino, in dem Ausschnitte aus Musikfilmen wie "Die Drei von der Tankstelle" und "Liebe, Tanz und tausend Schlager" über eine Leinwand flimmern. Hinter einem Produzentenbüro gelangen Besucher zu einer nachgebauten Zuschauertribüne der "ZDF-Hitparade". Der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, Hans Walter Hütter, betonte die Bedeutung der von Dieter Thomas Heck moderierten Show. Man habe sie stets vor dem Disco- oder Kneipenbesuch angesehen: "Das gehörte zum Programm."

An einer Wand dokumentieren die Charts der vergangenen Jahrzehnte die Zunahme englischer Songs in den Hitparaden, die allmählich den deutschen Schlager verdrängten. So schlich sich 1956 nur Bill Haleys "Rock Around The Clock" als einziger fremdsprachiger Titel hinter Freddys "Heimweh" in die Jahres-Rangliste. Dagegen war 1989 erstmals kein deutschsprachiger Song mehr in den Top 20 des Jahres. Immerhin: 2007 dominierte mit "Ein Stern, der deinen Namen trägt" von Nik P. wieder ein Schlager die deutschen Charts.

Die Ausstellung ist vom 9. Mai bis zum 5. Oktober zu sehen; Dienstag bis Sonntag 09.00 bis 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: ap

 
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