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Anonymer Künstler gegen die Stadtreinigung
Die wohl lustigste Graffiti-Geschichte des Jahres

Foto-Story: Der wohl lustigste Graffiti-Widerstand des Jahres
Foto-Story: Der wohl lustigste Graffiti-Widerstand des Jahres FOTO: Mobstr
Düsseldorf. Mehr als ein ganzes Jahr lang duellierten sich zeitversetzt ein anonymer Graffiti-Sprayer namens Mobstr und die Reinigungskräfte von Tower Hamlets, einem Bezirk in London. Das Ergebnis dokumentiert der Sprayer auf einer Website. Es zeigt, wie viel Witz in anarchischem Ungehorsam stecken kann. Von Philipp Stempel

Die Auseinandersetzung spielte sich über ein Medium ab: Die Wand eines Stromhäuschens am Straßenrand. Dem Graffiti-Sprayer war es ins Auge gesprungen. "Jahrelang bin ich auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeigefahren. Dabei bemerkte ich, dass Graffiti auf der roten Fläche mit Rot überstrichen wurden, Graffiti außerhalb dieser Fläche aber mit einem Hochdruckreiniger."

Für Mobstr glich das einer Herausforderung, einer Provokation. Er selbst nennt es ein Experiment, dessen Ausgang er nicht vorherzusagen wusste. Und tatsächlich entwickelte die Geschichte eine ungeahnte Eigendynamik.

"Red" gehört zu rot

Würde sich das Muster der Reinigung verlässlich wiederholen? Würden die Reinigungskräfte überhaupt auf eine an sie gerichtete Botschaft reagieren?

Mobstr begann nachts und im Kleinen. Er pinselte den Schriftzug RED auf die rote Fläche. Auf deutsch ROT. Und wartet ab, was passieren würde. Wenig später war der Schriftzug verschwunden. Stattdessen war die Wand wieder rot überpinselt. Rot statt ROT, wenn man so will.

Es wird zunehmend absurd

Das wiederholte sich. Mehrfach. Und trieb weitere Blüten. Mal versteckte er das "RED" im wiederum spielerischen Begriff "KindRED Spirits", zu deutsch so viel wie "Seelenverwandte". Mal pinselte er es mit einem Fragezeichen auf eine Fläche oberhalb der roten Wand. Diesmal rückte die Stadt mit dem Hochdruckreiniger an.

Die Sache nahm zunehmend absurde Züge an. Etwa als Mobstr oberhalb der roten Fläche "Hochdruckreinigung" auf die Wand pinselte, darunter die Aufforderung "Rot anmalen". Als tags darauf nur der untere Schriftzug auf der roten Fläche verschwunden war, hakte der Künstler mit diabolischer Beharrlichkeit nach: Mit einem Pfeil auf die obere Schrift fragte er auf der roten Fläche "Und was ist damit?"

Dann wurde es der Stadt offensichtlich zu bunt. Sie machte kurzen Prozess und tünchte die gesamte Fläche komplett rot. Was Mobstr nicht davon abhielt, das letzte Wort zu behalten. Die Highlights zeigt der Graffiti-Anarchist auf seiner Website.

Mit den Bildern lässt sich die Geschichte am besten erzählen. Schauen Sie selbst!

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