Für "National Geographic": Steffi Grafs Debüt als Fotografin
VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 19.12.2009 - 10:26Hamburg (RP). Mit einer Bilderstrecke in der aktuellen Ausgabe des "National Geographic" gibt die Tennislegende, Werbe-Ikone und Geschäftsfrau Steffi Graf ihr Debüt als Fotografin – und erfüllt sich damit einen lang gehegten Traum.
Welche Aufnahme von Steffi Graf aus den vergangenen Jahren man auch ansieht: Die ehemalige Tennis-Queen wirkt entspannt, glücklich, rundum zufrieden. Ob sie für Familienfotos mit ihren Kindern Jaden Gil (acht) und Jaz Elle (sechs) um die Wette strahlt, mit Ehemann Andre Agassi auf Wohltätigkeitsgalas Geld für ihre Stiftung "Children for Tomorrow" sammelt oder als Geschäftsfrau neue Filialen ihrer Fitness-Studio-Kette "Mrs. Sporty" eröffnet: Das Leben ohne Tennis hätte nicht besser für sie sein können.
Ein Wunsch der siebenfachen Wimbledon-Siegerin blieb aber auch nach dem Rückzug aus dem Profisport unerfüllt: die Welt in Bildern festzuhalten. "Ich bin kein Mensch der Worte", sagt die 40-Jährige. Wäre sie nicht so erfolgreich im Tennis gewesen, hätte es sie gereizt, die Welt mit der Kamera zu erfahren, zu beobachten statt zu reden. Ihren Wunsch, als Fotografin zu arbeiten, am liebsten für ein so renommiertes Magazin wie "National Geographic", erfüllt sie sich nun mit einer Bilderstrecke in der aktuellen Ausgabe des Blatts.
Mit der Reportage "Die Kinder von Asmara" zeigt sie das Elend im Armenviertel der Hauptstadt Eritreas: In dem ostafrikanischen Land, geschunden von militärischen Konflikten, geplagt von Hunger und Armut, engagiert sich Steffi Graf bereits seit drei Jahren. Mit Spendengeldern baut sie dort Kindergärten, in denen therapeutisch geschulte Erzieherinnen traumatisierte Kinder betreuen.
"In einem Stadtteil von Asmara stehen 6000 Kindern nur 200 Kindergartenplätze zur Verfügung", berichtet sie. "Einerseits sieht man, wie die Menschen dort in für uns unvorstellbaren Lebensbedingungen immer noch ein Lächeln im Gesicht tragen, andererseits war ich persönlich darüber bestürzt, wie sehr vor allem die Kinder leiden."
Diese Eindrücke spiegeln sich auch in der Fotoauswahl wieder, die Steffi Graf für das Magazin getroffen hat. So zeigt sie eine Prostituierte, deren drei Kinder von der Oma aufgezogen werden. Ihre Hütte ist 1,5 mal vier Meter groß. Ein Brotbrei am Tag ist ihre einzige Mahlzeit. Graf zeigt eine Familie, deren Vater gerade auf Fronturlaub ist oder die Arbeiten beim Bau des Kindergartens ihrer Stiftung. Oft habe sie Scheu gehabt, mit der Kamera nah ran zu gehen, heißt es in der Reportage. "Ich kenne das von mir", sagt sie, "ich mag das auch nicht."
"Nie zuvor habe ich erlebt, dass jemand so schnell Fortschritte macht", sagt National-Geographic-Fotograf Ludwig, der Steffi Graf in das professionelle Foto-Handwerk einführte und nach Eritrea begleitete. Die Fotos, die sie ihm bei einem ersten Treffen in Las Vegas gezeigt hatte, habe er nur "mittelmäßig" gefunden. Rasch aber habe sie Fortschritte gemacht. Sie sei neugierig, uneitel, arbeite mit vollem Körpereinsatz. "Vor allem kann sie sich voll konzentrieren".
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