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Spätrömischer Kaiser
Trierer Ausstellung zeigt Konstantin-Kunst

Konstantin in Trier - Monumentale Kunst
Konstantin in Trier - Monumentale Kunst FOTO: ddp
Trier (RPO). Wer sich für die monumentale Kunst des Römischen Reiches interessiert, muss jetzt nach Trier. In der ehemaligen residenzstadt zeigt das Rheinische Landesmuseum in der bislang größten Ausstellung über den spätrömischen Kaiser Konstantin der Große (um 275-337) zahlreiche interessante Exponate.

Vom Fingerring bis zum tonnenschweren Sarkophag reicht die Bandbreite der Werke in der ab Samstag und noch bis zum 4. November dauernden Schau. 1.413 historische Objekte, darunter 685 Leihgaben aus 160 Museen in 19 Ländern. Ein Großteil der Exponate ist erstmals in Deutschland zu sehen. Ausstellungsorte sind das Rheinische Landesmuseum, das Stadtmuseum Simeonstift und das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum.

Ein kolossales Abbild des Kaisers im Rheinischen Landesmuseum vermittelt eindrucksvoll die "Größe" Konstantins. Eine Architektursimulation zeigt - perspektivisch verkürzt - die zwölf Meter hohe Konstantin-Monumentalstatue, die der Kaiser nach dem Sieg über seinen Gegner Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke - das war anno 312 - anfertigen ließ.

Drei Meter hoher Marmorkopf

Die noch erhaltenen Originalfragmente - der Kopf, eine Hand und ein Fuß - befinden sich in den Kapitolinischen Museen in Rom. Als weltweit einmalige Kopie ist in dem im Landesmuseum präsentierten Teil der Ausstellung der drei Meter hohe Marmorkopf der Statue zu sehen. Thema der Schau im Landesmuseum: "Konstantin als Herrscher des römischen Imperiums".

Konstantin residierte von 306 bis 316 in Trier. Römische Baumonumente in der Stadt wie die Konstantin-Basilika und die Porta Nigra sowie umfangreiche archäologische Funde, die im Rheinischen Landesmuseum gezeigt werden, haben Trier als "Rom des Nordens" bekannt gemacht. Römische Mosaike, Grabreliefs und Götterbilder aus Grabungsfunden rund um die Moselstadt gehören ebenso zu den Ausstellungsstücken wie frühkaiserzeitliche Buntgläser, Terrakotten und Kleinbronzen.

Glastechnik und Sarkopharge

Als Zeugnisse spätrömischer Glastechnik werden etwa Kugelschalen mit geschliffenen Ornamenten oder figürlichen Motiven gezeigt. Dem spätantiken Trier als Bischofssitz entstammen feine Elfenbeinarbeiten, reliefverzierte Sarkophage und frühchristliche Inschriften. Erstmals öffentlich gezeigt wird eine ein Meter hohe Silberkanne mit christlichen Apostelfiguren, die bei Ausgrabungen vor 15 Jahren in Trier gefunden wurde.

Im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum geht es um "Der Kaiser und die Christen". Nach den als "Toleranzedikt von Mailand" in die Geschichte eingegangenen Vereinbarungen zur freien Religionsausübung zwischen Konstantin und seinem Mitregenten im Osten, Licinius, im Jahr 313 konnte sich das Christentum im gesamten römischen Reich etablieren.

Der Kaiser, der als Gründer des Trierer Doms gilt, veranlasste den Bau vieler Kirchen, so der antiken Petersbasilika in Rom, der Grabeskirche in Jerusalem und der Geburtskirche in Bethlehem. Das Museum präsentiert die wichtigsten Kirchenbauten konstantinischer Zeit in maßstabgetreuen Modellen und Visualisierungen.

Christliche Glaubensinhalte

Die aus 50.000 Buntputzteilen in jahrzehntelanger Arbeit zusammengesetzten so genannten konstantinischen Deckenmalereien aus einem spätantiken Wohnhaus, dessen Überreste inmitten des Trierer Doms ausgegraben wurden, stellen in ihren mit einem Nimbus versehenen Frauenbildnissen eine Kaiserin dar, vermutlich Konstantins Frau Fausta.

Die Akzeptanz christlicher Glaubensinhalte in der Bevölkerung wird an den im Dommuseum gezeigten Gebrauchsgegenständen wie Bronzeringen und Amuletten mit christlichen Darstellungen und Symbolen deutlich. Von einer christlichen Begräbniskultur zeugen figürliche Sarkophage aus Trier, Rom und Arles.

"Tradition und Mythos"

Im Stadtmuseum Simeonstift geht es unter dem Titel "Tradition und Mythos" um die Wirkungsgeschichte Konstantins in Mittelalter und Neuzeit. Ikonen, Miniaturen und Reliquiare belegen die Verehrung Konstantins als Heiliger der Ostkirche. Ein Elfenbeinrelief aus Walldürn und ein geschliffener Onyx aus Belgrad bilden den Kaiser als siegreichen Feldherrn ab.

Aus Paris kommt ein vier Meter hoher und fünf Meter breiter Teppich aus dem 17. Jahrhundert, der die Hochzeit Konstantins mit Fausta im Jahr 307 in Trier zeigt. Großformatige Gemälde und Handschriften erzählen von den Legenden, die das Bild von Konstantin als Herrscher und Heiliger prägten.

(afp)
 
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