Verleihung des Ludwig-Börne-Preises: Schmidt lobt Schwarzer
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 05.05.2008Frankfurt/Main (RP). Das ist die kleine Geschichte von dem Herrn Schmidt, der Frau Schwarzer gestern mit dem Börne-Preis ehrte und ihr das Loblied dazu sang. Es ist auch die kleine Geschichte von der Frau Schwarzer, die von dem Herrn Schmidt manch Unkorrektes um die Ohren bekam und diese Worte sowohl einfühlsam als auch herausfordernd nannte.
Und schließlich ist es die Geschichte der Paulskirche zu Frankfurt, die schon viel erlebt hatte, eine solche Feierstunde aber wohl noch nicht; oder sagen wir es mal so: Zumindest Ort und Ehrung waren gleichermaßen denkwürdig.
Das immer leicht Staatstragende, das dem 20 000 Euro wertvollen Börne-Preis wie eine Schleppe anhängt, hatte sich praktisch schon mit der Wahl von Harald Schmidt zum Preisrichter entschieden. Wer immer sich bei der Börne-Stiftung für den Late-Night-Talker stark gemacht hatte, er muss eine deutliche Neigung zum Unkonventionellen hegen.
Und so kam es dann auch: Harald Schmidt benannte die zwei kulturellen Großereignisse im Mai des Jahres 2008 („Schwarzer bekommt den Börne-Preis, und ich darf in der Paulskirche reden“), klärte erst über Börne auf („War das nicht der Herr, der Joschka Fischer in Turnschuhen vereidigte?“) und dann über die feministische Preisträgerin Alice Schwarzer: Die sei wie eine Startrampe zum großen Flug für die gerechte Welt, auch wenn man nicht immer wisse, wo genau die Landung stattfinde, und sich nachher ein paar Kacheln lösten.
Einig waren sich Herr Schmidt (50) und die Frau Schwarzer (65) dann in der Bewertung der neuen Girlie-Bewegung, also jener Frauen, die Mitte 30 sind, sich noch immer Mädels nennen und die eine – glimpflich formuliert – natürliche Körperlichkeit pflegen. Tja, das mag der Herr Schmidt nicht, zumal die „deutsche Frau einmal so sauber war, dass man von ihr essen konnte“.
Elegante „Alpha-Mädchen“
Frau Schwarzer sagt das natürlich komplett anders. Elegante Worte wie „Wellness-Feminismus“ und „Alpha-Mädchen“ kommen ihr über die Lippen. Und an die „lieben späten Mädchen“ gewandt, erklärt sie ihre eigene Position: Sie vertrete niemanden, auch nicht die Frauenbewegung, und erst recht sei sie keine „Feministin vom Dienst“. „Ich bin nur mir selbst verpflichtet“, sagt sie in die Paulskirche hinein, die daraufhin so still wird, als werde dort gerade ein Bekenntnis abgegeben. Ihre Welt sei nie die persönliche Angelegenheit, sagt sie, aber die Welt und die Rechte der Frauen seien ihr zur persönlichen Angelegenheit geworden.
Zum Schluss also wurde es fast wieder ein bisschen Paulskirche – vielleicht bis auf die Proteste eines Prostituierten-Vereins gegen die neue Preisträgerin draußen auf dem sonnigen Vorplatz.
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