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Mönchengladbacher Künstler will Tod inszenieren: Sterbekunst - durchgeknallt?

VON BERTRAM MÜLLER UND LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008 - 20:17

Düsseldorf/Köln (RP). Die Absicht des Mönchengladbacher Künstlers Gregor Schneider, in einem Museum einen sterbenden Menschen zu zeigen, trifft weithin auf Ablehnung oder zumindest auf erhebliche Vorbehalte, selbst in Kreisen, die sich sonst für die Freiheit der Kunst einsetzen.

Kasper König, Direktor des Museums Ludwig in Köln, schätzt Schneider als sehr guten Künstler, glaubt allerdings, dass ihm die Einfädelung der Sterbe-Aktion „ein bisschen aus dem Ruder gelaufen” sei. Schneiders Schritt, in der Öffentlichkeit das Krefelder Museum Haus Lange als Ort des Geschehens zu benennen, ohne den Chef dieses Hauses gefragt zu haben, empfindet König als „entweder durchtrieben naiv oder durchgeknallt”. König fügte im Gespräch mit unserer Zeitung hinzu, dass ihm Schneiders Verhalten im gegenwärtigen Fall als „etwas vordergründig” erscheine: „So etwas hat er eigentlich gar nicht nötig.”

Auf die Frage, ob König sich vorstellen könne, die Sterbe-Aktion in seinem Museum zu veranstalten, sagte er, da wären erst einmal grundsätzliche Überlegungen anzustellen. Schließlich sei die Würde des Menschen dem Grundgesetz zufolge unantastbar. „Ich würde aber nicht sagen, so etwas ist undenkbar.”

Rigoros dagegen wirkt die Haltung von Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zu Schneiders Plan. Das sei „ein singulärer Fall”, ein „Spiel mit der Empörung und ein Spiel mit der Menschenwürde”.

So wenig wie Schneider den Chef der Krefelder Kunstmuseen, Martin Hentschel, vorab konsultiert hat, so unverbindlich war offenbar auch sein Kontakt zur Düsseldorfer Pathologin Roswitha Franziska Vandieken. In einem Interview hatte Schneider erklärt, sie werde ihm bei der Suche nach einer freiwilligen Person für seine Sterbe-Aktion behilflich sein. Dem WDR sagte die Pathologin jetzt, sie habe mit Schneider wohl „über die diskussionswürdige Idee philosophiert”, ihm aber keine Mitwirkung angeboten.

In einem Interview mit der „Welt” hat sich Schneider inzwischen näher darüber geäußert, was seine Aktion eigentlich bezweckt. „Die Realität des Sterbens in deutschen Kliniken, Intensivstationen und Operationssälen”, so erklärte er, „ist grausam, das ist der Skandal. Der Leichnam wird von Bestattungsunternehmen übernommen. Der Tod und der Weg dahin ist heute Leiden. Leider. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, wie ich sie plane, kann uns den Schrecken vor dem Tod nehmen.” Und er fügte hinzu: „Ideal erscheint mir ein Raum aus dem Museum Haus Lange in Krefeld, den ich nachgebaut habe.”

Auf die Frage, was dabei die Aufgabe des Künstlers sei, antwortete Gregor Schneider: „Ein Künstler kann etwas zu diesem Thema beitragen, indem er humane Orte für den Tod baut, wo Menschen in Würde sterben können. Der Raum schafft die Würde und den Schutz.”

Der Tod und die Kunst ­das bezeichnet kein neues Paar, das erst im Werk von Gregor Schneider zueinanderfand. Allerdings wurde früher nicht das Sterben als Kunst begriffen, sondern die Kunst des Sterbens betrachtet: Die „ars moriendi war dem spätmittelalterlichen Menschen ein zentraler Bestandteil des Lebens und eng verknüpft mit der „ars vivendi”, der Kunst des Lebens.

Diese beiden Künste galt es zu lernen und einzuüben, und hilfreich war dabei die Kunst: In keiner anderen Epoche wurde so intensiv, einfallsreich und vielfältig mit dem Motiv des Todes umgegangen wie im Mittelalter.

Die Kultur des Sterbens war aber keine Kultur des Schreckens, sondern der fest verankerte Teil der religiösen Weltanschauung. Der Tod war Lebensrealität und die Kunst ihr Vermittler. Und letztlich ­ auch dies war eine wesentliche Botschaft­ ist der Tod auch gerecht, trifft er doch alle Menschen ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung.

Darum hat in den mittelalterlichen Totentänzen jeder seinen Auftritt, ob Bettler oder Fürst, ob Bauer, Kaiser oder selbst der Papst. „Ich lade zum Tanz die Bösen, die Frommen, und sie müssen alle, alle kommen”, heißt es in den makabren Versen. Vor allem die gemalten Totentänze zeigen auf sehr kunstvolle Weise, dass das Leben auch ein Sterbeweg ist.

Quelle: RP

 
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