Rekordsumme: Umstrittenes Kirchner-Bild in New York versteigert
zuletzt aktualisiert: 09.11.2006 - 13:00New York (RPO). Die "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner ist ein umkämpftes Gemälde. Das zeigte eine Versteigerung in New York, bei der das Werk mehr als 38 Millionen Dollar (knapp 30 Millionen Euro) erzielte. Bei der Christie's-Auktion kamen Werke für fast eine halbe Milliarde Dollar unter den Hammer - eine Rekordsumme für eine Einzelauktion.
Auktionsleiter Christopher Burge sagte, so etwas habe er in seinen 36 Berufsjahren noch nicht erlebt: "Das war die außergewöhnlichste Versteigerung, an der ich je beteiligt war." Neben dem Kirchner-Bild wurden am Mittwoch auch Gemälde von Gustav Klimt, Egon Schiele und Paul Gauguin versteigert.
Die "Berliner Straßenszene", 1913 entstanden, war im Juni an eine Erbin der früheren jüdischen Besitzer zurückgegeben worden. Die Restitution war umstritten, weil nach Ansicht von Experten unklar ist, ob das Bild zur Zeit des Nationalsozialismus tatsächlich zwangsverkauft worden war.
Das Kirchner-Gemälde hing seit 1980 im Berliner Brücke-Museum. Das Land Berlin hatte das Werk an die Erben des jüdischen Kunstsammlers Alfred Hess zurückgegeben; danach war es auf dem internationalen Kunstmarkt gelandet. In der deutschen Öffentlichkeit war der Rückgabebeschluss des scheidenden Berliner Kultursenators Thomas Flierl (Linkspartei.PDS) kritisiert worden.
Den Zuschlag für das 1914/1915 entstandene Schlüsselwerk des deutschen Expressionismus erhielt die Neue Galerie in New York, die etwa elf Millionen Euro mehr als den maximalen Schätzwert zahlte. Die auf deutsche und österreichische Kunst spezialisierte Galerie des Kostmetikerbens Ronald S. Lauder hatte Mitte Juni für 107 Millionen Euro die "Goldene Adele" des Jugendstil-Malers Gustav Klimt (1862-1918) erworben - bis dato das teuerste Gemälde der Welt.
Bei einem weiterem Klimt-Gemälde passte Lauder hingegen. "Porträt von Adele Bloch-Bauer II" (1912) wurde für etwa 69 Millionen Euro von einem anonymen Käufer erstanden. Das sei der dritthöchste Preis, der jemals für ein Gemälde bei einer Auktion erreicht wurde, teilte Christie's mit. Vier der versteigerten Klimt-Gemälde stammten laut Auktionshaus ebenfalls aus Restitutionen.
Teure Impressionisten
Insgesamt erzielte die Auktion impressionistischer Kunst eine Summe von fast 384 Millionen Euro. Paul Gauguins "L'homme á la hache" (1891) wurde mit rund 31,5 Millionen Euro zum teuersten Gemälde des Künstlers. Selbiges gilt für Egon Schieles "Einzelne Häuser" (1915), das für rund 24,5 Millionen Euro an einen anonymen Käufer ging.
Wenige Stunden vor der Versteigerung zog Christie's ein Gemälde von Pablo Picasso zurück. Das Auktionshaus erklärte dazu, es sei rechtlich dazu gezwungen gewesen, sei aber zuversichtlich, dass der Rechtsstreit "unbegründet" sei. Ein New Yorker Gericht hatte tags zuvor entschieden, dass das "Porträt von Angel Fernández de Soto" aus dem Jahr 1903 versteigert werden dürfe, obwohl der Potsdamer Historiker Julius Schoeps dagegen geklagt hatte.
Laut Schoeps wurden seine Vorfahren während der Nazi-Zeit gezwungen, das Bild weit unter Wert zu verkaufen. Schoeps gab an, dass einer seiner jüdischen Vorfahren, der Berliner Bankier Paul von Mendelssohn-Bartholdy, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1934 gezwungen wurde, das Bild zusammen mit anderen Werken zu verkaufen. Das Bild gehört jetzt der Andrew Lloyd Webber Art Foundation. Sie hatte es vor über einem Jahrzehnt gekauft.
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