Von "Twilight" bis "True Blood": "Urban-Fantasy": Vampire in der Großstadt
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 07:48Düsseldorf (RPO). Wenn Vampire zur Highschool in Amerikas Provinz gehen und Dämonenjäger in New Yorker Discos unterwegs sind, dann hat die Welt der Mythen die Gegenwart erobert. Zumindest in Literatur und Film. Urban-Fantasy heißt der Trend.
Die Liebesgeschichte zwischen Vampir Edward und dem Teenager Bella, basierend auf den Romanen von Stephenie Meyer, ist zurzeit das erfolgreichste Beispiel für Urban-Fantasy. Im Kinofilm „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ haben sich die Blutsauger im Amerika des 21. Jahrhunderts unentdeckt unter die Menschen gemischt.
Sie gehen in die Schule oder zur Arbeit, fahren Auto und tragen schicke Markenklamotten. Dieser Mix aus bekanntem Alltag und den Geschöpfen der Mythologie begeistert vor allem junge Leser und Kinobesucher.
Liebe, Leid und ein bisschen Ironie
Sie können mit den Geschichten aus der eigenen grauen Realität fliehen, finden aber genug Altbekanntes, um sich darin wiederzufinden. Und anders als im Teenagerleben lassen sich Probleme auf phantastisch magische und oft heldenhafte Art lösen.
Urban Internet
Mit dem Erfolg des Urban-Fantasy ist auch das Internet eng verknüpft. So hatte Cassandra Clare, ein Pseudonym, selbst als Fan von Fantasy zu schreiben begonnen und eine große Anhängerschar im Internet. Ihre Weiterführungen von Harry Potter (The Draco Trilog) und „Der Herr der Ringe“ (The Very Secret Diaries of Middle Earth ), Fan-Fiction genannt, wurden von der Presse viel beachtet und gelobt. Allerdings werden die Verfasser solcher Fan-Fiction immer wieder mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.
Ansonsten bietet Urban-Fantasy alles, was auch andere Trivial-Literatur so anziehend macht: Spannung, Liebesgeschichten, Sehnsucht, Abenteuer, Dramen. In der Regel ist das alles leicht verständlich aufbereitet, mitunter mit erfrischender Ironie gespickt.
In der klassischen Fantasy-Literatur wandeln Vampire hingegen oft im historischen Umfeld, Elfen sind in verzauberten Wäldern unterwegs, Hobbits leben im Auenland und Drachentöter zumindest in längst vergangenen Zeiten. „Herr der Ringe“-Autor J.R.R Tolkien hatte für seine Werke eine ganze Welt neu geschaffen.
Die Bestseller über Harry Potter mischen ein bisschen von der realen Welt in die Geschichten um den Zauberlehrling. Er reist von dem typisch englischen Kleinstadt-Haus seiner Verwandten zum Zauber-Internat Hogwarts. Die magische Welt ist nur eine Parallelwelt.
Dämonenjäger in New York
Auch wenn die Vampir-Romane der Twilight-Reihe momentan noch die Spitze bilden, wird die Basis der erfolgreichen Urban-Fantasy immer breiter. Cassandra Clare hat mit ihren "Chroniken der Unterwelt" vor allem Jugendliche als Zielgruppe.
Clares Bücher erzählen von jugendlichen Dämonenjägern, die in New York ihr geheimes Hauptquartier haben. Und im Kampf gegen das Böse kommen auch die klassischen Probleme Heranwachsender nicht zu kurz. Das war in den 90er-Jahren auch schon der Erfolgsgarant für die TV-Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“.
Eindeutig für Erwachsene ist „True Blood“. Die Serie nach den Romanen von Charlaine Harris läuft in den USA und in Deutschland auf dem kostenpflichtigen Sender „13th Street „. Vampire können dank der Erfindung von synthetischem Blut unter den Menschen leben, was aber nicht ohne Vorurteile und Zwischenfälle funktioniert. Weil sie Geschöpfe der Nacht sind, haben viele von ihnen Clubs und Bars eröffnet.
Mittendrin ist Sookie Stackhouse, eine amerikanische Kellnerin, hübsch, aber nicht sehr gebildet. Ihre besondere Gabe aber ist das Gedankenlesen. Ihr Freund ist der Vampir Bill, der als Detektiv arbeitet, ihr Chef, Kneipenwirt Sam, kann sich in einen Hund verwandeln. Und das alles in einer Kleinstadt in den Südstaaten – Nachbarschaftstratsch, Ehestreit und Geldsorgen inklusive.
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