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Ausstellung in Berlin: Warum die Mächtigen mit Kunst protzen

VON ANDREA RACHUY - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 - 21:09

Düsseldorf (RPO). Immer wieder lassen sich die Mächtigen der Republik zusammen mit Kunst ablichten. Wenn das Bild oder die Statue den einfachen Bürger ratlos zurücklässt - umso besser. Kunst soll auf diesem Weg zum Symbol der Macht werden. Jetzt widmet sich eine Ausstellung in Berlin dem Thema.

"Macht zeigen - Kunst als Herrschaftsstrategie" im Deutschen Historischen Museum in Berlin zeigt mit rund 400 Exponaten den Stellenwert von moderner Kunst in Politik und Finanzwelt.

Allen voran steht der „Kanzler der Künste“: Gerhard Schröder ließ sich besonders gerne mit Kunst und Künstlern sehen. So auch mit dem modernen Bild von Georg Baselitz am Schreibtisch im Kanzleramt. Zusammen mit dem kopfüber hängenden Baselitz-Adler ist er das Aushängeschild der Ausstellung. Aber auch andere Politik-Prominenz ist zu sehen. Von Außenminister Guido Westerwelle ist bekannt, dass er moderne Kunst schätzt. Und die Pose vor dem besonderen Bild ist auch bei Spitzenmanagern beliebt.

Kunst verunsichert Publikum

Ausstellungskurator Wolfgang Ullrich von der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe möchte anhand von zahlreichen Beispielen aus Politik und Wirtschaft zeigen, wie Kunstwerke dazu verwendet werden, ein breites Publikum zu befremden und zu verunsichern. Kunst gilt allgemein als wichtiges Bildungsgut, wer sich zu einem spröden Gemälde oder einer rätselhaften Skulptur bekennt, gilt als intellektuell ambitioniert und erhaben. Wie schlüssig moderne Kunst an die Stelle traditioneller Hoheitssymbole getreten ist, will die Ausstellung vorführen.

"In kaum einem anderen Land wird Macht so oft mit moderner Kunst repräsentiert", sagte der Präsident der DHM-Stiftung, Hans Ottomeyer, vor der Eröffnung der Schau in Berlin. Da beschreite Deutschland einen Sonderweg. Seit einigen Jahrzehnten erlebe moderne Kunst "eine erstaunliche Karriere" als Statussymbol in Wirtschaft und Politik.

Nationalsozialismus belastet politische Symbole

"Dass dieses Phänomen in der Bundesrepublik besonders weit verbreitet ist, hat auch mit der jüngeren deutschen Geschichte zu tun: Nach dem Nationalsozialismus waren viele politische Symbole bis hin zur Flagge belastet", erläuterte Ottomeyer. Als Ersatz seien Werke der bildenden Kunst ausgewählt worden: "Ihnen kam die Autorität zu, Macht nicht nur zu signalisieren, sondern auch erfahrbar zu machen."

Die Anregung zum Thema hatte Ullrich vor über 10 Jahren. Beim Blättern in Magazinen gekommen habe er bewusst gestellte Bilder von Mächtigen wahrgenommen. Was bereits in den 50ern begann, wurde ab den 80er Jahren dominant, als die Wirtschaft in großem Stil die Kunst für sich entdeckte und als zahlreiche Unternehmen eigene Kunstsammlungen anlegten mit dem Ziel eines Imagegewinns", fügte Ottomeyer hinzu. "Etliche Künstler tragen mittlerweile zum Glamour und zur Prominenz eines neuen Adels aus Stars, Reichen und Mächtigen bei, ihre Werke verheißen Event und exklusiven Lifestyle."

Die Schau konzentriert sich neben einem kleinen historischen Teil vor allem auf die jüngere Geschichte. So wird an Bildern der bisherigen acht Bundeskanzler die zunehmende Bedeutung der Bildenden Kunst deutlich, wie Ullrich sagte. "Gaben sich die mächtigen Politiker früher eher sehr privat auf diesen Fotos, so zeigen sie sich in jüngerer Zeit zunehmend mit bedeutenden Kunstwerken."

Adenauer in Merkels Büro

Ex-Kanzler Schröder ist auch im Atelier des verstorbenen Malers und Freundes Jörg Immendorff zu sehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in ihrem Büro mit einem "Adenauer"- Gemälde von Oskar Kokoschka zu sehen. Der heutige Außenminister Westerwelle, der als Kunstsammler gilt, zeigt sich mit dem Maler Norbert Bisky. SPD-Spitzenpolitiker werden mit der Willy-Brandt-Statue in der Parteizentrale ins Bild gesetzt.

Neben Fotografien sind in der bis 13. Juni gezeigten Exposition auch originale Werke zu sehen, die bei der Inszenierung von Macht eine Rolle spielen. Die Ausstellung auf rund 1000 Quadratmetern im Pei-Bau wird durch Kurzfilme ergänzt, die Einblick in die Präsentation von Kunst in Unternehmen geben soll. Zudem ist ein Katalog von rund 200 Seiten Umfang erhältlich, der nach Veranstalterangaben sämtliche Exponate in ihrer kunstsoziologischen Bedeutung erläutert sowie Essays und Interviews enthält.

Quelle: ddp/rpo

 
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