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Der große Heinz Erhardt: Sein Sohn erinnert sich

VON GABY HERZOG - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009 - 15:29

Hamburg (RP). Wie lebte der große Humorist Heinz Erhardt? Sein Sohn, der Hamburger Regisseur Gero Erhardt (65), erinnert sich an den Vater als einen ernsthaften und nachdenklichen Menschen. "Seine Späße flogen ihm nicht einfach so zu. Sie waren immer das Produkt harter, intellektueller Arbeit", sagt er. "Heute gibt es viele Comedians, die einfach nur überdrehte Figuren sind, die über sich selbst am lautesten lachen. So etwas hätte meinem Vater nicht gefallen. Sein Humor war eher schmallippig."

Heinz Erhardts Komik prägte die Adenauerzeit. Foto: AP ARCHIV, AP

Das rote Backsteinhaus im Fasanenhain 9 im Hamburger Vorort Wellingsbüttel, in dem die Familie Erhardt mit vier Kindern und der Großmutter wohnte, war klein. Um seine Ruhe zu haben, schloss sich Vater Heinz regelmäßig mit Block und Stift in der Toilette ein. Das fand Ehefrau Gilda, von ihm liebevoll Zippchen genannt, auf Dauer gar nicht gut. Nach langen Diskussionen wurde im Garten ein Wohnwagen aufgestellt.

Wenn er einige kreative Stunden später aus dem Caravan kletterte, testete Erhardt seine neuen Gedichte, indem er sie der Familie vortrug. "Wenn wir es nicht komisch fanden, dann hat er das Blatt sofort enttäuscht weggeworfen. Aber wenn wir gelacht haben, dann war er den ganzen Tag bestens gelaunt", erinnert sich der Sohn.

So kreativ versponnen Erhardts Witze waren, so streng waren auch die Alltags-Regeln im Hause Erhardt: Pünktlich um 12 Uhr stand das Mittagessen auf dem Tisch. Der Vater saß vor Kopf, die Kinder mit frisch geschrubbten Fingern und in gerader Haltung drum herum. Kreativem Chaos konnte Erhardt nichts Positives abgewinnen. "Er war in vielen Dingen so gar kein typischer Künstler. Er war eher ein Spießbürger. Auch wenn seine Späße bewusst unpolitisch waren, war er aus tiefster Überzeugung CDU-Wähler."

Erhardts Leidenschaft waren Musik und Fußball. Er arbeitete im Musikalienhandel seines Großvaters, den er einmal übernehmen sollte. Aber dort klimperte er lieber auf dem Klavier herum, als es zu verkaufen und schrieb nebenbei Unterhaltungsprogramme, mit denen er auf bunten Abenden und Vereinsfesten tingelte. "In Wirklichkeit ist es völlig wurst, ob man mit Käse handelt oder mit Musik: Immer kauft man billig ein, um teurer zu verkaufen", schrieb er in sein Tagebuch.

"Unser Vater war ein Familientier", sagt Gero. "Wir haben ihm Geborgenheit und Sicherheit gegeben. Eigentlich war er ein scheuer Mensch. Auf der Bühne ist er sein Lampenfieber nie losgeworden. Wenn er ins Rampenlicht musste, trank er sich mit einem doppelten Dodo, einem Doornkaat, Mut an." Und dann hieß es: Zähne hoch und Kopf zusammen beißen.

Mehr zu lachen gibt es in unserem Quiz, wir wünschen viel Vergnügen!

Quelle: RP

 
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